Korrelationen

Brent und WTI wurden abwechselnd

von starken Aktien und einem

schwachen Dollar unterstützt.

Die Abkopplung, die sich in

den letzten beiden Wochen anbahnte,

war in dieser Woche

nicht zu spüren.

Der Euro stieg auf über 1,48 Dollar,

gab am Freitag aber leicht ab.

Per Saldo verlor der Dollar knapp

1% in dieser Woche.

Die Aktien stiegen weltweit um

4% (siehe S.6). Die Nachwirkungen

des US-Arbeitsmarktberichtes

vom letzten Freitag verpufften.

Lediglich am Mittwoch (siehe

Schaubild oben rechts) brach

WTI wegen der EIA-Daten für

kurze Zeit von 71,40 auf 69 $/b

ein. Aber wenige Minuten später

setzte parallel zum Dollar eine

Erholung ein.

 

Hier ist unklar, was Ursache und

was Wirkung ist, denn Dollar und

Öl wurden wie eine gemeinsame

Anlageklasse behandelt.

 

Erklärung:

Die drei Schaubilder zeigen im

Stundentakt (eine Kerze pro

Stunde) die Preisentwicklung der

letzten Woche bei:

– Rohöl (WTI)

– Aktien (S&P 500 Future)

– Euro/Dollar

Ein steigender Euro bzw. fallender

Dollar korreliert häufig mit

steigenden Ölpreisen (in $) und

umgekehrt. Steigende Aktien korrelieren

häufig mit steigenden

Ölpreisen.

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Trader-Positionen am Ölterminmarkt (CFTC DCOT vom 6. Oktober)

WTI hat zwischen den beiden Berichtstagen (29.Sep./6.Okt) um über 4 $/b auf 70,88 $/b zugelegt.

Futures

Ein Blick auf die Futures (oberes Schaubild) zeigt die Ursache: Die Money Manager (Hedge Fonds, ETFs) haben ihr Long-Saldo von 88.515 auf 125.377 ähnlich stark ausgebaut, wie sie es in der Vorwoche reduziert hatten. Interessanterweise waren es diesmal vor allem die „Sonstigen Spekulanten“ und die „Non Reportables“ (im Schaubild nicht abgebildet), die die Gegenposition einnahmen, während die Ölbranche (PMPU) ihre Positionen annähernd konstant hielt.

Der plötzliche Anstieg der „Non-Reportables“, deren Marktanteil in nur einer Woche von 5% auf 8% der WTINymex-Futures stieg, könnte das Ergebnis der erwarteten Terminmarktregulierungen sein oder Folge einer bewussten Camouflage „unter dem Radarschirm“ der CFTC. Da die Non-Reportables zum großen Teil aus Spekulanten bestehen dürften, verdeckt die augenfällige Long-Spekulation der Money Manager also einen breiten Rückzug anderer Finanzinvestoren aus Wetten auf steigende Ölpreise.

Futures und Optionen

Die kombinierten Positionen (unteres Schaubild) zeigen ein ähnliches Bild. Auch hier steigt plötzlich der Anteil der „Non-Reportables“ an der Nymex, während die „Sonstigen Spekulanten“ sprunghaft von einer Long-Position auf eine neutrale Position wechseln.

Hintergrundinformationen – der neue Traderbericht der CFTC

Die beiden Schaubilder auf der nächsten Seite verdeutlichen die Entwicklung der Positionen in den bislang fünf vorliegenden DCOT-Berichten (näheres hierzu unten und im GOB Nr.12). Das obere Schaubild beschränkt sich auf Futures-Kontrakte, das untere zeigt die kombinierten Positionen aus Futures und Optionen.

Bitte beachten Sie, dass es sich hier um Netto-Positionen handelt, also die Differenz aus Long- und Short-Positionen.

Ebenfalls wichtig: Im Gegensatz zu den meisten anderen WTI-Analysen, die sich auf die Nymex beschränken, haben wir auch die Positionen an der ICE berücksichtigt. Die fünf neuen Trader-Kategorien im DCOT (Disaggregated Commitment of Traders Report) der CFTC:

1. PMPU („Commercials“)

Ölproduzenten, Raffinerien, Fluglinien, Heizölhändler, LKW-Speditionen – also alle, die Öl fördern, verarbeiten, verteilen oder verbrauchen.

2. Swap Dealer

Banken, die ihren Kunden maßgeschneiderte Swapderivate verkaufen und sich im Gegenzug auf den Terminmärkten in mehr oder weniger spekulativer Form absichern. Zu den Kunden gehören insbesondere Index-Investoren, die in Rohstoffindices wie z.B. den S&P GSCI investieren.

3. Money Manager

Spekulanten, die im Auftrag ihrer Eigentümer/Kunden in Terminkontrakte investieren. Das sind vor allem Hedge Fonds, die häufig als CTA (Commodity Trading Advisor) oder CPO (Commodity Pool Advisor) registriert sind. Auch die großen ETFs, wie z.B. der große amerikanische Öl-ETF USO, fallen als CPO in diese Kategorie.

Während die Hedge Fonds eher auf kurzfristige Trends setzen, steigt und fällt das Engagement der ETFs etwas gemächlicher. Es folgt der Höhe der Einlagen der Anleger.

4. Other Reportables

Das sind Spekulanten, die nicht zu den Kriterien der Kategorie „Money Manager“ passen.

5. Non-Reportables

Kleinere Trader, die ihre Positionen nicht melden müssen.

 

Optionen an der Nymex auf WTI (LO) für den Dezember-2009-Kontrakt

Calls: In dieser Woche (rote Säulen) wurden erstaunlicherweise die Call-Optionen mit einem Strike von 100 $/b erneut ausgebaut. Offenbar setzen immer mehr Optionskäufer darauf, dass WTI-Rohöl bis Mitte November (wenn die Optionen fällig werden) diese Marke noch erreichen kann. Auch bei 85 $/b wurde kräftig dazugekauft. Beide Positionen zusammen belaufen sich auf 105.000 Optionskontrakte, was 105 Mio. Barrel entspricht.

Bei den Puts nahm das Interesse hingegen ab. Bei 50, 60 und 70 $/b wurden die Positionen leicht abgebaut, sind aber in der Summe immer noch sehr groß.

Alles in allem gewannen in dieser Woche die Wetten auf einen steil steigenden Ölpreis in den kommenden Wochen an Gewicht. Immer mehr Marktteilnehmer halten einen Sprung von 15 bzw. 30 $/b in nur sechs Wochen für möglich.

Erläuterung: Unser Schaubild zeigt den Umfang des Open Interest für Dezember-2009-Optionen, jeweils an mehreren Stichtagen. Das obere Schaubild zeigt die Calls, das untere die Puts. Aus praktischen Gründen wurden nur die Positionen berücksichtigt, die ein Open Interest von über 10.000 Kontrakten aufweisen.

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FEATURE:
Die Rolle der Spekulanten im Ölmarkt – drei Korrelationsanalysen

1. Kenneth B. Medlock/Amy Myers Jaffe:

Who is in the oil futures market und how

has it changed?, James A. Baker III Institute

for Public Policy, Rice University, August

2009.

2. Jochen Möbert: Unterschiedliche Markteinschätzungen

von Spekulanten als Determinante

des Rohölpreises, Deutsche

Bank Research, September 2009.

3. Philip K. Verleger: The Role of Speculators

in Setting the Price of Oil (Testimony

to CFTC), University of Calgary, August

2009

Seit der Finanzkrise hat sich der amerikanische Diskurs über Finanzmärkte deutlich verändert: Spekulation und Derivate werden zunehmend kritisch gesehen. Eine schärfere Regulierung der Terminmärkte ist bereits in Kraft oder nur noch eine Frage der Zeit.

Das gilt auch für den Ölterminmarkt. Seit 2007 mehren sich die Stimmen, die Finanzinvestoren (Spekulanten) für den steilen Ölpreisanstieg 2008 und im ersten Halbjahr 2009 verantwortlich machen. Bisher hielten die Finanzbranche und Washington mit mehr oder minder guten Argumenten dagegen. Doch seit dem Machtwechsel im Weißen Haus schwenken immer mehr Banken auf den Kurs der staatlichen Terminmarktaufsicht CFTC ein. Sie will die Terminmärkte transparenter machen, Ausnahmeregelungen abbauen und dominante Marktpositionen verbieten.

Doch ein wachsender Konsens ist etwas anderes als eine objektive Bewertung der Rolle von Spekulanten. Hier gibt es immer noch eine Reihe schwieriger analytischer Probleme.

In den letzten Wochen wurden drei Studien zu diesem Thema veröffentlicht, die hier kurz vorgestellt werden sollen.

1. Die Studie von Medlock/Jaffe

In welchem Umfang sind Spekulanten für den Ölpreisanstieg verantwortlich? Als Datenmaterial greifen die Autoren, wie die meisten ihrer Kollegen, auf die wöchentlichen Trader-Berichte der CFTC für den WTI-Physical-Kontrakt zurück. Die Kategorie der „Non-Commercials“ steht dabei stellvertretend für Spekulanten. Die Studie berücksichtigt Futures und Optionskontrakte.

Damit entsteht allerdings schon das erste Problem, da der Bericht nur einen Teil der zugänglichen Aktivitäten erfasst: Die anderen WTI-Kontrakte an der Nymex (WTI Financial, WTI Calendar) wurden ebensowenig berücksichtigt wie ein beträchtlicher Teil der Optionen (European Style, Asian Style). Der große WTI-Kontrakt an der ICE ist erst seit September 2009 für die Analyse zugänglich, also nach dem Redaktionsschluss der Studie.

Ein zweiter technischer Einwand betrifft die optische Präsentation der Schaubilder, die so gewählt wurde, dass eine Überprüfung der Thesen kaum möglich ist.

1. Argument: Marktanteil

In ihrem ersten Argument stellen die Autoren fest, dass der Anteil der (erfassten) Spekulanten am Open Interest des Nymex-WTI-Marktes mehr oder weniger parallel zum Ölpreis gefallen bzw. gestiegen ist (s. Schaubild). Ihr Marktanteil stieg von etwa 20% zu Beginn des Jahrzehnts auf bis zu 55% Mitte 2008. Als zentralen Auslöser der Spekulationswelle sehen die Autoren den Commodity Futures Modernization Act (CFMA), der im Jahr 2000 die Positionslimits und die Aufsicht über spekulative Aktivitäten stark aufweichte.

Bis 2006 seien Spekulanten dem Ölpreis gefolgt, aber seither steige ihr Anteil am Terminmarkt bereits vor dem nachfolgenden Ölpreisanstieg. Darin sehen die Autoren ein generelles Problem der Preisfindung, da die Hedge Fonds (die den größten Teil der Spekulanten stellen) den Ölmarkt im allgemeinen nicht gut kennen und daher zu falschen Urteilen kommen können. Das hat, nach Auffassung der Autoren, im Jahr 2008 die Preisrallye unterstützt, da die Spekulanten zu spät erkannt haben, dass im physischen Ölmarkt bereits eine Überversorgung vorliegt.

Je größer also der Anteil der Spekulanten, desto weiter kann sich der Ölpreis also von seinem „fairen“ Wert entfernen. Leider gehen die Autoren in diesem Zusammenhang nicht auf ihr interessanteres Schaubild ein, in dem sie Spread- Kontrakte, Long- und Short-Kontrakte bei Futures (ohne Optionen) unterscheiden. Hier zeigt sich, dass die Spread- Kontrakte weit überwiegen. Da sie aber die Terminpreiskurve nur verzerren, aber im Prinzip nicht nach oben bewegen können, relativiert sich dadurch der Marktanteil der Spekulanten um etwa 75%.

2. Argument Nettopositionen

Im zweiten Schritt postulieren die Autoren einen Zusammenhang zwischen der Nettoposition der Spekulanten (also Long-Kontrakte abzüglich der Short-Kontrakte) und dem Ölpreistrend. Dieses Ergebnis wird leider nur anhand des folgenden Schaubildes begründet. Das kann aber nicht so recht überzeugen: Beispielsweise lag die Netto-Long-Position der Spekulanten seit Mitte 2007 immer wieder in der Nähe von 100.000 Kontrakten, aber der Ölpreis lag abwechselnd bei 40 $/b, 145 $/b oder 75 $/b.

Auch bleibt die Kausalität völlig ungeklärt. Schwimmen die Hedge Fonds nur in einem Trend mit oder lösen sie ihn aus?

Die Autoren räumen zudem ein, dass der physische Ölmarkt bereits unterversorgt sein muss, damit spekulative Positionen den Preis nach oben bewegen können. Dieses Thema wollen die Autoren in einer späteren Studie untersuchen.

Ölpreis und Dollar

Seit 2001 korreliert der Ölpreis stark mit dem Wert des Dollars: Fällt der Dollar, steigt der Ölpreis. Die Autoren verweisen auf einen Teufelskreis: Steigende Ölpreise verschlechtern die Handelsbilanz der USA. Das schwächt den Dollar, was wiederum die Ölpreise weiter nach oben treibt. Das erhöht die Attraktivität von Öl-Indexfonds. Ihre Käufe von Terminkontrakten beschleunigen die Preisspirale.

Im letzten Jahr waren die Ölimporte für 48% des Handelsdefizites der USA verantwortlich. 2002 waren es nur 19%. Für die Periode 2001-2009 berechneten die Autoren eine sehr hohe negative Korrelation von -0,82 zwischen dem Werte des Dollars und dem Rohölpreis (1,00 wäre eine perfekte Übereinstimmung). In der Zeit davor (1986-2000) lag sie nur bei -0,08.

2. Die Studie von Jochen Möbert / DB-Research

Auch die zweite Studie untersucht den Einfluss der Spekulanten mit quantitativen Analysen, geht dabei allerdings transparenter vor. Wiederum werden die Daten der CFTC nach Korrelationen durchsucht. Die Charts lassen vermuten, dass es sich nur um Nymex Futures für Physical WTI handelt. Wir hatten bereits oben die Einschränkungen dieses Ansatzes erläutert: Keine Optionen, keine ICE-WTI-Daten und keine anderen Nymex WTI-Kontrakte.

Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass nicht der Umfang der Spekulation, sondern die einseitige Long- oder Short-Ausrichtung der Trader die Ölpreise bewegt.

Die Studie verweist auf die Probleme, die der weit verbreitete Spekulationsansatz von Keynes und Kaldor hat. Demnachstabilisieren Spekulanten den Markt, weil sie anderen Marktteilnehmern das Hedging ermöglichen. Da Letztere über bessere Marktkenntnisse verfügen, werden Spekulanten à la longue zwangsläufig Verluste einfahren und keinen nachhaltigen Einfluss auf die Marktentwicklung haben.

Der Autor hält diese klassiche Auffassung nicht für überzeugend. Es könnte zwar zwar richtig sein, dass Spekulanten aufgrund ihrer Marktferne nicht zwischen fairem Preis und Marktpreis unterscheiden können, aber die dadurch entstehende große Spannbreite von Marktmeinungen erhöht die Preisvolatilität und zieht dadurch noch mehr Spekulanten an. Die Ölbranche/Ölverbraucher („Commercials“) verlieren damit an Einfluss und gehen steigende Risiken ein, wenn sie sich gegen den Marktpreis stellen, auch wenn sie der Überzeugung sind, dass er weit vom fairen Preis entfernt liegt.

Die Spekulation wird auch durch eine weitere Eigenschaft des Ölmarktes gefördert: Die niedrige Preiselastizität von Angebot und Nachfrage. Weder die Rohölförderung noch die Nachfrage reagieren spontan in nennenswertem Umfang auf Preisveränderungen, so der Autor. Das vergrößert die Volatilität der Ölpreise.

Das ist im Prinzip richtig, allerdings könnte man einwenden, dass das Angebot sehr wohl in wenigen Wochen verringert (OPEC) oder in wenigen Tagen ausgeweitet werden kann (Abbau von Lagerbeständen). Auch die Nachfrage ist durchaus flexibel, da die Abnehmer von Rohöl ja nicht die Endverbraucher, sondern die Raffinerien sind, die über Lagerstrategien oder Drosselung der Produktion ihre Nachfrage reduzieren können. Heizölkunden können ihre Käufe sogar jahrelang drosseln, wenn der Tankstand es zulässt.

Die Korrelationsanalyse des Autors kommt schließlich zu folgenden Ergebnissen:

1. Steigt die Zahl der Long-Kontrakte, steigt auch die Zahl der Short-Kontrakte.

2. Steigt das Long-Saldo (also ist die Zahl der Long-Kontrakte größer als die Zahl der Short-Kontrakte), steigt der Ölpreis.

3. Wer beeinflusst wen? Folgen die Spekulanten nur einem Preistrend oder lösen sie ihn aus? Dieser Frage wird mit einem Granger-Kausalitätstest nachgegangen, der aus der Reihenfolge von Ereignissen auf Kausalitäten schließt.

Hier sind die statistischen Ergebnisse insbesondere bei etwas größeren Zeitabständen zwischen den Ereignissen nicht eindeutig, aber in der Tendenz legen sie einen kurzfristigen Preiseinfluss eines Long-Saldos nahe, der aber bei einer längeren Periode abnimmt. Gerade bei einer längeren Preishausse liegt es auf der Hand, dass sich Henne und Ei nicht mehr voneinander unterscheiden lassen.

Insgesamt stellt der Autor also fest, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Long-Saldo von Spekulanten und steigendem Ölpreis gibt.

Damit wird allerdings noch nichts über eine tatsächliche (also nicht nur statistische) Kausalität gesagt. Es könnte zum Beispiel sein, dass neue Informationen von Hedge Fonds schneller verarbeitet werden, während der übrige Markt erst mit Verzögerung folgt. In diesem Fall wäre eine externe Ursache (neue Prognosen, Fall des Dollars, Zinssenkung etc.) sowohl für das Long-Saldo der Spekulanten als auch für den Ölpreisanstieg verantwortlich.

Auch überrascht die verzögerte Wirkung des Long-Saldos. Wenn Spekulanten tatsächlich quantitativ wichtige Marktteilnehmer sind, dann müsste bereits in dem Moment, in dem sie ihr Long-Engagement eingehen, der Ölpreis steigen. Eine verzögerte Wirkung legt dagegen die Vermutung nahe, dass Hedge Fonds alleine die Preise nicht bewegen können, sondern auf zusätzliche Akteure angewiesen sind.

Trotz der Beschränkungen einer rein quantitativen Korrelationsanalyse liefert die Studie ein wichtiges Korrektiv in der aktuellen Diskussion, denn sie ist ein Gegengewicht zu anderen Korrelationsstudien (CFTC 2008, Verleger), die zu dem Ergebnis kommen, dass es keinen statistischen Zusammenhang zwischen Spekulation und Ölpreis gebe.

3. Die Studie von Philip K. Verleger

Der Ölmarktexperte Philip Verleger kommt in seiner Untersuchung zu einem völlig anderen Ergebnis. Er führt Ölpreisveränderungen, insbesondere die wilden Schwankungen im Jahr 2008, auf fundamentale Faktoren zurück. Dazu zählt er insbesondere die Ungleichgewichte in der Versorgung mit schwefelarmem Öl, den Mangel an Entschwefelungsanlagen und die Preislenkung durch die Saudis.

Den Wiederanstieg der Ölpreise im ersten Halbjahr 2009 hält er für eine Folge der Lagerarbitrage. Hier wird Öl im Spotmarkt gekauft und gleich wieder auf Termin verkauft. Das Contango im Terminmarkt erlaubt risikolose Gewinne.

Spekulanten haben nach seiner Auffassung keinen Einfluss auf die Ölpreistrends. Wir vernachlässigen hier seine interessanten Ausführungen über die fundamentalen Faktoren und beschränken uns auf die Spekulationsthese.

Verleger erfasst das Open Interest in den WTI-Futures-Kontrakten an Nymex und ICE. Optionen berücksichtigt er nicht. Das ist ein etwas anderer Ansatz, da die beiden vorigen Studien nur die Nymex berücksichtigt haben. Allerdings kann Verleger jetzt nur das gesamte Open Interest erfassen und nicht mehr nach Akteursgruppen (Commercials, Non-Commercials) differenzieren, denn für die ICE liegen erst seit September 2009 genauere Daten vor.

Er korreliert nun die Änderung in der Größe des Open Interest mit der Änderung des WTI-Ölpreises. Die Korrelation liege hier, so Verleger, bei 0,0.

Seine Belege (Figure 6 und 8) verwirren jedoch:

Im Schaubild 6 scheint es sich um Tagesveränderungen zu handeln (so auch seine Bemerkungen im Text). Das ist ein sehr eingeschränkter analytischer Zugang. Wochen oder Monate wären sinnvoller.

Außerdem handelt es sich hier um die Veränderung des gesamten Open Interest, also um die Größe des Terminmarktes, was keinerlei Rückschlüsse darauf zulässt, ob spekulative Akteure Netto-Long oder Netto-Short sind. Für die Ausgangsfrage hat das Schaubild also keinerlei Bedeutung. Es wird nur der Frage nachgegangen, ober der Terminmarkt preisrelevant ist.

Noch vager wird das Argument, wenn man Schaubild 8 betrachtet. Zum einen ist unklar, was mit der linken Y-Achse gemessen wird. Das Open Interest (WTI Nymex, ICE) ist bedeutend größer als dort angegeben. Aber auch wenn man annimmt, dass der Autor nur den Frontmonat erfasst, passen die Zahlen nicht.

Noch gravierender ist der Einwand, dass Schaubild 8 der These des Autors eigentlich widerspricht und einen sehrdeutlichen Zusammenhang zwischen der Höhe des Open Interest und dem WTI-Preis nahelegt. Das Open Interest bewegt sich mit einem Vorlauf von wenigen Monaten genauso wie der WTI-Preis.

 

Zusammenfassung der drei Studien

Die beiden amerikanischen Studien können die Ausgangsfragen wegen der methodischen Probleme nicht befriedigend beantworten. Die deutsche Studie ist in dieser Hinsicht transparenter.

Eine Zusammenschau der Studien macht aber deutlich, dass ein Ansatz, der sich nur auf Korrelationsanalysen stützt, die Diskussion nicht mehr befruchten kann. Es steht mittlerweile außer Zweifel, dass es eine gewisse Korrelation zwischen der Marktpositionierung von Spekulanten und dem Ölpreis gibt. Die kommende CFTC-Studie wird dies sicherlich bestätigen.

In der nächsten Stufe steht ein anderes analytisches Problem im Vordergrund: Lösen Spekulanten Preistrends aus? Oder folgen bzw. verstärken sie nur den Trend? Letztlich ist für die Reform der Terminmärkte die Kausalitätsfrage entscheidend, für die jedoch andere Methoden aussichtsreicher erscheinen. Dazu gehören insbesondere Fallstudien. Das Marktgeschehen in kürzerfristigen Auf- oder Abwärtstrends liefert dem aufmerksamen Marktbeobachter eine Fülle von Anschauungsmaterial. Vermutlich lassen sich nur auf diesem Weg die Kausalitäten und Korrelationen der Ölpreisbewegungen klären.

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ÖLCHRONOLOGIE 2009

24. Dezember bis 20. Januar 2009

Gaspreiskonflikt zwischen Russland und der Ukraine stützt

vorübergehend die Preise für Diesel/Heizöl und Fuel Oil.

28. Dezember bis Anfang Januar 2009

Der Gaza-Krieg führt zu kurzfristigen spekulativen Ölkäufen,

bleibt aber ohne nachhaltige Wirkung auf die Ölmärkte.

 

20. Januar 2009

Amtsantritt von Präsident Obama. Er ordnet wenige Tage später

die Umsetzung der CAFE-Benzinverbrauchsnormen an, die

unter Bush beschlossen, aber nicht implementiert worden sind.

 

28. Januar 2009

Der IWF kürzt seine Wachstumserwartungen für die Weltwirtschaft

2009 auf nur noch 0,5%.

 

Januar bis Anfang März 2009

WTI-Öl (Nymex) koppelt sich immer stärker vom Weltmarkt ab

und notiert deutlich unter Brent. Die Lager in Cushing steigen

auf Rekordniveau (34,9 mb).

 

10.-15. Februar 2009

Die monatlichen Ölberichte von IEA, EIA und OPEC revidieren

ihre Nachfrageerwartungen für 2009 deutlich nach unten.

 

Februar 2009

China sichert sich weltweit Öllieferungen durch umfangreiche

Kredite an Russland, Venezuela und Brasilien.

 

15. März 2009

OPEC lässt Produktionsquoten unverändert. Die Compliance

soll Anfang März bei etwa 80% der vereinbarten Kürzungen

von insgesamt 4,2 mb/d liegen.

 

18. März 2009

Der IWF rechnet 2009 mit einer Kontraktion der Weltwirtschaft

um circa 0,6%.

 

17. April 2009

Die amerikanische Umweltbehörde EPA stellt offiziell fest, dass

Treibhausgase eine Gefahr für Gesundheit und Gemeinwohl

darstellen. Sie macht damit den Weg für die Regelung der

CO2-Emissionen frei. Der Ölmarkt ist insbesondere durch die

erwarteten schärferen Verbrauchsvorschriften für PKW betroffen.

 

24.April 2009

Die US-amerikanischen Lagerbestände für Öl und Ölprodukte

klettern von einem Höchststand zum nächsten. Sie liegen laut

EIA 134 mb über dem Vorjahresstand, einschließlich der Tankerlager

sogar bei 160-170 mb darüber.

 

April 2009

Der Terminpreise für Öl korrelieren immer stärker mit der Entwicklung

der Aktienmärkte, während die Spotpreise immer

noch schwach sind. Das nach wie vor starke Contango unterstützt

spekulative Lagerhaltung.

 

5. Mai 2009

Trotz hoher Lagerbestände und schwacher Ölnachfrage erreicht

WTI im Tagesverlauf ein neues Jahreshoch von 54,82 $/

b.

 

10.-15. Mai 2009

In den Monatsberichten von IEA, EIA und OPEC zeichnet sich

erstmals seit dem Herbst 2009 eine Stabilisierung der Nachfrageprognosen

ab.

 

19. Mai 2009

Das Weiße Haus, diverse Bundesstaaten und die amerikanische

Autoindustrie haben sich auf Zielwerte für den zukünftigen

Flottenbenzinverbrauch verständigt. Demnach gilt ab 2016 ein

Höchstwert von 35,5 mpg (6,7 l/100km).

 

Fortsetzung in Teil 3