2025:
Der Absatz von Elektroautos (EV) setzte sein robustes Wachstum im vergangenen Jahr fort. Laut Zahlen von BNEF wurden 2025 insgesamt 21,7 Millionen EV verkauft. Das sind 4,1 Millionen Fahrzeuge mehr als 2024. Andere Quellen berichten niedrigere Zahlen (vgl. Methodikhinweis unten).
Der EV-Anteil am globalen Automobilmarkt stieg 2025 auf 26 %. Knapp zwei Drittel davon (17 %) entfielen auf China.
2026:
Im laufenden Jahr wird ein moderateres Wachstum erwartet. Der Marktanteil könnte auf 28 % steigen. Derzeit wird ein Plus von rund 2,6 Millionen EV erwartet. Diese Verlangsamung ist in erster Linie auf einen politisch bedingten Einbruch der US-Verkäufe sowie eine Marktabkühlung in China nach dem Auslaufen von Subventionen und Abwrackprogrammen zurückzuführen.
🔷 Der Trend ist seit Jahren eindeutig: Die EV-Verkäufe steigen linear an, zeigen jedoch keine Anzeichen einer Beschleunigung. Jedes Jahr kommen 3–4 Millionen neue Elektrofahrzeuge auf den Markt. Fast alle Fahrzeuge im bestehenden EV-Bestand sind neu, was bedeutet, dass die Netto-Bestandszuwächse in etwa den Verkaufsvolumina entsprechen.
🔷 Die Nettobilanz ist ernüchternd. Die Gesamtverkäufe von Fahrzeugen (Verbrenner und EV) stiegen im letzten Jahr weltweit um 3 Millionen Einheiten auf 84 Millionen Pkw. Folglich gingen die Verkäufe neuer Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor (ICE) lediglich um 1,1 Millionen Einheiten zurück. Die Nettobilanz des laufenden Jahres könnte ähnlich bescheiden ausfallen.

Das schleppende Tempo des Wandels wird noch deutlicher, wenn die chinesischen EV-Verkäufe aus der Berechnung herausgenommen werden. Was übrigbleibt, ist eine Elektroflotte, die jährlich lediglich um 1–2 Millionen Neufahrzeuge expandiert.
Schon in wenigen Jahren kann China nicht mehr die treibende Kraft der Elektrifizierung im Pkw-Markt sein, da immer mehr Regionen die Marktsättigung erreichen. Der EV-Marktanteil in China hat bereits die 50-%-Schwelle überschritten. Wegen der Kürzung staatlicher Förderungmittel wird für 2026 nur noch ein Wachstum von rund 10 % auf 15,6 Millionen Elektroautos erwartet.

Außerhalb Chinas zeigen sich jedoch eine Reihe positiver Trends. Der EU-Markt hat seine Absatzkrise von 2024 überwunden. Für das laufende Jahr wird ein Wachstumsjahr mit einem Plus von mehr als 20 % erwartet, auf dann 3,5 Millionen neue Elektroautos.
Der US-Trend entwickelt sich hingegen gegenläufig. Starker Gegenwind aus Washington ließ die Verkäufe schon im vergangenen Jahr leicht schrumpfen. In diesem Jahr dürfte der Markt um mehr als 10 % auf 1,3 Millionen neue Elektrofahrzeuge zurückgehen – das entspricht lediglich 8–9 % der chinesischen Verkaufszahlen.
Die Hoffnung ruht nun auf dem RoW, der „Rest of the World“, d. h. den Ländern außerhalb der großen Wirtschaftsblöcke China, USA und EU. Hier finden sich zahlreiche positive Beispiele von Vietnam über Großbritannien bis Uruguay. Im RoW sind Wachstumsraten von mehr als 20 % wahrscheinlich, angetrieben vor allem durch Exportoffensiven chinesischer Hersteller, die in ihrem Heimatmarkt auf wachsende Absatzschwierigkeiten stoßen.
🔴 Das Fazit fällt damit verhalten aus: Ja, Elektrofahrzeuge werden sich im globalen Automobilmarkt nach und nach etablieren, aber die weißen Flecken auf der Weltkarte sind unübersehbar. Die USA, Japan, der Nahe Osten, Russland/Osteuropa und viele andere Länder verfolgen derzeit eigene Wege. Der chinesische Markt nähert sich der Sättigung.
🔴 Sollte die Wachstumsdynamik der globalen EV-Flotte unverändert bleiben – während die Gesamtflotte der Automobile so wächst, wie viele es erwarten –, verschiebt sich die vollständige Elektrifizierung des globalen Pkw-Bestands auf die Jahre 2070–2080.

Anmerkungen zur Methodik
EV umfassen BEV, PHEV und EREV: reine Batterieelektrofahrzeuge, Plug-in-Hybridfahrzeuge und Elektrofahrzeuge mit verlängerter Reichweite.
BNEF (Bloomberg) gilt weltweit als zuverlässige Quelle und verfolgt den EV-Markt seit vielen Jahren. Da Definitionen und Datenerhebungsmethoden national variieren und gelegentlich unzuverlässig sind, harmonisiert BNEF die Zahlen regelmäßig.
Für die chinesischen Zahlen des Jahres 2025 gibt es jedoch eine ungewöhnlich große Diskrepanz zwischen BNEF (14,1 Millionen EVs) und dem chinesischen Automobilverband CPCA, der Einzelhandelsverkäufe von 12,9 Millionen elektrischen Pkw in China meldete.
Der Einheitlichkeit halber verwenden wir dennoch BNEF-Zahlen für die globalen Volumina und chinesische Verkaufszahlen. Für die EU und die USA greifen wir auf Statistiken von ACEA bzw. dem Argonne National Laboratory (ANL) zurück.
Titelbild: BFL Flux 2.0
