Shale Gas

Frackingdebatte
WDR: Hintergründe zum Fracking-Gutachten für das Umweltbundesamt

Die Fracking-Debatte geht weiter: WDR-Energieexperte Jürgen Döschner zu den Hintergründen des umstrittenen Fracking-Gutachtens für das UBA.

[icon icon=“0289.png“][/icon]Zum Radiobeitrag: Alle Wege führen zu Exxon (WDR5-Morgenecho)

Lesen Sie zur aktuellen Fracking-Diskussion auch unsere Stellungnahme.

Frackingsendung von Panorama
Restrisiko Halbwissen – Stellungnahme zum Panorama-Bericht über Fracking und Schiefergas in Deutschland

Das Magazin Panorama (ARD/NDR) hat im September mit mehreren Fernseh- und Videoberichten die Fracking-Debatte in Deutschland belebt, aber auch verkürzt und damit in die falsche Richtung gelenkt.
Wir haben in zahlreichen Analysen in den Jahren 2013 und 2014 die Schiefergas- und Schieferölförderung untersucht und unter verschiedenen Gesichtspunkten bewertet (vgl. unten). Auf dieser Basis möchte ich die Inhalte der TV-Sendungen wie folgt kommentieren.

Panorama:
Die Hauptthese der Berichte lautet, dass die Risiken des Frackings beherrschbar und nicht wesentlich größer als bei konventionellen („normalen) Gasbohrungen seien.
Mein Kommentar:
Die Aussagen der Interviewpartner beziehen sich fast ausschließlich auf den Vorgang des Frackings, also das Aufbrechen des dichten (Schiefer-)Gesteins. Durch diese Verkürzung des Themas wird der Zuschauer irregeführt. Das Fracking ist nur ein Schritt bei der Förderung von Schiefergas und Schieferöl. Was in der Bewertung fehlt:
...
...
Fazit:
Panorama präsentiert nur einen technischen Teilaspekt der Schiefergasförderung und will trotzdem allgemeine energiepolitische Schlüsse daraus ziehen. Damit verheben sich die Filmemacher. Das gilt auch noch aus einem anderen Grund:

Read more

Diskussion
Et tu: Hanebüchene Fehlinformationen zum Thema Gas in DIE ZEIT – ein Kommentar

Der mediale Schlagabtausch Pro/Kontra-Fracking tobt weiter. Hochglanzbroschüren und apokalyptische Visionen auf beiden Seiten. Wie gut, dass man sich wenigstens auf den deutschen Qualitätsjournalismus verlassen kann. Da hat man noch Zeit und Lust zur Recherche. Oder doch nicht? Nehmen wir ZEIT ONLINE vom heutigen Tag: Frank Drieschner über die „Neue deutsche Angst“ vor Schiefergas & Co (abgerufen am 20.6. 12 Uhr).

Das Vorbild ist die USA: Sie sind dank Fracking „zum größten Gasexporteur aufgestiegen und werden bald auch der größte Ölexporteur sein.“ Wow! Das war mir entgangen. Und der amerikanischen Energiebehörde EIA und der Internationalen Energieagentur (IEA) ebenso.

Beide melden, dass die USA nach wie vor Nettogasimporteur sind, aber immerhin die Chance haben, in ein paar Jahre zu einem wichtigen Gasexporteur zu werden, allerdings weit hinter Russland und wohl auch hinter Norwegen und Qatar.

Beide Institute melden zudem, dass die USA auch langfristig Ölimporteur bleiben werden. Von (Netto-)Exporteur keine Spur und „größter Ölexporteur“ schon gar nicht. Das ist eine völlig absurde Behauptung, über die man in Riad herzlich lachen wird. Derzeit müssen die USA noch immer ein Drittel ihres Ölbedarfs importieren.

Aber warum verzichtet Deutschland, so der ZEIT-Artikel weiter, auf  die heimischen „gut erschließbaren“ Schiefergasmengen „zwischen 6,7 und 22,7 Billionen Kubikmeter…Das würde, gemessen am gegenwärtigen Verbrauch, für mindestens 80 Jahre und womöglich sogar für mehrere Jahrhunderte reichen.“ Den als Kronzeugen bemühten Autoren der geologischen Bundesbehörde BGR werden jetzt wohl die Haare zu Berge stehen. Die BGR selbst (und nicht nur der SRU) spricht lediglich von 1,3 Billionen Kubikmeter Schiefergasressourcen, die technisch förderbar wären. Die Betonung liegt auf „wären“, denn nur ein kleiner Teil davon wird auch ökonomisch förderwürdig sein, da die Kosten in Deutschland etwa 2-3mal so hoch wie jenseits des Atlantiks sind. Nimmt man die USA als Vorbild, bleibt etwa ein Fünftel der Ressourcen, das den Titel „ökonomisch förderwürdig“ verdient. Davon muss man die Mengen abziehen, die sich innerhalb von Wasserschutzzonen befinden. Was bleibt, ist eine Schiefergasmenge von etwa 0,2 Billionen bzw. 200 Mrd. Kubikmeter. Das könnte den Verbrauch Deutschlands für 2-3 Jahre decken, aber da die Vorkommen nur Schritt für Schritt erschlossen werden können und über Jahrzehnte ausgebeutet werden, kann pro Jahr nur ein kleiner Prozentsatz der Gasimporte durch deutsches Schiefergas ersetzt werden.

Auch die Vermutung des Autors, dass die Kosten der Schiefergasförderung in Zukunft immer weiter fallen werden, ist gewagt. Zwar gibt es laufend technische und organisatorische Fortschritte, aber gleichzeitig sinkt in immer mehr Schiefergasregionen der USA die Qualität der Vorkommen, da die „Sweet Spots“ der Shale Plays bereits ausgebeutet sind. Nicht umsonst schreiben 95% aller mittelständischen Schiefergasunternehmen in den USA tiefrote Zahlen und wären angesichts ihrer hohen Verschuldung bei steigenden Zinssätzen kaum noch überlebensfähig.

Sicherlich sollte man einen Artikel nicht überfrachten, aber dennoch hätten andere, weitaus interessantere energiepolitische Optionen (höhere Energieeffizienz, LNG etc.) wenigstens eine Erwähnung verdient.

Wie sind solche Artikel möglich? Generell herrschen bei der ZEIT oder auch im SPIEGEL Qualitätsstandards, die den Leser tatsächlich informieren und nicht – noch dazu stark ideologisch aufgeladen –  in die Irre führen. Meinungsjournalismus und zugespitzte Kolumnen können erfrischend sein, aber bitte unterfüttert mit Fakten und nicht mit wilden Behauptungen.

 

 

Glosse
NATO-Generalsekretär will Abhängigkeit von russischem Gas zementieren (Realsatire III)

In Brüssel liegen die Nerven blank: Nato-Generalsekretär Rasmussen erklärte in einer Veranstaltung des renommierten Chatham House in London, dass  Russland gezielt Umweltorganisationen in Europa unterwandere, um das Fracking von Schiefergas – und damit eine größere Unabhängigkeit Europas von russischem Gas – zu verhindern.

Denkt man mehr als zwei Sekunden darüber nach, drängt sich dem amüsierten Leser jedoch genau die umgekehrte Schlussfolgerung auf: Will etwa die NATO die Abhängigkeit von russischem Gas zementieren? Es ist weitgehend unumstritten, dass die Schiefergasmengen in Europa erstens zu langsam, zweitens zu teuer und drittens in zu geringen Mengen gefördert werden können, um die in der Tat starke Abhängigkeit von russischem Gas nennenswert zu verringern. Ist also jede Pro-Fracking-Lobby von Russland unterwandert und lenkt von weitaus sinnvolleren Lösungsvorschlägen ab? Die NATO etwa auch? Wir warten gespannt auf die nächste Enthüllungsstory aus dem Nato-Hauptquartier…

Fracking in Deutschland – Gabriel stimmt zu

Der Einsatz diverser Frackingmethoden zur Förderung von Schiefergas in Deutschland scheint nun doch ohne größere Auflagen möglich zu werden. Spiegel Online bzw. dpa zitieren aus Schreiben des Wirtschaftsministeriums, demnach lediglich zwei Voraussetzungen erfüllt sein müssen: Die Bohrung muss eine normale Umweltverträglichkeitsprüfung durchlaufen und darf nicht in Wasserschutzgebieten stattfinden. Die gesetzlichen Grundlagen sollen schon in Kürze geschaffen werden.

Das wäre eine deutliche Abkehr von der Formulierung im Koalitionsvertrag. Dort hieß es, dass Fracking erst dann genehmigungsfähig sei, wenn umfangreiche Datengrundlagen vorliegen und jede Umweltgefährdung ausgeschlossen werden könne. Diese Formulierungen kamen einem Moratorium über mehrere Jahre gleich.

Nach unseren Schätzungen kann der Gasverbrauch Deutschlands durch die Schiefergasressourcen nur für maximal 2,5 Jahre gedeckt werden, wenn man Erfahrungen aus den USA zugrunde legt. Auch liegt die Belastung für Umwelt und Gesellschaft nur zum geringeren Teil in den Fracking-Verfahren selbst – wenn sie angemessen behördlich überwacht werden.

Weitaus größer sind die Kosten durch den massiven Anstieg des LKW-Verkehrs, hohe Schadstoffemissionen im ländlichen Raum, enorme Straßenschäden, erhöhte Erdbebengefahr und den Wertverlust nahegelegener Immobilien. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen müsste mit mehreren Tausend Bohrstellen gerechnet werden, wenn das Schiefergas in den berechneten Mengen fließen soll.

Details dazu und umfangreiche Einschätzungen zu den Potenzialen und Risiken von Schiefergas und Fracking finden Sie unserem Newsletter Global Energy Briefing (kommende Ausgabe Nr.100 sowie in diversen frühren Ausgaben der Jahre 2013 und 2014).

Global Energy Briefing Nr.95 – Jubiläumsausgabe

Mit der aktuellen Ausgabe unseres Global Energy Briefing (Nr.95; 6. Jg.) feiern wir ein Jubiläum: 5 Jahre Global Energy Briefing. Wir danken allen Abonnentinnen und Abonnenten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die das möglich gemacht haben!
In der heutigen Ausgabe finden Sie auf 37 Seiten folgende Themen:
1. Globaler Überblick Hotspots der Energiemärkte weltweit 2. Internationale Gaspreise und Gasmärkte Erste Einschätzung zu den möglichen Folgen der Ukraine/Krim-Krise für die Gasversorgung und die Gaspreise; Internationale Gaspreisentwicklung - Trends und Ereignisse Feature: Was kostet Shale Gas? Überraschende Einsichten durch eine Vollkostenanalyse 3. Internationale Ölpreise und Ölmärkte Ausführliche Analyse der Ölpreisentwicklung: Upstream und Downstream

Read more

Realsatire: Exxon-CEO klagt gegen Umweltbelastung durch Fracking

Die Wirklichkeit schreibt noch immer die besten Satiren: In der Nähe von Dallas (Bartonville) wird ein 50 Meter hoher Wassertank gebaut, der die nahe gelegenen Fracking-Bohrungen unterstützt. Die Anwohner klagen gegen das hässliche Bauwerk und vor allem gegen den unvermeidlichen Verkehr von Tanklastern, der damit verbunden ist.

Einer der Kläger ist ausgerechnet Rex Tillerson, CEO von Exxon, dem größten privaten Öl- und Gaskonzern der Welt, und glühender Verfechter der Frackingtechnologien. Er klagt gegen eine Verringerung der Lebensqualität und damit einen Wertverlust seines Anwesens. Mehr dazu im Wall Street Journal, im Dallas Observer sowie auf peak-oil.com.

Was Sie schon immer über Shale Gas wissen wollten…

…aber bislang nicht zu fragen wagten: Was kostet Shale Gas? Art Berman über die kommerziellen Misserfolge bei Shale Gas und Shale Oil in den USA: Youtube-Video (Englisch)

Niedrige Gaspreise dank Fracking? Der US-Wärmemarkt und seine jährlichen Krisen

Zusammenfassung: Gas ist im Großhandel in den USA deutlich billiger als in Deutschland. Aber bei den Verbrauchern kommt dieser Preisvorteil kaum an. Insbesondere der Nordosten der USA leidet immer wieder unter Rekordpreisen für Erdgas. „Niedrige Gaspreise durch Fracking“ - mit diesem Argument wird in Deutschland und ganz Europa die Werbetrommel für Bohrgenehmigungen und Subventionen geschlagen. Bestes (genauer: einziges) Beispiel dafür seien die USA und ihr Schiefergasboom. Ein Exodus der Industrie über den Atlantik und erhebliche Nachteile für die deutschen Verbraucher seien die Folgen der deutschen Fracking-Abstinenz.

Read more

Fracking & Shale Gas: Versteckte Kosten durch Straßenschäden

Was haben Schotterstraßen in Südtexas mit ländlichen niedersächsischen Kommunen zu tun?

In Südtexas boomt die Fracking-Industrie, vor allem im riesigen Eagle-Ford-Shale. Doch das Fördern von Schiefergas oder Schieferöl ist hier wie dort ein rohstoffintensiver, industrieller Prozess: Für jede Förderanlage müssen Bauplätze angelegt werden, Zigtausende von Tonnen Ausrüstung, Wasser, Sand und Chemikalien herangekarrt werden – und Zigtausende von Tonnen oftmals stark belasteter und kontaminierter Feststoffe und Flüssigkeiten wieder beseitigt werden.

Fracking bedeutet für die Kommunen daher zunächst einmal: endloser Schwerlastverkehr, der sich durch kleine und überlastete Dorfstraßen windet. Schon die normale Abnutzung der Infrastruktur und der Lärm stellen eine hohe Belastung dar. Hinzu kommen bei der Vielzahl der Fahrten statistisch unvermeidliche LKW-Unfälle: Personenschäden, Sachschäden, Gefahrstoffaustritte, womöglich am Rande landwirtschaftlich genutzter Flächen oder mitten in Trinkwassergebieten. Dieser Prozess läuft in einer aussichtsreichen Region über Jahre, da die Förderanlagen und Crews wie ein Wanderzirkus von einer rasch versiegenden Bohrstelle zur nächsten wandern, die zumeist nur zwei oder drei Kilometer entfernt liegt.

In den betroffenen texanischen Regionen haben die Straßen das nicht lange verkraftet. PKW-Verfahrer fahren Slalom um große Schlaglöcher, Asphaltrisse und zerbröselte Randstreifen. Da das Geld für Reparaturen fehlt, sollen jetzt immer mehr Asphaltstraßen zu simplen Schotterwegen umgebaut werden. Das sei ohnehin besser für die Verkehrssicherheit, so die Verkehrsbehörde, da die Höchstgeschwindigkeit dann auch außerorts bei 30 mph (48 km/h) liege. Dagegen laufen jetzt die betroffenen Landbewohner Sturm. Die Behörden erwägen deshalb, die Energiebranche um Spenden zu bitten…

Links:

Artikel in der Texas Tribune

Vortrag von Steffen Bukold zu Risiken und Potenzialen von Schiefergas und Fracking (SwissECS Summit)
(12. Vortrag von oben)