Tankstellenpreise

Ölpreise im Alltag – Kommt der Ölpreissturz beim Verbraucher an? (Studie für vzbv / GEB Nr.116)

Weltweit sind die Preise für Rohöl eingebrochen.  Allein im Januar 2015 sanken die Kosten für Rohölimporte in Deutschland um ca. 2 Mrd. Euro. In vielen Branchen sinken dadurch die Kosten. Also könnten auch auch die Verbraucherpreise sinken. In unserer Studie für die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv und Pressemitteilung) analysierten wir anhand unterschiedlicher Beispiele, wie groß der Einfluss der Rohölpreise auf die Herstellungskosten ist und in welchem Umfang die Kostenvorteile an die Verbraucher weitergegeben wurden. Aus dem Inhalt:

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Im Flugverkehr wurden die Einsparungen durch die niedrigen Ölpreisen ...

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Tankstellenpreise: Margen der Mineralölkonzerne (Downstream)

Letzte Aktualisierung: 13. Januar 2013

Die Bruttomarge (Downstream) ist die Differenz aus Tankstellenpreis (Deutschland) und Rohölpreis (Brent in Euro). Sie erfasst also das Ergebnis (vor Kosten) der Mineralölgesellschaften zwischen dem Eingangstor der Raffinerie und dem Tankkunden.

Damit wird der Effekt schwankender Rohölpreise und Devisenkurse auf dem Weltmarkt herausgerechnet. Mit anderen Worten: Die Bruttomarge zeigt, ob Mineralölgesellschaften nur die Schwankung des Rohölpreises und des Eurokurses an den Tankstellenkunden weitergeben, oder ob es Abweichungen zugunsten oder zum Nachteil der Tankkunden gibt.

Tankstellenpreise: Margen der Mineralölbranche

Bruttomarge Wochendurchschnitt bis zum 7. Januar 2013

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Bruttomarge = Tankstellenpreis (vor Steuern) minus Rohölpreis in Eurocent/Liter; also die Bruttoeinnahmen der Raffinerien und Händler einschl. Tankstellen
© Bukold (EnergyComment) für Energiepolitik.DE

 

Tankstellenpreise Deutschland: Superbenzin und Diesel

Letzte Aktualisierung: 13. Jan. 2013

Der Chart zeigt die Tankstellenpreise in Deutschland für Super (E5) und Dieselkraftstoff. Es handelt sich um Wochendurchschnittspreise, die aus mehreren voneinander unabhängigen Quellen errechnet wurden. Superbenzin E10 hat nur einen geringen Marktanteil und liegt zur Zeit etwa 4 Cent/Liter unter E5. Das Schaubild zeigt die Benzinpreise und Dieselpreise für die Jahre 2011, 2012 und 2013.

 

Tankstellenpreise für Superbenzin und Dieselkraftstoff

Wochendurchschnittspreise 2011-2013 –  bis 11. Januar 2013

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Mausklick vergrößert Schaubild

Internationale Tankstellenpreise: Superbenzin

Letzte Aktualisierung: 13. Januar 2013

Der Chart zeigt die Tankstellenpreise für Superbenzin (E5, vor Steuern) in Deutschland, Österreich, Frankreich und im EU-Durchschnitt. Der Zeitraum erstreckt sich von Anfang 2011 bis heute.

Bis 2011 lagen die deutschen Vorsteuerpreise im Schnitt leicht unter dem EU-Durchschnitt. Seither rangieren die deutschen Dieselpreise häufig über dem EU-Durchschnitt und permanent über den französischen und österreichischen Tankstellenpreisen.

Das deutet darauf hin, dass der Wettbewerbsdruck in Deutschland gegenüber den Nachbarländern seit 2012 deutlich nachgelassen hat. Da Deutschland einen sehr großen Binnenmarkt und günstige geografische Voraussetzungen bietet, wären Preise unter dem EU-Durchschnitt zu erwarten – so wie in den Jahren 2011 und davor.

Da die deutschen Heizölpreise (vor Steuern) im internationalen Vergleich keine Abweichungen nach oben zeigen, ist es plausibel anzunehmen, dass nicht regionale Raffinerieprobleme oder andere Versorgungsstörungen für die hohen Spritpreise verantwortlich sind, sondern der geringe Wettbewerb auf der Anbieterseite oder die geringe Preiselastizität der Nachfrage, also der Tankkunden.

Internationale Tankstellenpreise: Superkraftstoff (E5)

Vorsteuerpreise in Deutschland, Frankreich, Österreich, EU 2011 bis 7. Jan. 2013

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Hintergrund:
Ein Vergleich der Vorsteuerpreise hat den Vorteil, dass das Preisniveau zwischen den Ländern vergleichbar wird, da Benzin überall aus Rohöl hergestellt hergestellt, für das es einen weitgehend einheitlichen Weltmarktpreis gibt. Die Nachsteuerpreise sind demgegenüber eher ein Abbild der national sehr unterschiedlichen Energiesteuersätze.
Einschränkend muss man anmerken, dass internationale Preisvergleiche nie perfekt sind, da die Erhebungsmethoden der Staaten nicht identisch sind. Trendaussagen sind jedoch möglich.

 

Internationale Tankstellenpreise: Diesel

Letzte Aktualisierung: 13. Januar 2013

Der Chart zeigt die Tankstellenpreise für Diesel (vor Steuern) in Deutschland, Österreich, Frankreich und im EU-Durchschnitt. Der Zeitraum erstreckt sich von Anfang 2011 bis heute.

Bis Ende 2011 lagen die deutschen Vorsteuerpreise im Schnitt leicht unter dem EU-Durchschnitt. Doch seither rangieren die deutschen Dieselpreise über dem EU-Durchschnitt und weit über den französischen und österreichischen Tankstellenpreisen.

Das deutet darauf hin, dass der Wettbewerbsdruck in Deutschland gegenüber den Nachbarländern seit 2012 nachgelassen hat. Da Deutschland einen sehr großen Binnenmarkt und günstige geografische Voraussetzungen bietet, wären Preise unter dem EU-Durchschnitt zu erwarten – so wie in den Jahren 2011 und davor.

Da die deutschen Heizölpreise (vor Steuern) im internationalen Vergleich keine Abweichungen nach oben zeigen, ist es plausibel anzunehmen, dass nicht regionale Raffinerieprobleme oder andere Versorgungsstörungen für die hohen Spritpreise verantwortlich sind, sondern der geringe Wettbewerb auf der Anbieterseite oder die geringe Preiselastizität der Nachfrage, also der Tankkunden.

Internationale Tankstellenpreise: Diesel 

Vorsteuerpreise in Deutschland – EU – Österreich – Frankreich bis 7. Jan. 2013

tankstellenpreise-diesel-bis-jan-2013-deutschland-frankreich-eu-österreich

 

Schaubild mit Mausklick vergrößern

 

Anmerkung:
Ein Vergleich der Vorsteuerpreise hat den Vorteil, dass das Preisniveau zwischen den Ländern vergleichbar wird, da Diesel oder Benzin überall aus Rohöl hergestellt, für das es einen weitgehend einheitlichen Weltmarktpreis gibt. Die Nachsteuerpreise sind demgegenüber eher ein Abbild der national sehr unterschiedlichen Energiesteuersätze.

Tankstellenpreise steigen in Deutschland schneller als in Nachbarländern

Aktuelle Preisvergleiche zeigen, dass die deutschen Tankstellenpreise deutlich stärker als in den Nachbarländern steigen.

Rechnet man die unterschiedlichen nationalen Steuern und Abgaben heraus, zeigt sich, dass Länder wie Österreich und Frankreich, aber auch der EU-Durchschnitt, preiswerter versorgt werden als der deutsche Markt. Das zeigen die Charts für Superbenzin ebenso wie für Diesel.

Gleichzeitig sind die Margen der Mineralölgesellschaften auf oder nahe dem Jahreshoch.

Der Wettbewerbsdruck im deutschen Kraftstoffmarkt hat 2012 offensichtlich nachgelassen. Vor 2012 lagen die deutschen (Vorsteuer-)Preise üblicherweise unter dem Niveau der Nachbarländer. Lobbyverbände erklärten die deutsche Sonderentwicklung bislang häufig mit einer Raffinerieschließung in Bayern (Petroplus Ingolstadt) Ende 2011. Die deutschen Heizölpreise (Heizöl und Diesel sind chemisch fast identisch) sind jedoch nach wie vor sehr wettbewerbsfähig und liegen unter dem EU-Durchschnitt. Auch hat die Raffinerie Anfang September ihre Produktion wieder aufgenommen.

Das Problem scheint also eher in der Struktur des deutschen Kraftstoffmarktes und/oder der Zahlungsbereitschaft der deutschen AutofahrerInnen zu liegen.

 

 

Frankreich senkt ab sofort Tankstellenpreise

28.Aug. Soeben hat der französische Finanzminister eine Senkung der Spritpreise angekündigt, zunächst für drei Monate. Im Anschluss daran sollen die Tankstellenpreise dauerhaft kontrolliert werden.

Der Staat senkt die Steuern um drei Cent, der Rest soll von der Mineralölwirtschaft finanziert werden. Unklar ist die Höhe der Reduzierung: Einige Medien (DJ) berichten von insgesamt „bis zu 6 Cent/Liter“, während Total eine Senkung um 2-3 Cent ankündigte (Details).

Die französischen Tankstellenpreise liegen normalerweise 10 Cent/Liter unter dem deutschen Preisniveau.

Wir halten die Pariser Entscheidung für einen finanzpolitischen Irrweg, da er an den Symptomen ansetzt, nicht aber an den Ursachen der hohen Ölpreise. Zudem wird die Maßnahme Mitnahmeeffekte auslösen, die verkehrs- und energiepolitisch kontraproduktiv sind und die haushaltspolitische Konsolidierung des Landes hinauszögern.

Update Tankstellenpreise: Autofahrer preisresistent, Margen steigen, Preise jetzt weit über EU-Durchschnitt

Unser wöchentliches Update der Tankstellenpreise und Margen zeigt:

1. Die Tankstellenpreise sind auf einem Allzeithoch. Im Wochendurchschnitt kostete ein Liter Super (E5) 1,74 Euro, ein Liter Dieselkraftstoff 1,55 Euro. Derzeit ist Diesel sogar teurer als Super vor einem Jahr (Schaubild).

2. Im internationalen Vergleich steigen die deutschen Tankstellenpreise (vor Steuern) deutlich schneller als z.B. in Österreich oder im EU-Durchschnitt. Der Preisabstand hat sich in den letzten Wochen stark vergrößert. Das könnte entweder eine Folge geringen Wettbewerbdrucks und/oder geringer Preiselastizität der Nachfrage sein, d.h. die deutschen AutofahrerInnen ändern ihr Mobilitätsverhalten auch bei hohen Preisen nur marginal. Daher können höhere Preise problemlos durchgesetzt werden (Schaubild Super; Schaubild Diesel).

3. Die stabile Nachfrage hat es den Mineralölgesellschaften trotz steil steigender Rohölpreise ermöglicht, die Bruttomargen zu erweitern. Das gilt insbesondere für Superbenzin (Schaubild).

Näheres zur Lage im Rohölmärkt und Heizölmärkt finden Sie in unserer aktuellen Analyse der Heizölpreise in Deutschland.

 

Tankstellenpreise in Österreich – funktioniert das Modell? (April 2012)

Hier mein Artikel aus DIE ZEIT zum österreichischen Tankstellenmodell:

http://www.zeit.de/auto/2012-04/benzinpreis-kraftstoffmarkt

KRAFTSTOFFMARKT

Österreichs Spritpreismodell funktioniert

Die Regulierung des Tankstellenmarkts in Österreich habe den Benzinpreis kräftig steigen lassen, behaupten Kritiker. Die Daten widersprechen dem.

Pünktlich zum österlichen Reiseverkehr sind die Kraftstoffpreise wieder leicht gestiegen. Am Montag kostete ein Liter der meistgetankten Sorte Super E5 im Schnitt 1,71 Euro, der Dieselpreis lag bei 1,53 Euro je Liter. Doch das Problem am deutschen Benzinmarkt geht tiefer. Klar ist: Kraftstoffe sind in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern relativ teuer. Das ist das schlichte Ergebnis hoher, wenn auch seit neun Jahren stabiler Energiesteuern.

Doch bisher galt, dass wenigstens die Vorsteuerpreise in Deutschland wegen des „harten Wettbewerbs um den deutschen Tankkunden“ deutlich unter dem EU-Schnitt lagen. Von wegen Kartell, der Markt funktioniere hervorragend, behaupten die fünf großen Tankstellenbetreiber, die den deutschen Markt dominieren, unisono. Niedrige Vorsteuerpreise darf man auch erwarten, denn Deutschland ist der größte europäische Kraftstoffmarkt, der zudem über die Rheinschiene und aus fast allen anderen Himmelsrichtungen gut versorgt werden kann.

Dieser langjährige Vorteil ist jedoch Anfang des Jahres verschwunden. Sowohl der Preis für Superbenzin als auch der Dieselpreis liegen in Deutschland mittlerweile auch vor Steuern über dem EU-Durchschnitt. Bei Superbenzin (E5) ist Deutschland aktuell das zehntteuerste Land der 27 EU-Staaten, werden die Dieselpreise verglichen, sogar das siebtteuerste. Dieser ungewöhnliche Trend ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die Preise an den deutschen Zapfsäulen seit Monaten schneller steigen als die Kosten der Branche.

Über die Gründe dafür kann man nur spekulieren. Ist der Wettbewerb hierzulande vielleicht doch nicht so ausgeprägt? Liegt es an der Raffineriestruktur? Haben vielleicht nur noch die deutschen Autofahrer die nötige Kaufkraft, sodass höhere Tankstellenpreise in Deutschland von den Konzernen mit niedrigeren Preisen in wirtschaftlich schwächeren Ländern verrechnet werden?

Die Politik will dem mit einer stärkeren Regulierung der Tankstellenpreise begegnen. Ein Vorschlag ist die Übernahme des österreichischen Spritpreismodells. Dort dürfen die Tankstellenpreise nur einmal am Tag erhöht werden. Auch müssen alle Preisänderungen an eine Online-Preisdatenbank gemeldet werden, über die sich jeder Tankstellenkunde informieren kann, wo in seiner Umgebung die preislich attraktivste Tankstelle ist.

Dieser Ansatz wird jedoch vom Bundeswirtschaftsministerium und dem Mineralölwirtschaftsverband bislang abgelehnt. Er bringe keine Verbesserung, heißt es. Die österreichischen Preise seien seit Einführung der Regelung Anfang 2011 weit überdurchschnittlich gestiegen, insbesondere im Vergleich zum deutschen Markt. Aber ist das tatsächlich der Fall?

Es mag sein, dass die österreichische Variante kein Königsweg ist, aber ein Blick auf die Preisentwicklung macht schon stutzig. Die Benzinpreise in Österreich sind seit Einführung der Regelung Anfang 2011 niedriger und stabiler als in Deutschland (siehe Grafik). Man muss sich wundern, wie das Ministerium zu einer anderen Einschätzung kommen konnte.

Fakt ist, dass in Deutschland die Öl- und Kraftstoffpolitik zu lange vernachlässigt wurde. Weder die Behörden noch die Forschungsinfrastruktur sind ausreichend vorbereitet, um den Herausforderungen im Kraftstoff- und vor allem im Rohölmarkt konzeptionell Paroli bieten zu können – insbesondere dem Problem Peak Oil, also der Zeitpunkt, ab dem das globale Fördermaximum überschritten ist. Die Stromwende ist richtig und wichtig. Aber darüber sollte man unsere einseitige und riskante Abhängigkeit vom Öl nicht vergessen.

© ZEIT ONLINE

STEFFEN BUKOLD

Steffen Bukold

© privat
Steffen Bukold ist Leiter des Forschungs- und BeratungsbürosEnergyComment und Herausgeber der Newsletter Global Energy Briefing und China Energy Briefing.

Benzinpreisstudie von EnergyComment – die Debatte mit dem Mineralölwirtschaftsverband

EnergyComment Blogpost 5. April 2012
Superbenzin (Update): Margen im März weiter gestiegen

In unserer Kurzstudie vom 9.März im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen hatten wir ausgeführt, dass die Tankstellenpreise für Superbenzin von Ende November bis Anfang März um 11,3 Eurocent/Liter gestiegen waren. Davon ließen sich nur 6,6 Cent durch höhere Rohölpreise oder einen veränderten Euro/Dollar-Kurs erklären. Die restlichen 4,7 Cent waren das Ergebnis einer Margenausweitung der Mineralölkonzerne. Die nicht durch steigende Kosten erklärbare Mehrbelastung der Tankstellenkunden summierte sich auf knapp 100 Mio. Euro pro Monat.

In der Zwischenzeit (Anfang März bis 30. März) ist der Euro minimal stärker geworden, und die Rohölpreise sind leicht gefallen. Daraus ergibt sich, dass die Einkaufspreise der Konzernraffinerien zum Stichtag rechnerisch um 1-2 Prozent günstiger geworden sind.

Trotzdem stiegen die Tankstellenpreise um durchschnittlich weitere 2 Cent an (alle steuerlichen Effekte wurden hier bereits herausgerechnet). Dadurch legte die Bruttomarge bei Superbenzin (d.h. Tankstellenpreis minus Rohölpreis) weiter zu: von 11,52 Eurocent/Liter Ende November über 16,25 Eurocent/Liter Anfang März auf 19,49 Eurocent/Liter Ende März. Zum Vergleich: Ein Liter Rohöl (Brent) kostete Ende März 58 Eurocent/Liter.

Das ist ein ungewöhnlich steiler Anstieg der Marge um 69 Prozent in nur vier Monaten. Da es keine Hinweise auf zusätzliche relevante Kostensteigerungen gibt, ermöglicht dieser Trend entsprechend höhere operative Gewinne. Über den Kostenanstieg hinaus fand also eine Umverteilung zu Lasten der Tankstellenkunden statt. Diese Mehrbelastung kletterte – wenn man sie  hochrechnet auf den Zeitraum eines Monats –  von knapp 100 Mio. Euro (Anfang März) auf 167 Millionen Euro pro Monat (Ende März).

EnergyComment Blogpost 3. April 2012
Deutsche Tankstellenpreise steigen schneller als im EU-Durchschnitt

Hierzu mein Artikel auf ZEIT ONLINE:

http://www.zeit.de/auto/2012-04/benzinpreis-kraftstoffmarkt

EnergyComment Blogpost 28. März 2012
Tankstellenpreise, Peak Oil und Ölverknappung

Ein Interview mit Steffen Bukold in der Augsburger Allgemeinen (Michael Kerler): Link und in der Berliner Zeitung (Stefan Sauer): Link sowie ein Interview zur Benzinpreis-Studie im Deutschlandfunk.

 

EnergyComment Blogpost 28. März 2012

Stellungnahme zur Pressemitteilung des Mineralölwirtschaftsverbandes vom 21. März 2012

Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) hat am heutigen Tag mit einer Pressemitteilung auf die Kurzstudie reagiert, die von EnergyComment (Steffen Bukold) im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen (MdB Bärbel Höhn) erstellt wurde. In knappen Worten spricht der MWV von „völlig falschen Ergebnissen“.

1. Wir begrüßen die Stellungnahme des MWV, da eine offene Diskussion zur Versachlichung der stark emotionalisierten Debatte über Tankstellenpreise beiträgt.

2. Ebenfalls begrüßenswert ist, dass der MWV offenbar nicht mehr (wie z.B. in seiner Pressemitteilung vom 23. Februar 2012 und diversen Medienauftritten) davon ausgeht, dass der Verweis auf höhere Rohölpreise und schwankende Wechselkurse ausreicht, den Anstieg der Tankstellenpreise zu erklären. Diese sachlich nicht korrekte Interpretation der Preisentwicklung war der Anlass für die Kurzstudie gewesen. Insofern wird das Hauptergebnis der Studie durch diese Pressemitteilung des MWV bestätigt.

3. Wir widersprechen allerdings der Methode, die der MWV in seiner aktuellen Pressemitteilung für die Berechnung der Downstream-Margen (also der Einnahmen zwischen Rohöltanker und Tankstelle) zugrunde legt. In
der Kurzstudie wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Margenausweitung bei Superbenzin in den Raffinerien der Mineralölkonzerne stattgefunden hat. Der MWV schließt diesen Konzernbereich ohne nähere Begründung aus seiner Betrachtung aus, obwohl Raffinerien nach dem eigenen Verständnis des MWV (Link), ebenso wie in der sachlichen Gliederung der Konzernbilanzen, zum Downstream-Sektor gehören und die Eigentümer dieser Raffinerien dieselben Mineralölkonzerne sind, die auch im Tankstellengeschäft den Markt dominieren.

Der Rotterdamer Raffinerieproduktenmarkt ist zweifellos vielfältigen Wettbewerbs- und Kosteneinflüssen ausgesetzt, aber das gilt ebenso für andere Teilmärkte, die vom MWV berücksichtigt werden, wie z.B. für den Markt für Binnenschifftransporte auf dem Rhein oder auch für den Tankstellenmarkt. Insofern ist es willkürlich, ausgerechnet den für die aktuelle Margenausweitung verantwortlichen Teilbereich, also die Raffinerien, außer Acht zu lassen.

Daher halten wir weiterhin an dem Ergebnis fest, dass Rohölpreise und Eurokurse nicht ausreichen, den Anstieg der Benzinpreise zu erklären. Der Mineralölbranche ist es in den letzten Monaten nicht nur gelungen, steigende Rohölpreise in vollem Umfang weiterzugeben, sondern zusätzlich ihre Margen deutlich zu erhöhen.

Dr. Steffen Bukold, Leiter EnergyComment/DCEB

 

EnergyComment Blogpost 21. März 2012

Kurzstudie: Rekordpreise an den Tankstellen: Allein durch steigende Rohölpreise und schwachen Euro erklärbar?

Kurzstudie im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis90 / Die Grünen: Rekordpreise an den Tankstellen: Allein durch steigende Rohölpreise und schwachen Euro erklärbar?

Für Medienanfragen: Büro MdB Bärbel Höhn (Auftraggeberin) – Link oder EnergyComment/DCEB Dr. Steffen Bukold (Autor der Studie) per Email erreichbar unter: bukold@energycomment.de

Aus der Zusammenfassung: 

„Rekordpreise für Superbenzin und Diesel an den deutschen Tankstellen haben eine lebhafte

Debatte über die Ursachen ausgelöst: Branchenvertreter erklären den Preisanstieg durch höhere

Rohölpreise und einen schwachen Euro, also die Weitergabe steigender Kosten an die

Verbraucher. Kritische Stimmen vermuten dagegen, dass es der Mineralölbranche im

Windschatten der Irankrise seit Jahresbeginn zusätzlich gelungen sei, ihre Margen auf Kosten der

Tankstellenkunden auszuweiten. Vor diesem Hintergrund wurde die Preisentwicklung von Ende

November 2011 bis Anfang März 2012 mit folgenden Ergebnissen analysiert:

1. Superbenzin:

Die Tankstellenpreise für Superbenzin sind um 11,3 Eurocent/Liter gestiegen. Nur 6,6 Eurocent/

Liter (58 Prozent des Preisanstiegs) lassen sich durch höhere Rohölpreise oder einen veränderten

Wechselkurs Euro/Dollar erklären. Die restlichen 4,7 Eurocent/Liter (42 Prozent des Preisanstiegs)

sind das Ergebnis höherer Bruttomargen in der Mineralölbranche.

Die Bruttomarge für Superbenzin (Tankstellenpreis minus Rohölpreis) wuchs zu Lasten der

Tankstellenkunden kontinuierlich von 11,52 auf 16,25 Eurocent, also um 41 Prozent. Bei einem

Absatz von 2,1 Milliarden Liter Superbenzin ergibt sich daraus eine finanzielle Mehrbelastung der

Tankstellenkunden von 98 Millionen Euro pro Monat.

2. Diesel:

Die Bruttomarge für Dieselkraftstoff (Tankstellenpreis minus Rohölpreis) fiel zunächst im Dezember

von 23,19 auf 18,80 Eurocent/Liter und stieg seit Jahresbeginn unter großen Schwankungen bis

Anfang März wieder auf 22,27 Eurocent/Liter. Die Dieselmargo blieb im Beobachtungszeitraum auf

einem vergleichsweise hohen Niveau, hat sich aber per Saldo kaum verändert.

3. Downstream-Analyse:

Die Ausweitung der Margen erfolgte in jeweils unterschiedlichen Sektoren der Mineralölbranche:

Die kontinuierliche Ausweitung der Benzin-Bruttomarge fand vor allem in den Raffinerien der

Mineralölkonzerne statt. Die Ausweitung der Diesel-Bruttomarge seit Jahresbeginn war vor allem

im Kettenabschnitt Inlandstransport-Handel-Tankstelle zu beobachten, sowohl zu Lasten der

Raffinerien als auch zu Lasten der Tankstellenkunden.

4. Fazit

In einem Markt mit hohem Wettbewerbsdruck wäre zu erwarten, dass steil steigende

Einkaufspreise zunächst zu einer Einengung der Margen führen, also nicht problemlos 1:1 auf dem

Markt durchgesetzt werden können.

Die Auswertung zeigt jedoch, dass es der Mineralölbranche nicht nur gelungen ist, die steigenden

Rohstoffkosten in vollem Umfang weiterzugeben, sondern auch die Margen auszuweiten. Das galt

für Superbenzin sehr deutlich und kontinuierlich, während die Margen für Diesel per Saldo stabil

blieben. Da es keine Hinweise auf zusätzliche relevante Kostenveränderungen gibt, führten diese

höheren Margen in der Branche zu entsprechend höheren operativen Gewinnen.

5. Schlussbemerkung

Diese Kurzstudie zeigt, dass Marktmonitoring und Verbraucheraufklärung notwendig sind, um die

Diskussion über die Ursachen hoher Tankstellenpreise zu versachlichen.

Doch selbst bei optimalen Marktverhältnissen bleibt das ölpolitische Grundproblem ungelöst:

Rohöl wird immer knapper und teurer. Peak Oil steht vor der Tür. Jede Störung in der

Ölversorgung wird starke Preisbewegungen auslösen, die durch Rohstoffspekulation zusätzlich

angeheizt werden. Nur mit langfristig angelegten ölpolitischen Initiativen auf nationaler und

internationaler Ebene kann diese Herausforderung bewältigt werden.“