Die PCK Raffinerie in Schwedt – ein Factsheet

1. Unruhige Zeiten: Schwedt und die globale Ölkrise

Russland stoppte am 1. Mai die Lieferung kasachischen Rohöls an die PCK Raffinerie in Schwedt. Die Auslastung der Anlagen wird um ein Viertel sinken, wenn nicht rechtzeitig Alternativen gefunden werden.

Diese Meldung hätte bis vor wenigen Jahren nur für regionale Schlagzeilen gesorgt. Aber die Zeiten haben sich geändert.

Die Probleme im brandenburgischen Schwedt sind ein weiterer Mosaikstein in einem globalen Krisenpanorama. Die Schattenseiten der Abhängigkeit von fossilen Energieimporten werden immer deutlicher.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und der Stopp der russischen Öl- und Gasexporte lösten bereits vor vier Jahren eine europaweite Energiekrise aus.

In diesem Jahr führt die Blockade der Straße von Hormus seit Ende Februar dazu, dass die globalen Ölreserven in einer bisher nicht erlebten Geschwindigkeit schrumpfen. Eine Lösung des Konflikts ist noch immer nicht in Sicht.

An allen Ecken und Enden der globalen Ölversorgung spitzt sich die Lage zu. Die Internationale Energieagentur spricht bereits von der größten Ölkrise der Geschichte.

Die Preise für Rohöl sind um über 50 Prozent gestiegen, die Preise vieler Ölprodukte um über 100 Prozent. Die europäische Versorgung mit Kerosin ist akut gefährdet. Wenn sich die Lage nicht rasch verbessert, müssen ab dem Sommer zahlreiche Flugverbindungen gestrichen werden.

Auch die Preise an den Tankstellen sind kaum wiederzuerkennen. Bei Benzin und vor allem bei Diesel profitieren die Mineralölkonzerne auf Kosten der privaten Verbraucher gleich doppelt: durch die höheren Rohölpreise und durch die noch schneller steigenden Spritpreise.

Die akuten Probleme haben die Bekämpfung der globalen Klimakrise in den Hintergrund gedrängt. Sie hat weltweit immer dramatischere Auswirkungen, völlig unabhängig davon, ob sie derzeit in den Schlagzeilen und in den Köpfen der Menschen Aufmerksamkeit erhält.

In Schwedt kommen in diesen Tagen viele dieser Probleme zusammen: Die Abhängigkeit von aggressiven Großmächten, die unsicheren Transitwege für Rohöl, die Abhängigkeit der ostdeutschen Energieversorgung von wenigen Raffinerien und der mühsame Strukturwandel zu einer dekarbonisierten Energiewelt.

Deutschland ist fast vollständig von Ölimporten abhängig (98 Prozent). Der deutsche Ölmarkt muss daher über Pipelines oder Tanker versorgt werden. Die wichtigsten Importrouten kommen aus allen vier Himmelsrichtungen:

Westen: Die Rotterdam-Rhein-Pipelines und die Rhein-Binnenschifffahrt stellen die mit Abstand wichtigsten Versorgungsrouten dar. Sie verbinden den deutschen Markt mit den großen Raffineriezentren und Seehäfen in den Niederlanden und Belgien.

Süden: Über die Mittelmeerhäfen (Triest) versorgt die TAL-Pipeline vor allem den Süden und den Südwesten Deutschlands.

Norden: Über die Nordseehäfen gelangt Öl in den Norden und zum Teil auch in den Westen des Landes.

Osten: Über die Druschba-Pipeline wurden die beiden ostdeutschen Raffinerien (Schwedt, Leuna) bis Ende 2022 mit russischem Rohöl versorgt. Seit dem Jahr 2023 wird die Versorgung über die Seehäfen in Rostock und Danzig sowie durch Pipelineöl aus Kasachstan organisiert.

Quelle: en2x

Im letzten Jahr kam Rohöl vor allem aus Norwegen, USA, Libyen, Kasachstan und Großbritannien nach Deutschland. Schon ein kurzer Blick zeigt, dass diese Struktur alles andere als krisensicher ist. [Q1]

Quelle: S.Bukold: Die Kerosin-Krise, Hamburg April 2026

Während die Ölproduktion in Norwegen noch einige Jahre stabil bleiben wird, ist sie in Großbritannien schon seit vielen Jahren in einem steilen Sinkflug. Die britischen Ölvorkommen in der Nordsee sind weitgehend erschöpft. Ein Ende der Exporte Richtung Deutschland ist bereits absehbar.

Moskau hat die Lieferung kasachischen Rohöls über das russische Pipelinenetz gestoppt. Beobachter vermuten außenpolitische Motive. [Q2]

Auch die Lieferungen aus Libyen sind unsicher. Das Land ist innenpolitisch zerrissen und steht im Brennpunkt unterschiedlicher Großmachtinteressen. In den letzten Jahren gab es immer wieder Lieferunterbrechungen.

Die USA konnten ihre Rohölexporte nach Deutschland in den letzten Jahren stark ausweiten und haben einen Teil der russischen Ölexporte ersetzt. Ein Ölexportstopp der USA ist jedoch jederzeit möglich. Die Motive könnten innenpolitischer Natur (hohe Tankstellenpreise in den USA) oder außen-politischer Natur sein (Haltung der EU zum Irankrieg, Zollpolitik etc.). Die Folgen für den deutschen und europäischen Ölmarkt wären dramatisch, insbesondere solange die Krise am Persischen Golf noch anhält.

Im Jahr 2025 importierte Deutschland 7,3 Prozent seines Rohöls und 2,0 Prozent seiner Ölprodukte aus der Krisenregion am Persischen Golf, insbesondere aus dem Irak. Solange die Straße von Hormus blockiert ist, sind irakische Rohöllieferungen nicht möglich.

3. Die Raffinerie PCK Schwedt

Die PCK Raffinerie GmbH („PCK“, „Raffinerie Schwedt“) verarbeitet Rohöl zu Ölprodukten, also zu Kraftstoffen (Diesel, Benzin, Kerosin) Heizöl, Bitumen und anderen Stoffen.

Die PCK ist eine der sieben Großraffinerien in Deutschland und die einzige Raffinerie im Nordosten des Landes. Sie versorgt weite Teile Ostdeutschlands sowie Regionen in Westpolen.

Das Unternehmen

Die PCK ist ein Lohnfertiger und damit kein unabhängiger Akteur. Die Eigentümer legen die Investitionen, Produktionsmengen sowie die Produktqualitäten fest und vermarkten die Produkte selbst.

Sie hat drei Gesellschafter (Eigentümer):

  • Die Shell Deutschland GmbH mit einem Anteil von 37,5 %. Shell versucht seit einigen Jahren erfolglos, seine Anteile an der PCK zu verkaufen.
  • Die Rosneft Deutschland GmbH mit einem Anteil von 37,5 %.
  • Die AET-Raffineriebeteiligungsgesellschaft mbH mit einem Anteil von 25 %. Die RN Refining & Marketing GmbH (Rosneft) hält zwei Drittel der Anteile an der AET. Das letzte Drittel hält Enilive Deutschland GmbH (ex Eni Deutschland).

Der russische Ölkonzern Rosneft ist damit über seine beiden Tochter-gesellschaften (RND, RNRM) Mehrheitseigner der PCK Schwedt (54,17 %).

Rosneft Deutschland besitzt außerdem Anteile an der Bayernoil-Raffinerie (Neustadt/Vohburg; Anteil von 28,57 %) und an der MIRO-Raffinerie (Karlsruhe; Anteil von 24 %).

Im September 2022 kamen die beiden Rosneft-Tochterunternehmen auf Basis des Energiesicherungsgesetzes in die Treuhandverwaltung der Bundesnetz-agentur. Die Treuhand wurde danach alle sechs Monate verlängert.

Im Februar 2026 änderte die Bundesregierung die Rechtsgrundlage (Außenwirtschaftsgesetz). Die Rosneft-Tochtergesellschaften sind jetzt dauer-haft in der Treuhandverwaltung des Bundes. Anfang Mai hat Rosneft gegen diese Änderung Klage eingereicht.

Die Rohölversorgung

Im Jahr 2025 stieg die eingesetzte Rohölmenge der PCK auf über 10 Millionen Tonnen, vor allem dank der höheren Importe aus Kasachstan, die auch im ersten Quartal 2026 zulegen konnten. Die Mengen aus Rostock und Danzig blieben relativ konstant. [Q3]

Im letzten Jahr (2025) versorgte sich die Raffinerie auf drei Wegen:
 [Q4]

  • ca. 60 Prozent des PCK-Rohöls kam über den Seehafen Rostock nach Schwedt
  • ca. 20 Prozent über den Seehafen Danzig (PERN/„Pommersche Leitung“) und
  • ebenfalls ca. 20 Prozent über Kasachstan (Druschba-Pipeline).

Im Laufe der letzten drei Jahren wuchsen vor allem die kasachischen Anteile. Für das laufende Jahr 2026 war eine Ausweitung von 2,15 Mio. Tonnen auf 3 Mio. Tonnen geplant. Im ersten Quartal 2026 kamen bereits 0,73 Mio. Tonnen über die Grenze. Die Blockade Moskaus stoppte diesen Trend seit Anfang Mai.

Produktion und Umsatz

Der im letzten Jahr veröffentlichte Bericht zum Jahresabschluss 2024 zeigt die wesentlichen Eckdaten der PCK. Sie verarbeitete demnach eine Rohölmenge von 9,3 Mio. Tonnen.

Die wichtigsten Produkte (inkl. Wiedereinsatz von Produkten) waren nach PCK-Angaben: [Q6]

  • Dieselkraftstoff 3,2 Mio. t
  • Ottokraftstoff 3,2 Mio. t
  • Heizöle 1,2 Mio. t
  • Kerosin (Flugturbinenkraftstoff) 0,3 Mio. t
  • Weitere Produkte 2,1 Mio. t

Die PCK hatte Ende 2024 1.181 Beschäftigte (inkl. Tanklager Seefeld) und erwirtschaftete einen Umsatz von 2,03 Mrd. Euro.

Davon bestand allerdings ein großer Teil aus (durchgereichten) Steuern und Abgaben. Ohne Energiesteuer („Mineralölsteuer“) und BEHG-Abgaben („CO2-Abgaben“) lag der Umsatz nur bei 560 Mio. Euro. Das Verarbeitungsentgelt der Raffinerie im engeren Sinn betrug 248 Mio. Euro. Das Ergebnis nach Steuern lag 2024 bei 3,1 Mio. Euro, der Jahresüberschuss bei 0,2 Mio. Euro. [Q7]

Technische Kapazitäten

Die PCK kann bis zu 10,33 Mio. Tonnen Öl pro Jahr destillieren. Das entspricht 10,0 Prozent der deutschen Kapazitäten (2024).

Bei den Konversionsanlagen (Cracker, Visbreaker, Coker etc.), die den Produktmix mit hohem Energieaufwand optimieren können, hat die PCK eine Kapazität von 6,09 Mio. t. Das entspricht 13 Prozent der deutschen Kapazitäten. [Q8]

Distribution der Raffinerieprodukte

Etwa 60 Prozent der PCK-Produkte werden über die Schiene verteilt. Auch der Flughafen BER wird ausschließlich mit Bahnkesselwagen über die Schiene versorgt.

Über die Pipeline Schwedt-Seefeld wurden im Jahr 2024 1,8 Mio. Tonnen zum Tanklager Seefeld transportiert und von dort weiter über die Straße in der Region verteilt. Der Rest (ca. 20 Prozent) wird direkt von der Raffinerie über die Straße distribuiert. [Q9]

Geschichte der PCK Schwedt 1964-2026

Die Ölpipeline Druschba nahm Ende 1963 den Betrieb auf. Die nördliche Leitung versorgte Polen und die DDR, die südliche Leitung vor allem Ungarn und die Tschechoslowakei mit russischen Rohöl. [Q10]

In Schwedt wurde parallel dazu ein großer Raffineriekomplex gebaut, der 1964 mit der Destillation des Rohöls begann. Rasch deckte die PCK etwa 70 Prozent des Benzin-, Heizöl- und Bitumenbedarfs der DDR. Der Ölverbrauch in der DDR, der bis dahin sehr gering war, stieg rasch an.

Während der OPEC-Krise 1973/74 erhielt das Land nach wie vor sowjetisches Erdöl zu niedrigen Preisen und begann daraufhin, raffinierte Produkte in den Westen zu verkaufen. Auch über Danzig wurde schon früh Druschba-Öl exportiert.

Die Lieferbeziehungen mit Russland überlebten das Ende der Sowjetunion, die deutsche Wiedervereinigung und die Auflösung des Ostblocks in den 1990er Jahren. Erst nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 änderte sich die Lage.

Ende 2022 stoppte die EU die russischen Ölimporte über den Seeweg, also per Tanker. Deutschland stoppte zusätzlich die Importe von russischem Pipelineöl über den nördlichen Strang der Druschba-Pipeline, während Ungarn und andere Länder weiterhin russisches Öl importierten, das über den südlichen Strang der Druschba-Pipeline geliefert wurde.

Die PCK Raffinerie in Schwedt musste daher ab dem Jahr 2023 auf anderen Wegen versorgt werden. Drei Optionen boten sich an:

  1. Tankerölimporte über den Seehafen Rostock
  2. Tankerölimporte über den Seehafen Danzig
  3. Kasachisches Rohöl über die Druschba-Pipeline

Rechtlich gesehen kommt kasachisches Öl in Schwedt an (KEBCO). Auch die Zahlungen erfolgen an kasachische Ölfirmen. Nur so können die Sanktionen der EU und der USA gegen russische Öllieferungen bzw. russische Ölkonzerne eingehalten werden.

Physikalisch lässt es sich allerdings von russischem Rohöl (Urals) nicht unterscheiden. Nach dem Grenzübergang zwischen Kasachstan und Russland wird das kasachische Öl im Pipelinetz der russischen Transneft zwangsläufig mit diversen anderen russischen Rohölsorten gemischt.

Die Krise im Mai 2026

Die Entscheidung Moskaus, die Lieferungen aus Kasachstan ab dem 1. Mai zu blockieren, kam ohne Vorwarnung. Seither wird nach Alternativen gesucht.

Mehr Rohöl aus Danzig?

Zusätzliches Tankeröl, das über den Seehafen Danzig nach Schwedt geliefert wird, scheint im Moment die aussichtsreichste Option für die PCK zu sein.

Im Moment laufen offenbar Gespräche zwischen der deutschen und der polnischen Seite. Das Wirtschaftsministerium (BMWE) gibt bereits Entwarnung. Auch über den Mai hinaus seien keine Versorgungsprobleme für die Raffinerie Schwedt in Sicht. [Q11]

Das polnische Energieministerium bestätigte Ende April, dass zusätzliche Lieferungen aus Danzig technisch möglich seien. Der polnische Pipelineoperator PERN spricht von zusätzlichen zwei Millionen Tonnen. Das entspräche in etwa der Rohölmenge, die im letzten Jahr aus Kasachstan importiert wurde. [Q12]

Letztlich werden aber die Ölkonzerne entscheiden. Warschau hat in der Vergangenheit mehrfach klar gemacht, dass man Rosneft Deutschland nicht mit Rohöl beliefern wolle. Es liegt nun also an Shell und Enilive, eine Einigung mit den polnischen Ölfirmen über Liefermengen und vor allem die Kosten zu erreichen.

Mehr Rohöl aus Rostock?

Die Pipeline vom Seehafen Rostock nach Schwedt gilt hingegen als weitgehend ausgelastet. Schon seit dem Jahr 2022 wird eine Modernisierung geplant, um die Kapazitäten von derzeit 6,8 Mio. Tonnen auf 9 Mio. Tonnen zu erhöhen. [Q13]

Die Bundesregierung will dafür 400 Mio. Euro bereitstellen. Das EU-Beihilfeverfahren läuft, aber aus Brüssel liegt noch keine Entscheidung vor. Es ist daher unklar, wann die zusätzlichen Kapazitäten zur Verfügung stehen werden.

Die bereits in den 1960er Jahren gebaute Rohrleitung läuft seit vier Jahren nahe der Kapazitätsgrenze. Im Dezember 2025 kam es zum schwersten Ölunfall seit über 30 Jahren. Etwa 350.000 Liter Rohöl strömten an einer Pumpstation bei Gramzow während Wartungsarbeiten in den Boden.

Die Ursache ist noch nicht geklärt. Den letzten Ölunfall in dieser Größenordnung gab es im Jahr 1993 bei einem Pipelineleck bei Weißenfels (Sachsen-Anhalt). [Q14]

Negativszenario: Produktionsrückgang in Schwedt

Noch ist die volle Versorgung der PCK Raffinerie nicht gesichert. Wenn die kasachischen Rohölmengen nicht ersetzt werden können, müsste die Auslastung der Anlagen in Schwedt in einigen Wochen um etwa ein Viertel gesenkt werden.

Was wären die Konsequenzen?

1. Wirtschaftlichkeit

Es ist schwer zu definieren, ab welcher Grenze die PCK Schwedt „wirtschaftlich“ arbeiten kann. Vom Unternehmen wird eine Untergrenze der Auslastung von 80 Prozent genannt. [Q15]

Allerdings ist die Raffinerie als Lohnfertiger nur die „verlängerte Werkbank“ der Mineralölkonzerne. Sie ist für die Eigentümer auch bei geringerer Auslastung ein unverzichtbares Kettenglied in einer insgesamt sehr profitablen Wertschöpfungs-kette, die vom Bohrloch bis zur Tankstelle reicht.

2. Höhere Preise an der Tankstelle und im Heizkeller

Andere Raffinerien in Deutschland und höhere Importe von Ölprodukten in Norddeutschland müssten dann die Lücken in Ostdeutschland schließen. Auch die staatlichen Ölreserven stehen notfalls zur Verfügung. [Q16]

Die Raffinerien in anderen Landesteilen könnten ihr Einzugsgebiet erweitern, um Teile Ostdeutschlands mitzuversorgen. Das könnte auf dem üblichen Weg über Tanklastzüge oder über die Schiene per Kesselwagen geschehen.

Das wäre dann allerdings mit höheren Kosten verbunden. Preissignale in schlechter versorgten Regionen müssten daher zusätzliche Anreize für die Versorgung liefern. Mit anderen Worten: Die Preise an den Tankstellen und für Heizöl werden in den betroffenen Regionen noch weiter als bisher über den Bundesdurchschnitt steigen.

3. Flughafen Berlin BER

Die PCK versorgt auch den Berliner Flughafen (BER). Die Relevanz dieser Mengen ist nicht ganz klar, da die PCK keine Liefermengen veröffentlicht. Nach Medienberichten liefert die PCK Schwedt „80 Prozent“ des Kerosins. [Q17]

Der Wert erscheint jedoch zu hoch. Für das Jahr 2024 meldete die PCK eine Kerosinproduktion von 300.000 Tonnen. [Q18] Das deckt lediglich 3,2 Prozent des gesamten deutschen Kerosinbedarfs (2025: 9,4 Mio. t) und liegt deutlich unter dem Bedarf von BER, der zu den größten deutschen Flughäfen gehört.

Angesichts der Passagierzahlen und Flugbewegungen in BER deckt die PCK den Kerosinbedarf des Flughafens vermutlich nur zu 30-50 Prozent.

Ein Umbau der deutschen Ölraffinerien Richtung Klimaneutralität und die Produktion von grünen Kraftstoffen wird bereits seit mehreren Jahrzehnten diskutiert und geplant.

Schon vor knapp 20 Jahren plante die Firma Choren zusammen mit Shell den Bau einer großen Anlage für grüne Kraftstoffe (Biomass-to-Liquids) in Schwedt. [Q19]

Aber erst nach dem Stopp der russischen Öllieferungen im Jahr 2022 wurden die Planungen konkreter. Im Rahmen des „HyPE“-Standortkonzepts soll die Raffinerie Schwedt bis zum Jahr 2045 auf grüne Produkte umgestellt werden.

Die wichtigsten Rohstoffe wären dann nicht mehr fossiles Rohöl und Erdgas, sondern Pflanzenöle, Bioethanol, Biomethan, Elektrolyse-Wasserstoff und CO2. Bisher steckt das Konzept allerdings noch in der Planungsphase.

Vergleichsweise konkret ist nur das Teilprojekt „Concrete Chemicals“. Auf dem PCK-Gelände sollen E-Kerosin und grüne Chemikalien produziert werden. Die Kosten der Anlage werden bisher auf 494 Mio. Euro geschätzt und zu etwa 70 Prozent durch Steuergelder (Bund und Land) finanziert.

Eine Genehmigung aus Brüssel für den Standort Schwedt (ursprünglich sollten die Anlagen in Rüdersdorf gebaut werden) steht allerdings noch aus. Auch eine endgültige Investitionsentscheidung privater Investoren ist noch nicht in Sicht. [Q20]

Keine der skizzierten Optionen kann der PCK Raffinerie und ihren Beschäftigten eine sorgenfreie Zukunft sichern.

Ein Festhalten an der fossilen Rohölversorgung, aus welchen Regionen auch immer, ist mit hohen Versorgungsrisiken und Preisrisiken verbunden. Das zeigt nicht nur die Lage am Persischen Golf.

Russland hat sich in der aktuellen Krise erneut als aggressiver und unzuverlässiger Geschäftspartner gezeigt. Lieferabhängigkeiten werden ohne Vorwarnung außenpolitisch instrumentalisiert. 

Wenn nicht rasch eine Lösung gefunden wird, wird die russische Blockade kasachischer Öllieferungen die Versorgung Ostdeutschlands zusätzlich erschweren. Die Preise für Kerosin, Heizöl, Benzin und Diesel könnten dadurch noch schneller als bisher steigen.

Mittelfristig wird der Absatz von Kraftstoffen und Heizöl schrumpfen, wenn sich der Trend Richtung Elektromobilität und Wärmepumpen beschleunigt.

Die Transformation zu einer grünen Raffinerie wird jedoch viele Jahre dauern, sehr teuer werden und einen langen politischen Atem erfordern.

Die PCK Raffinerie wird also auch in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen stehen. Sie können nur durch eine Zusammenarbeit aller Akteure, die Bereitschaft zu Innovationen und den Abbau riskanter Ab-hängigkeiten bewältigt werden.

Quellen
[Q1] Vgl. ausführlich dazu: S.Bukold: Ölpreisschock – Basisdaten zu Versorgungsrisiken und Kosten für private Haushalte, Hamburg März 2026.
[Q2] FAZ 23. April 2026.
[Q3] FAZ 27. April 2026.
[Q4] PCK Raffinerie GmbH: PE vom 29. April 2026; Reuters: Germany reassures on oil supplies as it seeks alternatives for Schwedt, 29. April 2026.
[Q5] PCK Raffinerie GmbH: Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2024 bis zum 31.12.2024, Schwedt/Oder 11. August 2025.
[Q6] Der Produktmix für 2025 und 2026 wird wegen der unveränderten technischen Konfiguration der Anlagen eine ähnliche Zusammensetzung aufweisen.
[Q7] PCK Raffinerie GmbH: Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2024 bis zum 31.12.2024, Schwedt/Oder 11. August 2025.
[Q8] en2x: Data Insights 2024, Berlin Juni 2025.
[Q9] PCK Raffinerie GmbH: Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2024 bis zum 31.12.2024, Schwedt/Oder 11. August 2025.
[Q10] M. Kaltenbrunner/ K. Patel: Früher hieß Druschba Freundschaft, FAZ 21. April 2026.
[Q11] Berliner Zeitung: Nach Druschba-Stopp durch Russland: Wer ersetzt jetzt kasachisches Öl für Schwedt?, 6. Mai 2026; Nordkurier: Öl-Stopp aus Kasachstan und Russland: Das droht jetzt der PCK-Raffinerie das Aus?, 4. Mai 2026.
[Q12] Reuters: Germany reassures on oil supplies as it seeks alternatives for Schwedt, 29. April 2026; FAZ 2. Mai 2026; Reuters: Germany in talks with Poland over oil deliveries after Russia says to halt supplies, 28. April 2026; FAZ 27. April 2026.
[Q13] Deutscher Bundestag 7. Nov. 2022; Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion der CDU/CSU – Drucksache 20/4199 – Energiesicherheit im Osten Deutschlands; FAZ 27. April 2026; Tagesschau.de: „Druschba“-Pipeline: Was der Öl-Stopp für Deutschland bedeutet, 1. Mai 2026.
[Q14] M. Schwarz: 350.000 Liter Öl: Das Rätsel um die Pipeline-Katastrophe in Brandenburg; https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/umwelt/350-000-liter-oel-das-raetsel-um-die-erste-pipeline-havarie-seit-32-jahren/; 12. Dez. 2025.
[Q15] Tagesschau.de: „Druschba“-Pipeline: Was der Öl-Stopp für Deutschland bedeutet, 1. Mai 2026.
[Q16] Vgl. ausführlicher dazu: S.Bukold: Ein Ölembargo gegen Russland, Daten und Argumente, April 2022.
[Q17] Tagesschau.de: „Druschba“-Pipeline: Was der Öl-Stopp für Deutschland bedeutet, 1. Mai 2026.
[Q18] PCK Raffinerie GmbH: Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2024 bis zum 31.12.2024, Schwedt/Oder 11. August 2025.
[Q19] S.Bukold: Öl im 21. Jahrhundert, Band II, Oldenbourg Verlag, München 2008.
[Q20] Tagesspiegel: Grünes Kerosin aus Brandenburg: Bund genehmigt 500-Millionen-Investition im PCK-Industriepark in Schwedt, 29. Jan. 2026.

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