2 October 2014

Frackingdebatte
WDR: Hintergründe zum Fracking-Gutachten für das Umweltbundesamt

By |2014-10-02T08:10:11+00:00Thursday, 2 October 2014|Categories: shale gas|0 Comments

Die Fracking-Debatte geht weiter: WDR-Energieexperte Jürgen Döschner zu den Hintergründen des umstrittenen Fracking-Gutachtens für das UBA.

[icon icon=”0289.png”][/icon]Zum Radiobeitrag: Alle Wege führen zu Exxon (WDR5-Morgenecho)

Lesen Sie zur aktuellen Fracking-Diskussion auch unsere Stellungnahme.

26 September 2014

Frackingsendung von Panorama
Restrisiko Halbwissen – Stellungnahme zum Panorama-Bericht über Fracking und Schiefergas in Deutschland

By |2015-01-06T18:52:28+00:00Friday, 26 September 2014|Categories: Energiepolitik, shale gas|0 Comments

Das Magazin Panorama (ARD/NDR) hat im September mit mehreren Fernseh- und Videoberichten  die Fracking-Debatte in Deutschland belebt, aber auch verkürzt, und damit in eine Richtung gelenkt, die für die energiepolitische Debatte letztlich unergiebig ist.

Wir haben in zahlreichen Analysen in den Jahren 2013 und 2014 die Schiefergas- und Schieferölförderung untersucht und unter verschiedenen Gesichtspunkten bewertet (vgl. unten). Auf dieser Basis möchte ich die Inhalte der TV-Sendungen wie folgt kommentieren.

[pullquote]Panorama:
Die Hauptthese der Berichte lautet, dass die Risiken des Frackings beherrschbar und nicht wesentlich größer als bei konventionellen („normalen”) Gasbohrungen seien.[/pullquote]

Mein Kommentar:

Die Aussagen der Interviewpartner beziehen sich fast ausschließlich auf den Vorgang des Frackings, also das Aufbrechen des dichten Schiefergesteins. Durch diese Verkürzung des Themas wird der Zuschauer irregeführt. Der Frackingprozess im Boden ist nur ein Schritt bei der Förderung von Schiefergas und Schieferöl. Was in der Bewertung fehlt:

  • die Bohrung selbst
  • der Transport enormer Mengen von Hilfsstoffen im ländlichen Raum mit schweren LKW
  • das Entweichen von Methan und anderer Gase bei der Bohrung (Fackelarbeiten)
  • die jahrelangen Gasemissionen durch Risse/Lücken in der Zementverschalung
  • das Auffangen und Entsorgen toxischer Rückflüsse
  • die Sicherung der Bohrlochintegrität über Jahrzehnte hinweg
  • und vor allem die große Zahl von Bohrungen.
[pullquote]Panorama: Die Risiken des Frackings sind nicht wesentlich höher als die Risiken der konventionellen Gasförderung.[/pullquote]

Mein Kommentar:
Geht es bei dieser Aussage um das Aufbrechen des Gesteins oder die Schiefergasförderung insgesamt?

Im ersten Fall ist die These sicherlich diskussionswürdig, wenn man die Auflagen für Fracking geeignet gestaltet und überwacht. Im zweiten Fall – und darum geht es ja schließlich in der energiepolitischen Debatte – ist die Aussage natürlich Unsinn.

Allein die hohe Zahl der Bohrungen und die zahllosen Aktivitäten an der Oberfläche führen unfallstatistisch zu ganz anderen Größenordnungen. Um auch nur 10% des deutschen Gasbedarfs über 20 Jahre zu decken, müssten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen mehrere Tausend Bohrungen niedergebracht werden.

Und nicht zuletzt: Auch „normale“ Gasbohrungen bringen Risiken mit sich. Erdbeben (vgl. den Ausbaustopp in Groningen), undichte Bohrlöcher, klimaschädliche Methanemissionen, Fackelarbeiten (Verbrennung von austretenden Gasen) mit z.T. toxischen Bestandteilen sind in der europäischen Gaswirtschaft an der Tagesordnung.

[pullquote]Panorama: Fast alle Wissenschaftler halten die Risiken des Frackings für beherrschbar.[/pullquote]

Mein Kommentar:
Auch hier ein Spiel mit Worten. Ein moderner PKW ist selbst bei hohen Geschwindigkeiten zweifellos „beherrschbar“. Aber wie hoch ist das Risiko, wenn Hunderte von Fahrzeugen durch eine Ortschaft rasen?

Blickt man in die USA, also in das einzige Land, das über einige Jahre Fracking-Erfahrung verfügt, so ist dort von einem Konsens nichts zu merken. Allerdings wird die Debatte allmählich sachlicher und aufschlussreicher. Nur ein Aspekt unter vielen: Wer kümmert sich in 20 Jahren um die Hunderttausende (!) von verlassenen Bohrlöchern in den USA. Schiefergasförderung gleicht einem Wanderzirkus, da die Vorkommen sehr schnell versiegen und daher an anderer Stelle immer wieder neu gebohrt werden muss.

Studien aus Pennsylvania und Kalifornien schätzen den Anteil der undichten Bohrlöcher und missglückten Bohrungen auf ca. 5%. Mit anderen Worten: In einigen Bundesstaaten der USA entsteht eine flächendeckende Altlast, deren Sanierung viele Milliarden Dollar verschlingen wird.

[pullquote]Panorama: Fachleute, die Fracking nicht rundweg ablehnen, werden nur unzureichend in die Politikberatung einbezogen. [/pullquote]

Mein Kommentar:
Das ist sicherlich richtig. Das Pendel der Debatte und der Politikberatung schwingt zwischen den Extremen hin und her. Es gibt lautstarke Befürworter und Gegner der Schiefergasförderung, die nur sprachliche Nebelkerzen werfen. Sachinformationen sind hier unentbehrlich, von Seiten der BGR wie des UBA, und nicht zu vergessen der beeindruckende Sachverstand, der sich in vielen Bürgerinitiativen und NGOs angesammelt hat.

Auch die Kommunen sollten mehr gehört werden. Sie sind unmittelbar betroffen: Der wochenlange Bohr- und Frackinglärm durch die großen Dieselgeneratoren, die enorme Verkehrsbelastung, die vielen Straßenschäden, wenn sich zahllose schwere LKW durch enge Ortschaften quälen, die Luftbelastung durch Methanemissionen und das Abfackeln der Gase, sowie Unfälle mit kontaminiertem Lagerstättenwasser und Chemikalien, die statistisch unvermeidlich sind.

[pullquote]Panorama: Schweigen[/pullquote]

Die Sendung schweigt leider zur eigentlichen Frage: Gibt es Alternativen, die unsere Energieversorgung mit geringeren Risiken und geringeren Kosten sichert?

Fazit:

Panorama präsentiert nur einen technischen Teilaspekt der Schiefergasförderung und will trotzdem allgemeine energiepolitische Schlüsse daraus ziehen. Damit verheben sich die Filmemacher.

Das gilt auch noch aus einem anderen Grund: Selbst wenn man (kontrafaktisch) die Harmlosigkeit der Schiefergasförderung unterstellen möchte, ist damit noch nichts über eine Kosten-Nutzen-Analyse ausgesagt. Es gibt andere, bessere Optionen, den Energiebedarf Deutschlands zu decken.

Nach unseren Schätzungen auf Basis der BGR-Zahlen und US-Erfahrungen ist eine maximale Schiefergasmenge von bis zu 10 bcm Erdgas pro Jahr möglich, die bis zu 11 % des deutschen Gasbedarfs decken könnte. Nach 20 Jahren wäre die Importabhängigkeit wieder genauso groß wie zuvor, da bis dahin die Schiefergasressourcen verbraucht sein werden. Und der Steuerzahler kann sich mit den Altlasten auseinandersetzen…

Brauchen wir also Schiefergas, um unsere energiepolitischen Ziele zu erreichen? Oder ist es nur ein Rettungsring für eine Gaswirtschaft, die angesichts schwindender heimischer Gasreserven ihre Kapazitäten nicht mehr auslasten kann? Jede Menge Stoff für investigativen Journalismus…

Dr. Steffen Bukold
EnergyComment


EnergyComment Analysen zum Theme Fracking, Shale Gas und Shale Oil:

Global Energy Briefing GEB Nr.101 (Fracking im Rahmen der gaspolitischen Optionen Deutschlands)
Global Energy Briefing GEB Nr.95 (Vollkostenanalyse Shale Gas)
Global Energy Briefing GEB Nr.89 (Shale Oil)
Global Energy Briefing GEB Nr.85+84 (Sonderausgabe Shale Gas & Fracking)
Global Energy Briefing GEB Nr.82 (Shale Gas)
Global Energy Briefing GEB Nr.81 (Shale Oil)


Weiterführende Informationen:

Was ist das Global Energy Briefing und wie kann ich es bestellen? Fordern Sie ein kostenloses Probeexemplar an. Nähere Informationen und Kontakt. 

Foto © kebox Fotolia-Lizenz

20 June 2014

Diskussion
Et tu: Hanebüchene Fehlinformationen zum Thema Gas in DIE ZEIT – ein Kommentar

By |2014-09-26T13:12:43+00:00Friday, 20 June 2014|Categories: shale gas|0 Comments

Der mediale Schlagabtausch Pro/Kontra-Fracking tobt weiter. Hochglanzbroschüren und apokalyptische Visionen auf beiden Seiten. Wie gut, dass man sich wenigstens auf den deutschen Qualitätsjournalismus verlassen kann. Da hat man noch Zeit und Lust zur Recherche. Oder doch nicht? Nehmen wir ZEIT ONLINE vom heutigen Tag: Frank Drieschner über die “Neue deutsche Angst” vor Schiefergas & Co (abgerufen am 20.6. 12 Uhr).

Das Vorbild ist die USA: Sie sind dank Fracking “zum größten Gasexporteur aufgestiegen und werden bald auch der größte Ölexporteur sein.” Wow! Das war mir entgangen. Und der amerikanischen Energiebehörde EIA und der Internationalen Energieagentur (IEA) ebenso.

Beide melden, dass die USA nach wie vor Nettogasimporteur sind, aber immerhin die Chance haben, in ein paar Jahre zu einem wichtigen Gasexporteur zu werden, allerdings weit hinter Russland und wohl auch hinter Norwegen und Qatar.

Beide Institute melden zudem, dass die USA auch langfristig Ölimporteur bleiben werden. Von (Netto-)Exporteur keine Spur und “größter Ölexporteur” schon gar nicht. Das ist eine völlig absurde Behauptung, über die man in Riad herzlich lachen wird. Derzeit müssen die USA noch immer ein Drittel ihres Ölbedarfs importieren.

Aber warum verzichtet Deutschland, so der ZEIT-Artikel weiter, auf  die heimischen “gut erschließbaren” Schiefergasmengen “zwischen 6,7 und 22,7 Billionen Kubikmeter…Das würde, gemessen am gegenwärtigen Verbrauch, für mindestens 80 Jahre und womöglich sogar für mehrere Jahrhunderte reichen.” Den als Kronzeugen bemühten Autoren der geologischen Bundesbehörde BGR werden jetzt wohl die Haare zu Berge stehen. Die BGR selbst (und nicht nur der SRU) spricht lediglich von 1,3 Billionen Kubikmeter Schiefergasressourcen, die technisch förderbar wären. Die Betonung liegt auf “wären”, denn nur ein kleiner Teil davon wird auch ökonomisch förderwürdig sein, da die Kosten in Deutschland etwa 2-3mal so hoch wie jenseits des Atlantiks sind. Nimmt man die USA als Vorbild, bleibt etwa ein Fünftel der Ressourcen, das den Titel “ökonomisch förderwürdig” verdient. Davon muss man die Mengen abziehen, die sich innerhalb von Wasserschutzzonen befinden. Was bleibt, ist eine Schiefergasmenge von etwa 0,2 Billionen bzw. 200 Mrd. Kubikmeter. Das könnte den Verbrauch Deutschlands für 2-3 Jahre decken, aber da die Vorkommen nur Schritt für Schritt erschlossen werden können und über Jahrzehnte ausgebeutet werden, kann pro Jahr nur ein kleiner Prozentsatz der Gasimporte durch deutsches Schiefergas ersetzt werden.

Auch die Vermutung des Autors, dass die Kosten der Schiefergasförderung in Zukunft immer weiter fallen werden, ist gewagt. Zwar gibt es laufend technische und organisatorische Fortschritte, aber gleichzeitig sinkt in immer mehr Schiefergasregionen der USA die Qualität der Vorkommen, da die “Sweet Spots” der Shale Plays bereits ausgebeutet sind. Nicht umsonst schreiben 95% aller mittelständischen Schiefergasunternehmen in den USA tiefrote Zahlen und wären angesichts ihrer hohen Verschuldung bei steigenden Zinssätzen kaum noch überlebensfähig.

Sicherlich sollte man einen Artikel nicht überfrachten, aber dennoch hätten andere, weitaus interessantere energiepolitische Optionen (höhere Energieeffizienz, LNG etc.) wenigstens eine Erwähnung verdient.

Wie sind solche Artikel möglich? Generell herrschen bei der ZEIT oder auch im SPIEGEL Qualitätsstandards, die den Leser tatsächlich informieren und nicht – noch dazu stark ideologisch aufgeladen –  in die Irre führen. Meinungsjournalismus und zugespitzte Kolumnen können erfrischend sein, aber bitte unterfüttert mit Fakten und nicht mit wilden Behauptungen.

 

 

20 June 2014

Glosse
NATO-Generalsekretär will Abhängigkeit von russischem Gas zementieren (Realsatire III)

By |2014-09-26T13:13:25+00:00Friday, 20 June 2014|Categories: Energiepolitik, shale gas|0 Comments

In Brüssel liegen die Nerven blank: Nato-Generalsekretär Rasmussen erklärte in einer Veranstaltung des renommierten Chatham House in London, dass  Russland gezielt Umweltorganisationen in Europa unterwandere, um das Fracking von Schiefergas – und damit eine größere Unabhängigkeit Europas von russischem Gas – zu verhindern.

Denkt man mehr als zwei Sekunden darüber nach, drängt sich dem amüsierten Leser jedoch genau die umgekehrte Schlussfolgerung auf: Will etwa die NATO die Abhängigkeit von russischem Gas zementieren? Es ist weitgehend unumstritten, dass die Schiefergasmengen in Europa erstens zu langsam, zweitens zu teuer und drittens in zu geringen Mengen gefördert werden können, um die in der Tat starke Abhängigkeit von russischem Gas nennenswert zu verringern. Ist also jede Pro-Fracking-Lobby von Russland unterwandert und lenkt von weitaus sinnvolleren Lösungsvorschlägen ab? Die NATO etwa auch? Wir warten gespannt auf die nächste Enthüllungsstory aus dem Nato-Hauptquartier…

4 June 2014

Fracking in Deutschland – Gabriel stimmt zu

By |2014-07-20T08:26:13+00:00Wednesday, 4 June 2014|Categories: shale gas|0 Comments

Der Einsatz diverser Frackingmethoden zur Förderung von Schiefergas in Deutschland scheint nun doch ohne größere Auflagen möglich zu werden. Spiegel Online bzw. dpa zitieren aus Schreiben des Wirtschaftsministeriums, demnach lediglich zwei Voraussetzungen erfüllt sein müssen: Die Bohrung muss eine normale Umweltverträglichkeitsprüfung durchlaufen und darf nicht in Wasserschutzgebieten stattfinden. Die gesetzlichen Grundlagen sollen schon in Kürze geschaffen werden.

Das wäre eine deutliche Abkehr von der Formulierung im Koalitionsvertrag. Dort hieß es, dass Fracking erst dann genehmigungsfähig sei, wenn umfangreiche Datengrundlagen vorliegen und jede Umweltgefährdung ausgeschlossen werden könne. Diese Formulierungen kamen einem Moratorium über mehrere Jahre gleich.

Nach unseren Schätzungen kann der Gasverbrauch Deutschlands durch die Schiefergasressourcen nur für maximal 2,5 Jahre gedeckt werden, wenn man Erfahrungen aus den USA zugrunde legt. Auch liegt die Belastung für Umwelt und Gesellschaft nur zum geringeren Teil in den Fracking-Verfahren selbst – wenn sie angemessen behördlich überwacht werden.

Weitaus größer sind die Kosten durch den massiven Anstieg des LKW-Verkehrs, hohe Schadstoffemissionen im ländlichen Raum, enorme Straßenschäden, erhöhte Erdbebengefahr und den Wertverlust nahegelegener Immobilien. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen müsste mit mehreren Tausend Bohrstellen gerechnet werden, wenn das Schiefergas in den berechneten Mengen fließen soll.

Details dazu und umfangreiche Einschätzungen zu den Potenzialen und Risiken von Schiefergas und Fracking finden Sie unserem Newsletter Global Energy Briefing (kommende Ausgabe Nr.100 sowie in diversen frühren Ausgaben der Jahre 2013 und 2014).

3 March 2014

Global Energy Briefing Nr.95 – Jubiläumsausgabe

By |2014-03-05T10:52:56+00:00Monday, 3 March 2014|Categories: Gasmärkte, Gaspreise, Ölmarkt, Ölpreise, shale gas|0 Comments

Mit der aktuellen Ausgabe unseres Global Energy Briefing (Nr.95; 6. Jg.) feiern wir ein Jubiläum: 5 Jahre Global Energy Briefing. Wir danken allen Abonnentinnen und Abonnenten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die das möglich gemacht haben!

In der heutigen Ausgabe finden Sie auf 37 Seiten folgende Themen:

1. Globaler Überblick

Hotspots der Energiemärkte weltweit

2. Internationale Gaspreise und Gasmärkte

Erste Einschätzung zu den möglichen Folgen der Ukraine/Krim-Krise für die Gasversorgung und die Gaspreise

Internationale Gaspreisentwicklung – Trends und Ereignisse

Feature: Was kostet Shale Gas? Überraschende Einsichten durch eine Vollkostenanalyse

Die Zukunft von GTL

3. Internationale Ölpreise und Ölmärkte

Ausführliche Analyse der Ölpreisentwicklung: Upstream und Downstream

Trends auf den Ölmärkten

4. Internationale Kohlepreise

Kurzanalyse der internationalen Kohlepreise und Markttrends in Europa, USA und Fernost

5. Energie in Deutschland – Statistische Übersicht

u.a. Energieimporte, Energieverbrauch, Ölproduktmärkte, Wärme-/Brennstoffmärkte

6. China Energy Briefing / Energiemarkt China

Schwerpunkte in dieser Ausgabe: Die Smogkrise in China; Potentiale der chinesischen Öl- und Gasproduktion, Windbranche


Informationen:

Was ist das Global Energy Briefing und wie kann ich es abonnieren? Nähere Informationen und Kontakt. 

Weitere Links:

Global Energy Briefing Nr.84 und Nr.85: Shale Gas Fracking – Potenzialgrenzen (Nr.84) und Folgen für Gaspreise und Investitionen

Global Energy Briefing Nr.86: Prognose der Ölpreise und Gaspreise; Wärmemarkt national; Benzinmarkt USA

 

24 February 2014

Realsatire: Exxon-CEO klagt gegen Umweltbelastung durch Fracking

By |2014-08-27T20:36:13+00:00Monday, 24 February 2014|Categories: Öl & Umwelt, shale gas, shale oil|0 Comments

Die Wirklichkeit schreibt noch immer die besten Satiren: In der Nähe von Dallas (Bartonville) wird ein 50 Meter hoher Wassertank gebaut, der die nahe gelegenen Fracking-Bohrungen unterstützt. Die Anwohner klagen gegen das hässliche Bauwerk und vor allem gegen den unvermeidlichen Verkehr von Tanklastern, der damit verbunden ist.

Einer der Kläger ist ausgerechnet Rex Tillerson, CEO von Exxon, dem größten privaten Öl- und Gaskonzern der Welt, und glühender Verfechter der Frackingtechnologien. Er klagt gegen eine Verringerung der Lebensqualität und damit einen Wertverlust seines Anwesens. Mehr dazu im Wall Street Journal, im Dallas Observer sowie auf peak-oil.com.

17 January 2014

Niedrige Gaspreise dank Fracking? Der US-Wärmemarkt und seine jährlichen Krisen

By |2014-01-17T17:26:07+00:00Friday, 17 January 2014|Categories: Gaspreise, Heizkosten, shale gas, Stromheizung|0 Comments

Zusammenfassung: Gas ist im Großhandel in den USA deutlich billiger als in Deutschland. Aber bei den Verbrauchern kommt dieser Preisvorteil kaum an. Insbesondere der Nordosten der USA leidet immer wieder unter Rekordpreisen für Erdgas.

„Niedrige Gaspreise durch Fracking“ – mit diesem Argument wird in Deutschland und ganz Europa die Werbetrommel für Bohrgenehmigungen und Subventionen geschlagen. Bestes (genauer: einziges) Beispiel dafür seien die USA und ihr Schiefergasboom. Ein Exodus der Industrie über den Atlantik und erhebliche Nachteile für die deutschen Verbraucher seien die Folgen der deutschen Fracking-Abstinenz.

In diesem Artikel wird nicht auf die Kurzlebigkeit des Schiefergasbooms und seine vielfältigen ökologischen und sozialen Kosten eingegangen (mehr dazu). Hier geht es nur um eine kritische Analyse des Preisarguments.

Auf den ersten Blick sind die Preisunterschiede im Großhandel in der Tat enorm. Erdgas kostet zur Zeit:

– in Deutschland (Gashubs) 2,7 Eurocent/kWh (10,7 $/MMBtu).

– in den USA (Gasbörse/HH)) 1,1 Eurocent/kWh (4,45 $/MMBtu).

Die niedrigen US-Preise sind das Ergebnis eines Booms von Fracking-Bohrungen in den Schiefergasregionen sowie fehlender Exportmöglichkeiten. Die amerikanische Gaspreise können sich daher von den Weltmärkten abkoppeln, zumindest bis 2017, wenn die ersten LNG-Exportterminals (LNG=Flüssiggas) ihren Betrieb aufnehmen.

Doch was hat der amerikanische Verbraucher davon, also der Gaskunde, der seine Wohnung und sein Warmwasser mit Erdgas heizt und dessen Strom durch die Verbrennung von Erdgas erzeugt wird?

Das Schaubild zeigt, dass der Preisrückgang bei den US-Großhandelspreisen (braune Linie) nach 2007 bei den Verbraucherpreisen für Erdgas (blaue Linie) nur sehr abgeschwächt angekommen ist.

Erdgaspreise USA - Citygate vs Privathaushalte

 

Das ist aber immer noch weniger als in Deutschland. Unter normalen Marktbedingungen lebt der Verbraucher in den USA billiger als hierzulande. Privathaushalte zahlten im Schnitt in den Wintermonaten der letzten Jahre 3,5 Euro-ct/kWh. In Deutschland muss ein Haushalt selbst bei einem günstigen Anbieter mit 6,5 ct/kWh rechnen. Gleicht man die deutschen Steuern und Abgaben an das niedrigere US-Niveau an, stehen immer noch unter dem Strich 3,5 ct/kWh (USA) gegenüber 5 ct/kWh („US-äquivalenter“ deutscher Gaspreis). Aber der Preisunterschied macht deutlich: “Revolutionen” sehen anders aus.

Und selbst dieses Preisgefälle gilt nur für „normale“ Marktbedingungen:

1. US-Gaspreise im Großhandel steigen und sind regional sehr unterschiedlich

Heizen mit Erdgas hat in den USA Vor- und Nachteile. Auf der einen Seite steht das steigende Angebot aus den Schiefergasquellen und das niedrige nationale Preisniveau. Auf der anderen Seite muss das Erdgas oftmals über Tausende von Kilometern per Pipeline zum Verbraucher transportiert werden, v.a. aus dem Süden in den Norden des Landes. In vielen Regionen gibt es Transportengpässe, die von windigen Erdgashändlern und Pipelineunternehmen ausgenutzt werden. Zudem steigt die Nachfrage in manchen Bundesstaaten sprunghaft und z.T. unvorhersehbar an, weil Stromproduzenten je nach Preislage kurzfristig zwischen Erdgas und Kohle wechseln.

Bei aller Euphorie über die Shale Gas Revolution sollte man außerdem im Auge behalten, dass die Gasförderung in den USA 2013 nur um 1% gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. Von den großen Schiefergasregionen wachsen zur Zeit nur noch das riesige Marcellus Shale (Pennsylvania) und Eagle Ford (Texas). In den großen „alten“ Shale-Regionen, wie z.B. Haynesville und Barnett, die schon seit über fünf Jahren intensiv durch Fracking und Directional Drilling erschlossen wurden, fällt die Förderung bereits.

Also wachsende Nachfrage, stagnierendes Angebot, schwierige Transportbedingungen. Da überrascht es nicht, dass die durchschnittlichen Großhandelspreise für Erdgas 2013 gegenüber dem Vorjahr steil angestiegen sind, wie die folgende Übersicht zeigt. Am wichtigsten Pipelinekreuz in Louisiana (Henry Hub) stieg der Preis um +35%. Der Nordosten (Algonquin Citygate, u.a. Boston) war mit einem Anstieg von +75% am stärksten betroffen. Der durchschnittliche Spotpreis lag hier bei 6,90 $/MMBtu, also fast 100% über dem Landesdurchschnitt. Zwar steigt im benachbarten Pennsylvania (Marcellus Shale) die Schiefergasproduktion steil an, aber die Konsumenten können mangels Infrastruktur frühestens 2016 von diesem Boom profitieren.

 

Gaspreisanstieg in den USA nach Region 2013 vs 2012. Quelle: EIA
Gaspreisanstieg in den USA nach Region 2013 vs 2012. Quelle: EIA

Das nächste Schaubild zeigt die enormen Differenzen zwischen den regionalen Großhandelspreisen. In den Wintermonaten liegen die Gaspreise im dicht besiedelten Nordosten der USA 5-10mal höher als im gasreichen Süden. Die Region hat mit ihren kalten Wintern einen hohen Heizbedarf und muss einen großen Teil des Gases über Pipelines aus dem Süden des Landes importieren.

Gaspreise (Spotmarkt) im Nordosten der USA und Henry Hub (Louisiana). Quelle: EIA
Gaspreise (Spotmarkt) im Nordosten der USA und Henry Hub (Louisiana). Quelle: EIA

Jedes Jahr erlebt der amerikanische Nordosten dieselben Knappheitspreise, die zu traumhaften Renditen bei Gashändlern führen:

  • Eine Kältewelle führte Ende 2013 rund um Boston zu einem Sprung der Großhandelspreise von 5 auf 33 $/MMBtu. Die Pipelines lieferten nicht genug Gas und Erdgashändler nutzen die Situation aus. Das betraf dann nicht nur die Heizrechnung, sondern auch die Stromrechnung: Da mehr als 50% der Kraftwerke in New England Gas verbrennen, sprang der ohne schon hohe Strompreis in Massachusetts von 80 auf 120 $/MWh. Viele amerikanischen Haushalte, auch im kalten Nordosten, heizen mit Strom.
  • Auch im Winter 2012 erreichte der Gaspreis Rekordwerte: Kraftwerksbetreiber (Strom) und Gasgesellschaften (Wärme) boten um die Wette, als die Pipelinekapazitäten knapp wurden. Im Januar 2013 mussten zeitweise mehr als 31 $/MMBtu bezahlt werden.
  • Aber die Kältwelle vor 14 Tagen (Anfang Januar 2014) schlug alle Rekorde: Die Gaspreise (Spotgroßhandel) stiegen für die Stadt New York auf 57 $/MMBtu (siehe folgendes Schaubild), in New Jersey auf $71 und in der Region Boston auf ein Hoch von 50 $/MMBtu, bevor sie dann auf $34 zurückfielen – was jedoch immer noch weit jenseits der landesweiten Durchschnittspreise von aktuell $4,4/MMBtu lag. Nach dem 7. Januar ging es steil nach unten bis auf das übliche Preisniveau, aber jetzt sind die Speicher leer. Jede zusätzliche Kältewelle wird zu neuen Knappheitspreisen führen. Die Meterologen haben für Ende Januar fallende Temperaturen angekündigt.
  • Im fernen Texas, das ebenfalls Anfang 2014 von der Kältewelle erfasst wurde, stiegen die Strom-Großhandelspreise (Spot) für wenige Minuten auf 5.258 $/MWh – ein Allzeitrekord (normal sind 50 $/MWh). 58% der texanischen Haushalte heizen mit Strom, so dass Änderungen bei den Strompreisen auch auf die Wärmepreise wirken.

 

New York Strom- und Gaspreise Dez.13/Jan.14 Quelle: EIA
New York Strom- und Gaspreise Dez.13/Jan.14 Quelle: EIA

 

Folgen für die Heizkosten der Privathaushalte

Nicht alle privaten Haushalte sind unmittelbar von den wilden Preisschwankungen im Erdgas-Großhandel betroffen. Für sie werden sich die höheren Einkaufspreise ihres Versorgers erst bemerkbar machen, wenn die Preisbindung ihres Gasvertrags ausläuft. Viele Kunden verzichten jedoch auf die 12- oder 24-monatige Preisbindung und werden die Folgen daher schon in der nächsten Gasrechnung sehen.

Dämpfend wirkt, dass viele Gasversorger Instrumente zur Absicherung ihrer Einkaufspreise einsetzen, doch das ist nicht kostenlos und von Versorger zu Versorger unterschiedlich. Die Gaskraftwerksbetreiber sind direkter betroffen, da sie ihr Gas normalerweise extrem kurzfristig auf dem Spotmarkt zukaufen. Haushalte mit Stromheizungen sind also unmittelbar von den hohen Gaseinkaufskosten ihrer Versorger betroffen.

Die amerikanische Energiebundesbehörde EIA erwartete schon im Oktober 2013, dass etwa 90% der 116 Mio. Privathaushalte in den USA in diesem Winter mit höheren Heizkosten rechnen müssen. Das nächste Schaubild zeigt, dass die Öl- und Gasschwemme in den USA im Wärmemarkt seit 2007 kaum Eindruck hinterlassen hat. Die Stromheizungen blieben in etwa gleich hoch, die Heizölpreise stiegen und Erdgas zieht seit zwei Jahren im Preis wieder an.

Heizkosten USA 2007-2014 (Heizöl, Propan, Strom, Propan)

Heizkosten USA 2007-2014 (Heizöl, Propan, Strom, Propan)

Haushalte, die mit Erdgas heizen, sollten selbst nach der moderaten Prognose vom Oktober mit durchschnittlich $679 Heizkosten im Winterhalbjahr rechnen (vgl. Schaubild unten); das sind 13% mehr als im letzten Winter; Propanheizer zahlen $1666 (+9%), Stromheizer $909 (+2%) und Heizölkunden $2046 (-2%). Doch diese Zahlen sind angesichts der Kältewelle im Dezember/Januar schon Makulatur. Die EIA konnte nicht ahnen, dass ihre vorsichtige Kälte- und Preisprognosen noch weit übertroffen werden.

Gaspreise und Heizkosten je Haushalt in den USA. Quelle: EIA

Gaspreise und Heizkosten je Haushalt in den USA. Quelle: EIA

 

 

Heizölpreise und Heizkosten je Haushalt mit Ölheizung in den USA. Quelle: EIA
Heizölpreise und Heizkosten je Haushalt mit Ölheizung in den USA. Quelle: EIA

 

Fazit

Vom Schiefergasboom kommt bei den Verbrauchern nicht viel an: Die Privathaushalte in den USA, v.a. im Nordosten, müssen sich auf steigende Heizkostenabrechnungen gefasst machen. Einige Regionen (New York, Boston etc.) erleben sogar neue Rekordpreise für Gas und Strom.

Das folgende Schaubild zeigt, dass die deutschen Gaspreise für Privathaushalte nicht so weit wie erwartet von den US-Gaspreisen entfernt liegen. Das gilt insbesondere dann, wenn man die in Deutschland höhere Abgabenquote (Umsatzsteuer, Erdgassteuer) an das US-Niveau anpasst.

 

Preisvergleich für private Haushalte: Gaspreise in Deutschland, USA, US-Bundesstaaten

Vergleich Gaspreise Deutschland USA bis Oktober 2013

Vergleich der Gaspreise für private Haushalte Deutschland/USA bis Oktober 2013 (Quelle: EIA)

Energiepolitiker warnen bereits, dass sich der Nordosten der USA zu einseitig auf Erdgas stützt. Sie plädieren für eine höhere Energieeffizienz der Heizungen, bessere Dämmung der Häuser, für Solar- und Windenergie, um die regionale Energieversorgung krisenfest zu machen.

 


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Fotonachweis: Akassped (Flickr) mit CC-License

17 September 2013

Fracking & Shale Gas: Versteckte Kosten durch Straßenschäden

By |2014-01-17T14:31:55+00:00Tuesday, 17 September 2013|Categories: shale gas, Verkehr & Energie|0 Comments

Was haben Schotterstraßen in Südtexas mit ländlichen niedersächsischen Kommunen zu tun?

In Südtexas boomt die Fracking-Industrie, vor allem im riesigen Eagle-Ford-Shale. Doch das Fördern von Schiefergas oder Schieferöl ist hier wie dort ein rohstoffintensiver, industrieller Prozess: Für jede Förderanlage müssen Bauplätze angelegt werden, Zigtausende von Tonnen Ausrüstung, Wasser, Sand und Chemikalien herangekarrt werden – und Zigtausende von Tonnen oftmals stark belasteter und kontaminierter Feststoffe und Flüssigkeiten wieder beseitigt werden.

Fracking bedeutet für die Kommunen daher zunächst einmal: endloser Schwerlastverkehr, der sich durch kleine und überlastete Dorfstraßen windet. Schon die normale Abnutzung der Infrastruktur und der Lärm stellen eine hohe Belastung dar. Hinzu kommen bei der Vielzahl der Fahrten statistisch unvermeidliche LKW-Unfälle: Personenschäden, Sachschäden, Gefahrstoffaustritte, womöglich am Rande landwirtschaftlich genutzter Flächen oder mitten in Trinkwassergebieten. Dieser Prozess läuft in einer aussichtsreichen Region über Jahre, da die Förderanlagen und Crews wie ein Wanderzirkus von einer rasch versiegenden Bohrstelle zur nächsten wandern, die zumeist nur zwei oder drei Kilometer entfernt liegt.

In den betroffenen texanischen Regionen haben die Straßen das nicht lange verkraftet. PKW-Verfahrer fahren Slalom um große Schlaglöcher, Asphaltrisse und zerbröselte Randstreifen. Da das Geld für Reparaturen fehlt, sollen jetzt immer mehr Asphaltstraßen zu simplen Schotterwegen umgebaut werden. Das sei ohnehin besser für die Verkehrssicherheit, so die Verkehrsbehörde, da die Höchstgeschwindigkeit dann auch außerorts bei 30 mph (48 km/h) liege. Dagegen laufen jetzt die betroffenen Landbewohner Sturm. Die Behörden erwägen deshalb, die Energiebranche um Spenden zu bitten…

Links:

Artikel in der Texas Tribune

Vortrag von Steffen Bukold zu Risiken und Potenzialen von Schiefergas und Fracking (SwissECS Summit)
(12. Vortrag von oben)

 

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