Produktion von Grünem und Blauem Wasserstoff kommt nicht in Schwung (BNEF)

  • Die weltweite Produktion von sauberem Wasserstoff kommt nur langsam voran.
  • Stand Juni 2025 liegt die Produktionskapazität für Grünen/Blauen Wasserstoff nur bei 0,29 Millionen Tonnen (BNEF). Das entspricht lediglich 0,3 % des aktuellen (fossilen) Wasserstoffbedarfs.

Ohne Grünen Wasserstoff (der elektrolytisch aus Grünem Strom hergestellt wird) oder Blauen Wasserstoff (normaler fossiler Wasserstoff plus CCS, also Abspaltung und Speicherung von CO2 in Endlagern) drohen viele Dekarbonisierungsprojekte zu scheitern. Das gilt für die Stahl- und Chemieindustrie ebenso wie für Ölraffinerien und die Luftfahrt (e-SAF).

Zusätzlich setzen auch einige Akteure im Lkw- und Pkw-Sektor ihre Hoffnungen auf E-Kraftstoffe (hergestellt aus grünem H₂ und CO₂), um den Trend zu batteriebetriebenen Fahrzeugen aufzuhalten. Besonders kühne Lobbyisten bewerben sauberen H₂ sogar als Ersatzbrennstoff für Erdgas im Bereich der Hausheizung.

Doch nach der anfänglichen Euphorie hat sich in den letzten drei Jahren Enttäuschung breitgemacht. Die Kosten bleiben hoch, ebenso wie die technischen Hürden. Investoren streichen Projekte und potenzielle Kunden zögern. Es gibt beispielsweise weltweit noch immer keine Anlage, die E-Kraftstoffe für den Verkehr im industriellen Maßstab produzieren kann.

Auch Bloomberg (BNEF) dämpft die Erwartungen mit neuen Zahlen:

Derzeit können auf das Jahr hochgerechnet weltweit nur 0,29 Millionen Tonnen Blauer oder Grüner Wasserstoff pro Jahr produziert werden.

Im Vergleich dazu liegt der weltweite Verbrauch an fossilem Wasserstoff (hauptsächlich in Raffinerien und in der Chemie) bei knapp 100 Millionen Tonnen pro Jahr.

Sauberer Wasserstoff kann daher im Moment maximal 0,3 % des Bedarfs an fossilem Wasserstoff ersetzen. Damit bliebe jedoch nichts für neue Anwendungen im Verkehr oder in der Industrie übrig. Ganz zu schweigen von der Herausforderung, das jährliche Wachstum der Produktion von fossilem Wasserstoff aus Erdgas oder Kohle abzudecken.

Weitere 4,42 Millionen Tonnen befinden sich im Bau oder verfügen über eine Finanzierung, die derzeit als gesichert gilt. Jüngste Projektstreichungen in Deutschland, Spanien, Schweden und den USA zeigen, dass auch solche Zahlen mit Unsicherheiten behaftet sind. Änderungen in der Förderpolitik oder der Rückzug von Ankerkunden können jederzeit das Aus auch für weit fortgeschrittene Projekte bedeuten.

Quelle: Bloomberg/BNEF

Source: Bloomberg/BNEF