22. März 2013

1. Heizölpreise in Deutschland

Die Preise für Rohöl, Gasoil und Heizöl setzen ihren Sinkflug fort. Heizöl liegt mit 84,5 Euro/100 Liter etwa 6,5 Euro unter dem Vorjahrespreis – trotz der ungewöhnlichen Minustemperaturen in Westeuropa.

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Gasoil, das entscheidende Vorprodukt der Raffinerien für die Herstellung von Heizöl, bricht förmlich ein: Vor fünf Wochen mussten im Wochendurchschnitt noch 1015 $/t gezahlt werden. Aktuell sind es nur noch 906 Dollar.

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Fast ebenso stark gibt Rohöl (Brent) nach: Vor einem Monat waren es im Schnitt noch 118 Dollar pro Fass, jetzt sind es 108 $/b. Rohöl befindet sich im Sog der Makrotrends: Die Zypernkrise zieht den Euro nach unten und mit ihm die Ölinvestoren aus der Finanzbranche, die auf die Korrelation zwischen Devisen und Rohstoffen setzen. Der Shale-Hype in den USA verunsichert zudem immer mehr Retail-Rohstoffinvestoren weltweit. Sie ziehen sich im Moment aus Öl zurück und springen zum Teil auf den bereits fahrenden Erdgas-Zug.

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Der schwächelnde Euro bremst jedoch die Euphorie der Verbraucher in Europa. Die Gemeinschaftswährung gab seit Anfang Februar von 1,35 auf 1,29 $/€ nach, verlor also fast 5% an Wert. Das relativiert den Fall der Rohölpreise wie der Brent-Chart in Euro zeigt.

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Vielen Rohölpreis- und Gasoilpreis-Spekulanten ging angesichts der bröckelnden Notierungen der Mut verloren. Seit drei Wochen werden die Wetten auf steigende Preise massiv abverkauft. Seit Anfang Februar ging die Netto-Long-Spekulation bei Brent von 184 Mio. Fass auf 115 Mio. Fass zurück, bei WTI von 212 auf 170 Mio. Fass. Die Gasoil-Spekulation hielt noch etwas länger durch und erreichte erst in der zweiten Februarhälfte ihren Höhepunkt mit 11,7 Mio. Tonnen. Mittlerweile sind es „nur“ noch 7,1 Mio. t.

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Auch von der Margenseite kommt kein Preisdruck: Die Bruttomarge für Gasoil (Brent minus Gasoil) stieg bis Mitte Februar zunächst bis auf 8,9 Euro je 100 Liter an. Inzwischen sank sie kontinuierlich auf 6,5 Euro. Allein dieser schmalere Spread erspart den deutschen Heizölkunden 2,4 Euro/100 l. Die Heizölhändler nutzten die Gunst der Stunde und weiteten die Heizöl-Bruttomarge (Gasoil ICE minus Heizölendpreis) moderat von 10,1 Euro/100 l Anfang Februar auf zur Zeit 11,7 Euro aus.

Die Gasoil-Margen liegen damit in etwa wieder auf dem Vorjahresniveau, während die Heizölhändlermargen etwa 2 Euro (je 100 Liter) darüber notieren.

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2. Heizölpreise und Erdgaspreise international

Auch im Nordosten der USA hält sich der Winter länger als erwartet. Heizöl steht dort in direkter Konkurrenz zu Propan und Erdgas. Während die Heizölpreise an der Energiebörse Nymex schrittweise nachgeben, steigen die Erdgasspotpreise steil an – trotz Shale-Gas-Euphorie. Gestern wurde die 4 Dollar-Marke (für 1000 Kubikfuß bzw. 1 MMBtu) gestreift. Das ist der höchste Wert seit Oktober 2012. Im letzten Sommer war der Gaspreis halb so hoch.

Noch viel steiler kletterten die Gaspreise in den kalten Regionen im Nordosten der USA. Der gesamte Wärmemarkt im Nordosten erlebt zur Zeit eine Versorgungskrise. Der Erdgaspreis an der Transcontinental Gas Pipe Line Zone-6 (New York) lag im Februar bei 10,4 $/MMBtu. Vor einem Jahr waren es noch 3 $/MMBtu. Die Pipelines sind überlastet und können den Bedarf an Raumwärme und Strom nicht gleichzeitig decken.

Die Heizölpreise bleiben unterdessen stabil. Die Heizölpreise für Endkunden im Staat New York lagen Anfang der Woche bei 4,12 $/g, umgerechnet 84,4 €/100 Liter.

Wie in den USA blieben auch in England die Heizölpreise stabil: 84 Euro/100 Liter müssen derzeit vom Endkunden bezahlt werden. Anders bei Gas: Großbritannien erlebt eine Gaspreisrallye wie seit Jahren nicht mehr. Anfang der Woche mussten 11,9 $/MMBtu für prompte Lieferungen entrichtet werden. An der ICE liegen die Börsenpreise heute bei umgerechnet 10,5 $/MMBtu. Die extreme Gasabhängigkeit der englischen Verbraucher zieht in diesen Wochen große Gasmengen aus Belgien und den Niederlanden über den Kanal.

Die fehlen dann in Deutschland. Spotgaspreise am Hub NCG kletterten immer wieder über 30 Euro/MWh, was umgerechnet 13,1 $/MMBtu entspricht. Auch Terminpreise für den Sommer 2013 und 2014 liegen deutlich über 11 $/MMBtu bzw. 26 Euro/MWh.

3. Heizölpreis Prognose

Der verlängerte Winter kann den deutschen Heizölpreisen im Moment nichts anhaben. Rohöl tendiert schwach und testet die untere Grenze der dreijährigen Preisspanne bei etwa 105 $/b. Gasoil-Spekulanten wurden – auch wegen der Verzerrungen durch dominierende Player im physischen Markt – auf dem falschen Fuß erwischt und mussten ihre Kontrakte eiligst verkaufen. Die Heizölhändler vergrößern ihre Gewinnspannen ob der unverhofften Nachfragewelle, jedoch bislang nur moderat um etwa 1,5 Euro/100 Liter.

Viel besser kann die Lage nicht mehr werden. Wir sehen nur noch geringes Abwärtspotenzial bis knapp über 80 Euro/100 Liter. Dann sollte jedoch der Tiefpunkt erreicht sein. Die Heizöltanks in Deutschland sind vermutlich nur noch zu 50% gefüllt, was einen saisonalen Tiefstand darstellt. Heizölpreise nahe der 80-Euro-Marke werden verstärktes Kaufinteresse auslösen und die Preise stabilisieren. Die Margen bei Gasoil können nicht nicht mehr viel weiter nachgeben und Rohölpreise unter 100 $/b werden Gegenreaktionen bei der OPEC auslösen. Unsere Prognose der Heizölpreise: kurzfristig leicht schwächer, mittelfristig wieder steigend.