Scheinriesen? Tankstellenpreise und Heizölkosten im Kontext der gesamten Konsumausgaben

Höhere Tankstellenpreise und steigende Heizkosten sind in den Medien omnipräsent. Jeder zusätzliche Cent für Benzin, Diesel oder Heizöl scheint die privaten Haushalte in Deutschland an den Rand des Zusammenbruchs zu bringen. 

Aber wie hoch ist der tatsächliche Anteil an den Konsumausgaben aller privater Haushalte, also unabhängig von der Art der Heizung und unabhängig vom Mobilitätsverhalten.

Neue Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die mediale Aufmerksamkeit in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Relevanz dieser Ausgabenposten steht. 

Vor wenigen Tagen hat das Statistische Bundesamt das aktuelle Wägungsschema für das Jahr 2025 veröffentlicht. Es zeigt, welchen Anteil die unterschiedlichen Konsumausgaben haben, also von der Miete über Lebensmittel bis hin zu Kraftstoffen. 

Überraschendes Ergebnis: Im letzten Jahr flossen nur 3,75 Prozent der Konsumausgaben in Kraftstoffe und Heizöl. Zum Vergleich: Für Körperpflege und Frisur gaben die Haushalte deutlich mehr aus (6,3 Prozent).

Gegenüber dem Jahr 2020 hat sich nur wenig verändert. Die Ausgaben für Benzin dominieren nach wie vor, da Diesel eher im gewerblichen Bereich verwendet wird und da nur jede sechste Wohnung in Deutschland mit einer Ölheizung versorgt wird.

Szenario für 2026

In einem Szenario nehmen wir an, dass die durchschnittlichen Rohölpreise in diesem Jahr 50% über dem Vorjahr liegen werden, also bei 102 Dollar je Barrel. Das entspricht in etwa den Durchschnittspreisen im März und (bisher) im April.

Wir nehmen weiterhin an, dass der Heizölabsatz in diesem Jahr zwar durch die hohen Preise gebremst wird, aber nach einem kalten Winter dennoch ungefähr auf dem Vorjahresniveau bleibt. Auch nehmen wir an, dass der Spritverbrauch stabil bleibt, ähnlich wie nach dem Ölpreisschock im Jahr 2022.

In diesem Szenario könnte der Anteil der Ausgaben für Kraftstoffe und Heizöl an den Gesamtausgaben der privaten Haushalten von 3,7 Prozent im Jahr 2025 auf 4,7 Prozent in diesem Jahr steigen. In der Tat ein deutlicher Anstieg, aber im Vergleich zu anderen Ausgabenposten nicht dramatisch. Auf eine „Taskforce Kosmetikpreise“ wird man dennoch vergeblich warten.

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