Heizölpreise: Kommt der teuerste Heizwinter aller Zeiten?

Die Heizölpreise haben sich seit Jahresbeginn nahezu verdoppelt. Wer heute den Öltank füllt, zahlt im Durchschnitt deutlich über 160 Euro für 100 Liter. Auch wenn im Neubau kaum noch Ölheizungen eingebaut werden, ist der Bestand immer noch hoch: Etwa jede sechste Wohnung wird in Deutschland mit Öl beheizt.

Am heutigen Vormittag steht der Preis bei den großen Online-Preisportalen bei 167 Euro. Das gilt für eine Bestellung von 3.000 Litern. Viele werden weniger ordern, in der vielleicht vergeblichen Hoffnung auf sinkende Preise. Bei kleinen Bestellmengen, bei Standorten im Norden und Osten des Landes oder in Regionen mit eher wenig Konkurrenz springt der Preis dann leicht Richtung 180 Euro. Noch höhere Preise gab es für kurze Zeit nur in den Monaten nach dem Beginn des Ukrainekriegs. 

Drei preistreibende Trends kommen im Moment zusammen:

Die Preise für Rohöl sind in den letzten Wochen wieder gestiegen. Nach relativ entspannten Monaten im Sommer macht sich die Sperrung der Straße von Hormus wieder bemerkbar. Die wichtigste Umgehungsroute durch das Rote Meer wird jetzt ebenfalls bedroht (Huthi-Milizen). Eine Lösung ist nicht in Sicht. Die Rohölpreise (Brent) kletterten daher von 80 auf heute 107 Dollar je Barrel.

Die Rohölpreise sind damit hoch, aber nicht sehr hoch. Der größte Preisschub kommt nicht vom Rohöl, sondern von den Raffinerien. Sie verarbeiten das Rohöl zu Ölprodukten. Das wichtigste Ölprodukt ist Diesel, der chemisch weitgehend identisch ist mit Heizöl.

Der internationale Handel mit Diesel leidet seit Monaten unter dem Ausfall wichtiger Raffinerien im Persischen Golf. Hinzu kommt der Exportstopp für russischen Diesel. Moskau zog damit die Notbremse nach den erfolgreichen Angriffen ukrainischer Drohnen auf russische Raffinerien. 

Die Lücken wurden bisher vor allem von amerikanischen Raffinerien geschlossen, doch hier müssen viele überstrapazierte Anlagen im Herbst überholt werden.

Die Folge: Der Dieselpreis steigt schneller als der Rohölpreis. In normalen Zeiten verdienen die Raffinerien brutto um die 20 Dollar je Barrel Diesel (der „Crack Spread“, also der Preisabstand zwischen einem Fass Rohöl und einem Fass Diesel). Im Moment sind es über 80 Dollar. 

Die deutschen Raffineriebetreiber, also vor allem die Mineralölkonzerne, profitieren von den Krisen. Ihre Gewinnmargen sind auf einem Allzeithoch. Der deutsche Dieselmarkt und Benzinmarkt ist seit März Selbstversorger, aber die Raffinerien exportieren ihre Produkte in Regionen mit höheren Preisen. Dadurch steigen die Preise auch hierzulande an der Tankstelle und im Heizkeller. 

Da ist es kein Wunder, dass die Rufe nach einer Übergewinnsteuer nicht verstummen, trotz der argumentativen Nebelkerzen, die von der Öllobby immer wieder erfolgreich in den Medien platziert werden.

Der dritte Preistreiber ist im Moment der Heizölmarkt selbst. Im Frühjahr und Sommer wurde nur wenig bestellt. Alle warteten auf eine Preisnormalisierung, die dann aber nicht kam.

Jetzt muss für die Heizsaison nachgekauft werden, aber viele Händler sind nicht darauf vorbereitet. In der einen Woche schießen die Orderzahlen in die Höhe; in der nächsten brechen sie wieder ein. Das sorgt immer wieder für Preisspitzen.

Ein Preissturz ist weit und breit nicht in Sicht. Die Krise am Persischen Golf ist festgefahren. Die Lage bei den Raffinerien wird im Herbst eher noch schwieriger. Und sollten Spätherbst und Winter kalt werden, droht ein Run auf die knappen Lagerbestände.

Auch im nächsten Jahr könnten die Heizölpreise daher sehr hoch bleiben.

Ab 2028 ist bereits der nächste Preisschub in Sicht. Im Rahmen des neuen GModG (Gebäudemodernisierungsgesetz) wird dann eine steigende Beimischung von „Grünöl“ im bisher rein fossilen Heizöl festgelegt, also ähnlich wie bei den Gasheizungen. Wie das genau aussehen soll, ist im Moment noch unklar. Die Wirtschaftsministerin will der Öffentlichkeit in wenigen Wochen das geplante Ergänzungsgesetz zum GModG präsentieren.