Der Rohölpreis (Brent) blieb in den letzten Monaten stabil in der Gegend von 110 $/b. Die EIA (US-Energiebehörde) und die IEA (Energiebehörde der OECD-Industrieländer) gaben sich zuletzt optimistisch: Der Ölpreis werde bis 2020 stabil bleiben, wenn nicht sogar leicht fallen. Das würde auch die deutschen Heizölpreise unter 90 Euro für 100 Liter halten.

Doch nun veröffentlicht ausgerechnet die OECD selbst eine neue Ölpreisprognose, die einen steilen Anstieg auf 190 $/b bis 2020 erwartet. Das entspricht ceteris paribus – also bei stabilen Wechselkursen, Raffineriemargen und Händlermargen – Heizölpreisen von 135 Euro/100 Liter. Das ähnelt übrigens recht genau der Prognose, die wir bereits im Januar in unserer Heizölstudie für 2020 aufgestellt haben (Heizölpreis 2020: 131 Euro).

Die OECD, also Deutschland und andere Industrieländer, können sich also zwischen zwei gegensätzlichen Szenarien in derselben Organisation entscheiden: Von der OECD selbst und von der OECD-Organisation IEA.

Die neue OECD-Studie stützt sich auf der Makroebene auf das anerkannte Modell des OECD Economic Outlook sowie auf Annahmen zum Ölverbrauch in den großen Schwellenländern wie China, Indien und Indonesien. Die hohen Wachstumsraten werden dort zu einem sprunghaften Anstieg des Ölverbrauchs führen, da eine breite Mittelschicht den Pfad eines ölintensiven Lebenswandels mit eigenem PKW, Fernreisen, größeren geheizten Wohnungen und materiellem Konsum erst betritt. Die Ölintensität dieser Gesellschaften könnte also erst einmal steigen und nicht – wie von der IEA erwartet – linear fallen.

Die Unterschiede in den Ölpreisprognosen machen zumindest eines klar: Die Preisrisiken beim Einsatz von Heizöl bleiben bestehen. Aktuell ist davon allerdings noch nichts zu spüren: Trotz sibirischer Nächte in Norddeutschland verharren die aktuellen Heizölpreise bei 86 Euro.