1. Ölpreise und Marktbalance
Trotz anhaltender Krisen in Venezuela, Iran und Russland/Ukraine bleiben die Ölpreise niedrig. Der durchschnittliche Preis für Brent-Rohöl lag im vergangenen Jahr bei 68 $/b. In den ersten Wochen dieses Jahres kostete es 64 $/b (siehe Diagramm). Der Angebotsüberschuss bleibt trotz diverser Störungen hoch, was zu wachsenden Beständen in Tanklagern und in den Meeren (Öltanker) führt.
Dieses entspannte Marktumfeld könnte das gesamte Jahr 2026 und eventuell auch das nächste Jahr prägen. Die IEA schätzt, dass das Ölangebot in diesem Jahr um 2,5 mb/d steigen wird, sofern die OPEC ihren derzeitigen Kurs beibehält und keine zusätzlichen größeren Angebotsstörungen auftreten. Die Ölnachfrage wird laut den jüngsten IEA-Projektionen mit einem deutlich geringeren Anstieg von 0,93 mb/d weit dahinter zurückbleiben.

2. Globale Ölnachfrage
Der Höhepunkt der globalen Ölnachfrage ist noch nicht in Sicht. Laut aktuellen IEA-Prognosen wird die Ölnachfrage in diesem Jahr (2026) sogar schneller wachsen als im Vorjahr.
🔷 In ihrem jüngsten Monatsbericht (Januar 2026) erwartet die IEA für 2026 einen Zuwachs von 932 kb/d (kb/d = 1.000 Barrel pro Tag), wodurch der globale Ölverbrauch ein neues Allzeithoch von 104,98 mb/d erreichen könnte (siehe Diagramm).
🔷 Für 2025 schätzt sie das Wachstum rückwirkend auf 847 kb/d. Ohne die Zollkonflikte, die insbesondere den chinesischen Petrochemiesektor bremsten, wäre der Anstieg im vergangenen Jahr höher ausgefallen.

Für dieses Jahr sind die Prognosen von IEA (Internationale Energieagentur, Paris), EIA (US-Energieministerium) und OPEC enger beieinander als im Vorjahr, als das OPEC-Sekretariat ein bei weitem zu robustes Nachfragewachstum vorhergesagt hatte. Derzeit erwartet die OPEC einen Anstieg der Ölnachfrage um 1,4 mb/d im Jahr 2026, die US-EIA prognostiziert 1,1 mb/d und die IEA 0,9 mb/d (siehe Diagramm).
Die Projektionen stimmen hinsichtlich der regionalen Verteilung überein: Stagnation in den Industrieländern (OECD), robustes Wachstum im Rest der Welt (Nicht-OECD). Wie in den Jahren 2024 und 2025 bleibt Asien der Wachstumsschwerpunkt und macht knapp zwei Drittel des globalen Zuwachses beim Ölverbrauch aus. China, Indien und Südostasien stehen im Mittelpunkt dieser Expansion.

Source: IEF
3. Ölnachfrage im Verkehr
🔷 Die Petrochemie mit den Feedstocks Naphtha und LPG/Ethan erholt sich 2026 nach den Zollkonflikten des Jahres. Er könnte +438 kb/d beitragen, was fast 50 % des Ölnachfragewachstums in diesem Jahr entspricht.
Aus diesem Grund steigen die CO₂-Emissionen aus dem Ölverbrauch etwas langsamer als die Ölnachfrage, da nur ein Teil dieser Produkte (insbesondere LPG) verbrannt wird. Der Rest landet überwiegend in Deponien, Müllverbrennungsanlagen oder in der natürlichen Umwelt. In den meisten Deponien entstehen allerdings zu einem späteren Zeitpunkt klimaschädliche Methanemissionen.
🔷 Verkehrskraftstoffe bilden die zweite Säule: Der Verbrauch von Jet Fuel/Kerosin, Benzin und Gas-/Dieselöl wird laut IEA insgesamt um +531 kb/d zunehmen.
Flugkraftstoff/Kerosin könnte in diesem Jahr erneut einen deutlichen Zuwachs von knapp +200 kb/d bzw. +2,5 % verzeichnen. Dieses Wachstum ist zehnmal größer als der von der IATA erwartete Anstieg beim Verbrauch von SAF (Sustainable Aviation Fuels).
Neben der gestiegenen Nachfrage und dem schleppenden Wachstum des SAF-Angebots machen sich weiterhin Lieferengpässe bei modernen Flugzeugen bemerkbar. Infolgedessen kann das zusätzliche Luftverkehrsaufkommen nicht durch eine verbesserte Kraftstoffeffizienz kompensiert werden.
Auch der Benzinverbrauch steigt, wenn auch deutlich moderater als im Vorjahr. Die wachsende Flotte an Elektrofahrzeugen macht sich allmählich bemerkbar.
In Europa (OECD Europa) hat der Verkehrssektor die Ölnachfrage seit mehreren Jahren stabil gehalten. Benzin und Flugkraftstoff sind die wichtigsten Stützen, während die Diesel-/Gasoil-Nachfrage leicht zurückgeht.


Quellen
- IEA: OMR January 2026, Paris 2026
- IEF: Comparative Analysis of Monthly Oil Market Reports, Riyadh January 2026
- IEA: Oil 2025, Paris 2025
- IEA: World Energy Outlook 2025, Paris 2025
- Titelbild: BFL Flux Image Generator
