Stand: Oktober 2012

Wann wird Öl knapp,  d.h. wann wird der Nachfragetrend gebrochen, weil das maximale Ölangebot nicht Schritt halten kann? Mit dieser Frage beschäftigt sich unser Peak Oil Barometer (siehe unten).

Es zeigt zwei Szenarien bzw. Prognosen. Das eine Szenario (blaue Linien) stammt von der IEA, der Energiebehörde der Industrieländer, mit Sitz in Paris. Sie aktualisiert in regelmäßigen Abständen ihre mittelfristigen Erwartungen für den Ölmarkt: Wie schnell steigen Nachfrage und Angebotskapazität auf Basis der jetzigen Kenntnisse? Von Ölverknappung keine Spur, zumindest in den nächsten fünf Jahren, so die IEA.

Wir stellen diesem Mainstream-Szenario unser alternatives Risikoszenario gegenüber (rote Linien). Zum einen schätzen wir wie einige andere Ölmarktbeobachter die freien Kapazitäten in Saudi-Arabien als geringer ein; hinzu kommen begründbare Zweifel, ob der Ausbau der Ölindustrie im Irak, Brasilien, Kanada (Ölsand), USA (Tight Oil) und bei den Biokraftstoffen so rasch wie geplant realisiert werden kann.

Die IEA neigt aus unserer Sicht zum Überoptimismus. Noch im Szenario vom Dezember 2010 (im Schaubild die gestrichelte blaue Linie) war für 2011 und 2012 eine weitaus höhere Angebotskapazität erwartet worden, als es die Pariser Experten aktuell tun. Die IEA musste ihre Angebotsprognosen für 2010, 2011 und 2012 deutlich nach unten revidieren. Sie bleibt trotzdem für 2013-2016 optimistisch.

Die Libyenkrise, die Iranembargokrise, Probleme in der Nordsee, Südsudan, Jemen, Syrien etc.  – die Krise ist im Ölmarkt zum Normalfall geworden. Der „Faktor X“ lässt sich nicht beziffern, aber er tritt regelmäßig auf. Deshalb ist ein vorsichtigeres Angebotsszenario (rote Linie) nicht von der Hand zu weisen. Wir haben es im Frühjahr 2011 erarbeitet, und es hat sich bislang bewährt. Wir lassen daher unsere Prognose für die Angebotskapazität (2015: 96 mb/d) unverändert. Auch rechnen wir weiterhin mit steigenden Durchschnittspreisen.

Auf der Nachfrageseite sind die Unterschiede geringer. Es wäre jedoch denkbar, dass die globale Ölnachfrage etwas schneller wächst, als es die IEA erwartet, aber die Upside-Risiken sind im Moment gering.

Fazit: Das Risiko einer Ölverknappung nimmt aus unserer Sicht ab 2015 deutlich zu. Da dies auf den Märkten antizipiert wird, ist schon vorab mit steil steigenden Ölpreisen zu rechnen.

peak-oil-barometer-bis-2017