18. Okt. 2012 – Rohöl sinkt heute um einen halben Dollar auf knapp 113 $/b, Gasoil und Euro bleiben stabil bei 998 $/t bzw. 1,31 $. Die Stimmung auf den Finanzmärkten ist zuversichtlich, weil relative starke Daten zur amerikanischen Bauwirtschaft und zur chinesischen Volkswirtschaft veröffentlicht wurden.

Rohöl hat nach den letzten Lagerdaten aus den USA allen Grund zu fallen, wird aber durch Saudi-Arabien gestützt: Das arabische Land hat im Sommer nach den jüngsten JODI-Daten seine Ölexporte massiv gekürzt. Sie fielen von 7,84 im Juni auf 7,08 mb/d im August. Sollte sich dieser Rückgang im September bestätigen, widerspräche das dem selbstgesetzten Ziel Riads, die Ölpreise Richtung 100 Dollar zu drücken. Der Flüsterpreis wäre dann wohl eher bei 120 $/b.

Aber das Wichtigste: Die Temperaturen im Nordosten der USA und in Westeuropa, also den beiden wichtigsten Heizölmärkten der Welt, liegen weit über dem Durchschnitt.

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Quelle: CNN

Zumindest in den USA, so die Prognosen, könnte sich das noch eine Zeitlang fortsetzen. Der September 2012 war übrigens weltweit der wärmste September seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880.

Deutsches Heizöl reagiert auf diese bärische Grundstimmung und sinkt heute im Schnitt von 94 auf 92,50 Euro für 100 l mit der üblichen Spannbreite von etwa 91 Euro für Heizöl in Hamburg und 94 Euro in München.

Gasoil und Heizöl haben seit Oktober die ungeteilte Aufmerksamkeit der internationalen Ölmärkte. Die europäischen und vor allem die amerikanischen Diesel- und Heizölvorräte fallen immer weiter und liegen jetzt weit unter dem Normalwert. An der Ostküste der USA sind laut Reuters nur noch 900.000 Barrel beim Großhandel gebunkert. Das ist der niedrigste Stand seit 2008.

Der Nordosten der USA muss seinen Heizölbedarf zum großen Teil importieren – entweder aus Europa oder von der US-Golfküste über die Colonial Pipeline, die aber zur Zeit völlig ausgelastet ist. Auch dauert der Transport bis New York über zwei Wochen.

Entsprechend hoch sind die Heizölpreise in New York. Sie lagen für Endverbraucher zu Wochenbeginn bei $4,32 je Gallone (der Börsenpreis vor Steuern liegt bei $3,20). Das entspricht 88 Euro pro 100 Liter. Vereinzelt wurden schon $5 gemeldet.

Die Knappheit und die Umstellung der Heizöl-Spezifikationen führt zu der vielfach geäußerten Prognose, dass die Heizölpreise an der Nordostküste der USA immer häufiger über den europäischen Gasoilnotierungen liegen werden. Ein weiteres Problem: Um im Frühjahr, wenn nur noch schwefelfreies Heizöl zugelassen ist, nicht auf den falschen Heizölvorräten zu sitzen, gibt es fast nur noch ad-hoc Importe.

Man kann jedoch die Prognose wagen, dass sich das jederzeit ändern kann, wenn das Wetter dreht, oder wenn es unerwartete Raffinerie- oder Pipelinestörungen geben sollte. Das würde dann die amerikanischen und sofort auch die europäischen Gasoil- und Heizölpreise rasch nach oben ziehen.