Prognose der Heizölpreise und die Lage auf dem internationalen Ölmarkt

Prognose der Heizölpreise und die Lage auf dem internationalen Ölmarkt

1. Die allgemeine Preisentwicklung bei Heizöl und Rohöl

Die Entwicklung der Heizölpreise folgt 2013 weiterhin den Trends im Vorjahr (vgl. Schaubild): Von Januar bis Juni gaben sie bis auf 80 Euro/100 Liter nach (Standardbestellung 3000 Liter im Internet). Seither ziehen sie wieder europaweit an, wenn auch etwas gemäßigter als 2012. Im Moment müssen 88 Euro/100 l gezahlt werden; 2012 waren es zum selben Zeitpunkt 92 Euro, 2011 allerdings nur 82 Euro. Ohne den im Jahresvergleich etwas festeren Euro sähe es noch schlechter aus. Dann wäre Heizöl bereits über der 90-Euro-Marke.

Die Erleichterung gegenüber den letztjährigen Rekordpreisen hält sich allerdings in Grenzen, da das ungewöhnlich kalte Frühjahr bislang zu einem sehr hohen Verbrauch geführt hat. Alles deutet also im Moment auf Rekordkosten für Heizölverbraucher im Jahr 2013, zumal die Wetterdienste einen eher ungemütlichen Herbst prognostizieren.

Entwicklung der deutschen Heizölpreise 2009-2013

Heizölpreise 2009-2013

Heizölpreise 2009-2013

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2. Ölpreise und Ölmärkte: Vor der Krise?

In den letzten beiden Monaten zeigten sich die globalen Energiepreise überwiegend fest (vgl. hierzu unser aktuelles Global Energy Briefing) :

• Sehr deutlich zeigt sich das bei europäischem Gas, das angesichts leerer Speicher und Vorhersagen für kühles Wetter saisonal unüblich auf einem hohen Preisniveau verharrt.

• Amerikanisches Gas hat seine Schwächephase beendet und klettert angesichts hoher Sommertemperaturen (Strom für Air Conditioning) in den USA wieder über 3,5 $/mmBtu.

• Rohöl (Brent) bewegte sich zunächst seitlich, hat aber im Zuge der aktuellen Syrien-Krise und diverser Lieferausfälle einen Sprung nach oben gemacht. Die Bewegung findet allerdings noch immer innerhalb der fast dreijährigen Seitwärtsrange statt.

• Nur die Weltkohlepreise setzen ihren langgestreckten Sinkflug fort und sind nahe einem 3-Jahres-Tief. Der niedrige Importbedarf in China und US-Exporte drücken nach wie vor auf die internationalen Steinkohlepreise.

Das Hauptthema der Ölmärkte ist jedoch „MENA“ (Midle East & North Africa): Also die zahllosen Krisenherde in Nordafrika und im Nahen Osten. Erst Ägypten, denn Libyen, jetzt Syrien. Die Ankündigung von militärischen Vergeltungsmaßnahmen gegen das Assad-Regime für den mutmaßlichen Einsatz von Giftgas hat den Preis für Brent-Rohöl in drei Tagen um 7 Dollar steigen lassen. Im Moment ist es recht wahrscheinlich, dass ein begrenzter Militärschlag in den kommenden Wochen erfolgen wird. Brent hält sich wegen der Syrienkrise und massiver Exportfälle in Libyen (siehe unten) um die 115 $/b.

Rohölpreise in Dollar

Rohölpreise (Brent) 2011-2013

Rohölpreise (Brent) 2011-2013

Rohölpreise in Euro

Rohölpreise (Brent) in Euro 2011-2013

Rohölpreise (Brent) in Euro 2011-2013

 

Dabei ist Syrien nur der psychologische Auslöser für Befürchtungen um eine ohnehin schwelende physische Verkappung im atlantischen Rohölmarkt. Mehrere Faktoren kommen derzeit zusammen:

1. Syrien und Irak

Die Folgen der Syrienkrise für den Ölmarkt werden vermutlich überschätzt. Von den Luftschlägen wäre die Ölproduktion oder Ölversorgung der Welt in keiner Weise direkt betroffen. Die relativ bescheidene syrische Ölförderung ging schon bei Beginn des Bürgerkriegs im Frühjahr 2011 von 350 kb/d auf aktuell etwa 50 kb/d zurück. Davon finden nach unbestätigten Schätzungen höchsten 5-10 kb/d ihren Weg auf den Weltmarkt.

Unklar bleiben jedoch die indirekten Auswirkungen auf die ohnehin labile Sicherheitslage im benachbarten Irak, dem zweitgrößten Produzenten der OPEC. Die Zahl der Anschläge ist dort auf dem höchsten Stand seit fünf Jahren. Die wahrscheinlichste und gefährlichste Eskalation wäre eine Welle der Gewalt gegen die Ölinfrastruktur im ölreichen Süden des Irak, etwa auf die Hafenanlagen in Basrah, wichtige Pipelines oder die Felder West Qurna oder Zubair. Der Süden ist – was die Ölinfrastruktur angeht – noch relativ ruhig, auch wenn es in Basrah schon eine Reihe von Bombenattacken gegeben hat.

Eine militärische Intervention des Westens könnte das OPEC-Land zusätzlich destabilisieren. Sunnitische Rebellen aus dem Irak wären dann noch mehr als bisher in der Lage, die Ölimporte aus dem Nordirak zu stören. Aber das ist spekulativ. Schon seit Monaten werden immer wieder Bombenanschläge auf die nördliche Pipeline verübt, die vom kurdisch-irakischen Kirkuk an die türkische Mittelmeerküste in Ceyhan verläuft. Die Exporte über die nordirakische Pipeline werden auch im September nur die Hälfte der üblichen Mengen betragen, wie das staatliche Ölunternehmen Somo mitteilt. Diverse Leckagen und praktisch im Wochentakt erfolgende Anschläge behindern den Normalbetrieb seit Juni. Statt 240.000 b/d im August werden im September nur 110.000 b/d angeboten werden.

Assad könnte außerdem versuchen, Israel in den Konflikt mit hineinzuziehen, was die amerikanische Spekulation auf steigende Ölpreise erfahrungsgemäß auf ein Maximum treibt.

Die syrischen Konfliktlinien finden sich auch im Irak wieder: Premierminister Malikis schiitisch dominierte Regierungsmannschaft unterstützt das pro-schiitische, alewitische Assad-Regime, während die sunnitische Opposition im Irak mit den syrischen Rebellen sympathisiert. Auch wird vermutet, dass Syrien zur Operationsbasis für Al Quaida Terroristen geworden ist, die im Irak operieren.

Syrien ist damit zum Schauplatz eines Stellvertreterkriegs geworden zwischen Saudi-Arabien und den anderen sunnitisch geprägten Golfstaaten auf der einen Seite, die die Rebellen unterstützen, und dem schiitischen Iran und Bagdad auf der anderen Seite, die Assad stützen. Teheran ist neben Russland der Hauptalliierte von Assad. Der sunnitisch-schiitische Konflikt findet sich zudem auch innerhalb der saudischen und kuweitischen Bevölkerung wieder.

Sollte sich der Konflikt zwischen Syrien und den USA in die Länge ziehen, rückt also auch eine Lösung der Iran-Sanktionskrise in weite Ferne. Der US-Kongress will sogar zusätzliche Maßnahmen gegen das Assad-treue Teheran verhängen. Sie sind weitaus schwerer wieder aufzuheben als die Executive Order der Regierung. Der drohene Militärschlag gegen Damaskus wird die Ölpreise also weiter psychologisch unterstützen, aber nicht us dem Gleichgewicht bringen.

Syrien dominiert die Schlagzeilen, aber andere Störungen und Risiken im Ölmarkt sollten darüber nicht aus den Augen verloren werden:

2. Libyen – hohe Exportrisiken

Dem Land fehlen funktionsfähige Institutionen, um die zahllosen Konflikte auf friedliche Weise lösen zu können. Das Unabhängigkeitsstreben der östlichen Landesteile führt immer wieder zu Auseinandersetzungen mit der Zentralregierung, so auch aktuell.

Seit Ende Juli kann über die Haupthäfen Es Sider und Ras Lanuf kaum noch Öl exportiert werden. Lokale Sicherheitskräfte und Hafenarbeiter fordern höhere Löhne und politischen Einfluss. Der Osten des Landes strebt seit dem Sturz Gaddafis nach größerer Autonomie von Tripolis. Die Exporte lagen im Durchschnitt der letzten Wochen nur noch bei 0,5 mb/d gegenüber 1,25 mb/d in normalen Zeiten.

Bewaffnete Kräfte, die die Zugänge zu den Häfen blockieren, versuchen nun ihrerseits illegale Exporte durchzuführen. Das libysche Militär beschoss vor wenigen Tagen einen Tanker unter liberianischer Flagge, der sich den Hafenterminals näherte.

3. Ägypten

Die Lage am Suez-Kanal und entlang der Sumed-Pipeline, die das Rote Meer und die ägyptische Mittelmeerküste verbindet, war bis vor kurzem ruhig. Erst Ende August kam es zu einem Anschlagsversuch auf ein Schiff, das den Kanal passieren wollte. Er wurde jedoch vom ägyptischen Militär vereitelt. Schwerer wiegt jedoch, dass die Zukunft der Gasbranche in diesem ressourcenreichen Land wegen der schweren wirtschaftlichen Krise gefährdet ist.

Ägypten wurde in den letzten Jahren zu einem wichtigen Gasproduzenten und zum zweitwichtigsten afrikanischen Gasland nach Algerien. Die innenpolitischen Konflikte im bevölkerungsreichsten arabischen Land hatten bislang keine direkten Folgen für die ägyptische Öl- und Gasproduktion. Dennoch sind die mittelfristigen Folgen schon jetzt unübersehbar. Wegen der ökonomischen Krise kann Kairo die ausländischen Förderunternehmen nicht mehr bezahlen. Nach Schätzungen (Reuters) beträgt der Zahlungsrückstand bereits über 5 Mrd. Dollar.

Betroffen sind u.a. BG, BP, Eni und Edison. Viele Unternehmen verhängen deshalb einen Investitionsstopp. Das wiederum könnte die innenpolitische Lage eskalieren lassen, da Treibstoffknappheiten und hohe Gaspreise auch während der Präsidentschaft Mursi häufige Auslöser für Proteste waren. Deviseneinnahmen sind notwendig, um die stark subventionierten heimischen Treibstoff- und Gaspreise finanzieren zu können.

4. Nigeria

Nigeria leidet an den schwersten Produktionsausfällen seit 2009, als eine Amnestie und verstärkte Sicherheitsmaßnahmen zu einer Beruhigung der Lage im Nigerdelta führten. Doch jetzt reduzieren wieder technische Ausfälle, Sabotage und Diebstahl von Öl (v.a. das Anzapfen von Pipelines) die Fördermengen von 2,2 mb/d auf unter 1,9 mb/d in diesem Sommer. Die Regierung rechnete bislang mit mehr als 2,5 mb/d im laufenden Jahr.

Etwa 150.000 Fass pro Tag werden gestohlen und entweder in lokalen Raffinerien weiterverarbeitet oder auf illegalen Wegen ins Ausland verschifft. Die Ölmajors wie Shell und Chevron wiederum vernachlässigen die Infrastruktur im Binnenland, da die Onshore-Felder ihren Förderhöhepunkt bereits überschritten haben.

Hinzu kommen Verschiebungen auf den internationalen Ölmärkten. Die USA als traditioneller Absatzmarkt für das leichte nigerianische Öl brechen weg, da amerikanisches Shale Oil in etwa dieselbe Qualität hat. Auch das Öl aus dem benachbarten Ghana und allmählich auch aus Ostafrika konkurrieren mit Nigeria.

5. Jemen

Die Gasexporte bleiben weiter extrem gefährdet und müssen immer wieder unterbrochen werden.

6. Nordsee

Die technisch bedingten Störungen und Reparaturarbeiten werden in diesem Jahr weitaus umfangreicher sein als bislang erwartet. Der physische Markt ist bereits stärker als erwartet, wie die Struktur der Brentkurve zeigt. Die Backwardation wiegt daher zu sehr in Sicherheit. Sie hatte Anfang 2013 zunächst sehr spezifische Gründe, insbesondere da aus steuerlichen Gründen Nordseeöl aus Südkorea geordert wurde. Aber nun ist die Stärke am Frontend breit und ausgeprägt.

7. Saudi-Arabien

Das wichtigste Ölexportland der Welt ist weiter stabil. Es können keine größeren Proteste oder regimekritischen Demonstrationen beobachtet werden. Riad arbeitet proaktiv mit verstärkten finanziellen Zuwendungen an wichtige Klientelgruppen im In- und Ausland, insbesondere an Ägypten und die Rebellen in Syrien. Die Saudis brauchen hohe Ölpreise, um ihren Staatshaushalt finanzieren zu können.

Finanzmärkte und der Ölpreis

Während die Finanzanleger bei den meisten Rohstoffen short sind (also auf fallende Preise setzen), ist der Optimismus bei Öl seit Monaten ungebrochen – und die aktuelle Krise um Syrien gibt ihnen nachträglich recht. Doch das hohe Engagement birgt gleichzeitig ein enormes Rückschlagpotenzial. Die Nettowetten in Zahlen:

• mit 203,8 Mio. Fass wird auf steigende Brent-Rohölpreise gewettet

• mit 305,5 Mio. Fass wird auf steigende WTI-Rohölpreise gewettet

• mit 6,6 Mio. Tonnen wird auf steigende Gasoil-Preise gewettet.

Zur Zeit kaufen vor allem solche Akteure, die den Ölpreis als Absicherung (Hedge) gegen mögliche Turbulenzen auf den Aktien- oder Devisenmärkten benutzen, sowie Großverbraucher, die sich gegen mögliche Turbulenzen im Nahen Osten schützen wollen.

 

Spekulation auf steigende Rohölpreise und Gasoilpreise

Ölpreise: Spekulation mit Rohöl (Brent, WTI) und Gasoil 2012-2013

Ölpreise: Spekulation mit Rohöl (Brent, WTI) und Gasoil 2012-2013

Gasoilpreise und Heizöl

Die Versorgungslage in Europa ist angespannter als in den USA. Der wichtige Lieferant Libyen fällt immer wieder aus, in der Nordsee häufig sich (wieder einmal) technische Probleme und die Nachfrage scheint sich momentan zu stabilisieren. Vor allem bei Gasoil, dem zentralen Vorprodukt für Diesel und Heizöl, zeigt sich die Preisstärke, wie das folgende Schaubild zeigt. Die Gasoilpreise liegen nur noch knapp unter dem Vorjahr.

Gasoilpreise

Gasoil Preise 2011-2013

Gasoil Preise 2011-2013

Die Gasoil-Margen, also die Differenz zwischen Brent-Rohölpreisen und Gasoil-Preisen, bleiben hingegen unauffällig (vgl. nächstes Schaubild). Im Gasoilmarkt wurden die steigenden Einkaufspreise bislang nur weitergereicht. Die Margen sind leicht über dem Niveau von 2011, aber noch deutlich unter 2012, als die Raffinerien ihre Profite enorm ausweiten konnten.

Gasoilmargen

Margen im Gasoilmarkt (Rohölpreis minus Gasoilpreis) 2011-2013

Margen im Gasoilmarkt (Rohölpreis minus Gasoilpreis) 2011-2013

Auch im Heizölmarkt tut sich bei den Margen nicht viel (vgl. nächstes Schaubild). Sie bleiben bislang auf mittlerem Niveau. Auch hier werden also bislang nur die gestiegenen Rohölpreise und Gasoilpreise weitergegeben. Insofern kann man im nationalen Raum von fairen Heizölpreisen sprechen.

Heizölmargen

Margen im Heizölmarkt (Gasoilpreis minus Heizölpreis) 2011-2013

Margen im Heizölmarkt (Gasoilpreis minus Heizölpreis) 2011-2013

 

Heizölnachfrage

Die Nachfrage nach Heizöl blieb auch im Juni auf hohem Niveau, wie die Bafa in ihrer letzten Veröffentlichung meldete. Im Juni wurden 1,70 Millionen Tonnen Heizöl abgesetzt, etwas weniger als im besonders nachfragestarken Vorjahresmonat (1,98 Mio. t), aber mehr als 2010 und 2011. Damit setzt sich die Kette hoher Absatzzahlen fort, die eine Folge des ungewöhnlich langen Winters und verzögerter Nachkäufe sind.

Heizölabsatz in Deutschland bis Juni 2013

Heizöl Absatz 2011-2013

Heizöl Absatz 2011-2013

Auch Gaspreise mit Risiko?

Nach dem ungewöhnlich kalten Frühjahr und Vohersagen für einen kühlen September und Oktober füllen Europas Gaskonzerne ihre Speicher derzeit so schnell auf wie nie zuvor. Dadurch steigen die Preisrisiken zu Beginn der Heizsaison, wie Reuters unter Berufung auf Gashändler meldet. Die drei Monate März-Mai 2013 waren die kältesten in Deutschland seit 26 Jahren, in Großbritannien seit 51 Jahren.

Noch immer sind in acht Ländern die Füllstände 14 Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau, trotz einer beispiellosen Aufholjagd um 48 Prozentpunkte seit April. Die deutschen Spotpreise (Day-Ahead Net Connect) liegen Ende August bei knapp 26 Euro/MWh, dem höchsten Stand für diesen Kalendertag seit 2009.

Deutschland und seine Nachbarländer könnten deshalb im Frühjahr 2014 Engpässe in der Gasversorgung erleben, falls nicht schneller eingekauft wird. Vor allem Gazprom hat Spielraum für zusätzliche Lieferungen: Der russische Gasgigant lieferte im Juli 92 bcm, 12% mehr als vor einem Jahr. Allerdings sind die russischen Preise so hoch, dass indirekt auch die britischen Spotpreise mit nach oben gezogen werden.

Die deutschen Gasspeicher waren am 26. August 2,2 bcm weniger gefüllt als im fünfjährigen Durchschnitt. Im April lag das Defizit noch bei 5,7 bcm, wie Daten von Gas Infrastructure Europe zeigen.

Das liegt nicht zuletzt an der Kaufzurückhaltung der westeuropäischen Gasimporteure. Die LNG-Importe in Westeuropa (UK und Benelux) lagen in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres 30% unter dem Vorjahr. Die Pipelineimporte aus Algerien und Libyen nach Südeuropa fielen um 17%.

Die Gasspeicher in Deutschland wurden erst ab Ende Mai beschleunigt aufgefüllt, was ein vergleichsweise später Beginn ist und wohl eher kommerzielle als technische Gründe hat: Da die Sommerpreise kaum unter den Winterkontrakten liegen, ist es weniger profitabel als sonst, schon im Sommer die Speicher zu füllen. Die Gaspreise für das vierte Quartal liegen derzeit nur 1 Euro/MWh über den Spotpreisen. Vor einem Jahr lag die Preisdifferenz noch bei 2,75 Euro.

3. Prognose der Heizölpreise

Rohölausblick

Die Preis-Range 95-115 ist der stabile Orientierungsrahmen für die internationalen Rohölpreise (Brent) und wird dies bis auf Weiteres wohl auch bleiben. Allerdings verlassen sich nach nunmehr fast drei Jahren vielleicht schon zu viele Marktteilnehmer darauf, dass die Preise immer nur kurz außerhalb dieser Spanne bleiben können. Insofern ist mit extrem schnellen Preisbewegungen zu rechnen, falls der Preis doch nachhaltig ausbrechen sollte.

Die Ölvorräte in den Industrieländern (OECD) sind zur Zeit auf einem durchschnittlichen Niveau. Sollte nun die Nachfrage in den Schwellenländern stärker als noch vor kurzem erwartet anziehen, wie es die OECD und der IWF momentan vermuten, und sollten sich die bisherigen Lieferausfälle in die Länge ziehen, dürfte das den Boden für etwas höhere Rohölpreise im Herbst bereiten – trotz der nach wie vor sprudelnden Shale-Oil-Quellen in den USA.

Auch wenn die globale Ölversorgung nicht knapp ist, kommt die Zuspitzung in Syrien zur Unzeit, denn die ungeplanten Produktionsausfälle haben im Moment ein Zweijahreshoch erreicht. Addiert man die oben erwähnten fehlenden Ölmengen, dann fehlen dem Markt momentan 3 mb/d. Daneben gibt es relativ geringe freie Produktionskapazitäten, da Saudi Arabien immer noch seinen eigenen sommerlichen Spitzenbedarf decken muss.

Doch trotz dieser Risiken bleibt das Hauptszenario für uns ein weiterhin recht gut versorgter Ölmarkt. Die Finanzmarktakteure haben sich bereits weit aus dem Fenster gelehnt, so dass auch von dieser Seite aus kaum noch bullische Impulse ausgehen werden. Wir halten es daher für wahrscheinlicher, dass der Ölpreis im Durchschnitt auch weiterhin in seiner jetzt schon dreijährigen Preisspanne von 95-115 $/b verbleibt, wenn auch in der oberen Hälfte.

Zusammen mit einem stabilen bis leicht nachgebenden Euro und vermutlich bald saisonal bedingt anziehenden Margen im Gasoilmarkt heißt das, dass die deutschen Heizölpreise ihren leichten Aufwärtstrend fortsetzen könnten.

Prognose Heizölpreise

In unserer letzten Prognose aus dem Mai hatten wir für den Sommer einen Aufwärtstrend in einer Spanne 82-86 Euro erwartet. Für September/Oktober erwarten wir wiederum ein leichtes Anziehen bis in die Spanne 84-88 Euro/100 l. Mittelfristig steigen die Risiken, falls es wieder zu einem langen und kalten Winter kommen sollte, gleichzeitig die Lage im Nahen Osten unruhig bleibt und die Gaspreise anziehen. Falls es zu einem milden Winter kommt und/oder der Euro gegenüber dem Dollar an Wert gewinnt, besteht wenig Anlass für Preissteigerungen, da wir mit keinem Druck aus dem Rohölmarkt rechnen. Wir rechnen dann mit stabilen Preisen in einer Spannbreite von 80-85 Euro je 100 Liter.

 

 
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