Die geopolitische Spekulationsprämie verlässt heute die deutschen Heizölpreise. Rohöl (Brent) sackt um 2 Dollar je Fass auf 111 $/b, während der Euro und die Margen im Heizöl- und Gasoilmarkt fast unverändert blieben. Das bedeutet unter dem Strich 1,5 Euro niedrigere Heizölpreise je 100 Liter. Sie liegen aktuell bei 86,5 Euro/Liter bei einer Standardbestellung (3000 Liter) im Internet.

In den letzten vier Wochen waren die Ölpreise nach einer Reihe von Produktionsausfällen, stärkerer Ölnachfrage und vor allem der Kriegsdrohung der USA gegen Syrien (vgl. detailliert unsere aktuelle Heizölpreisprognose) von 107 auf 115 $/b gestiegen (vgl. Charts unten). Ein gleichzeitig schwacher Euro verschärfte den Anstieg zusätzlich, so dass die Heizölpreise bis auf knapp 90 Euro anzogen.

Einer der bullischen Faktoren löste sich heute – vorläufig – in Luft aus: Russland, China, Syrien und wohl auch die USA stimmen dem Vorschlag Putins zu, die Chemiewaffenarsenale Assads unter internationale Kontrolle zu stellen. Ein plötzlicher Militärschlag ist damit vom Tisch. Reflexartig zogen sich daraufhin Finanzspekulanten aus Rohölkontrakten zurück, was den Rohölpreis (Brent und WTI) einbrechen ließ. Dieser Rückzug war überfällig, da sich viele Fonds v.a. bei WTI-Rohöl schon sehr weit aus dem Fenster gelehnt hatten (vgl. unten letztes Chart).

Doch die Situation ist damit noch nicht gelöst: Damaskus wird hinhaltenden Widerstand gegen allzu neugierige Inspektoren leisten. Der Bürgerkrieg wird sich weiter in die Länge ziehen. Und die zahlreichen anderen Probleme im Ölmarkt (v.a. Libyen, aber auch Nordirak, Nordsee etc.) bleiben bestehen.

Auch saisonal spricht einiges für stabile Rohölpreise, so dass die Heizölpreise in Deutschland zwar noch ein paar Euros nachgeben können, aber in diesem Jahr wohl kaum dauerhaft die Marke von 80 Euro unterschreiten können. Dafür werden auch die Margen im Gasoilmarkt und im Heizölmarkt sorgen, die im Herbst traditionell zulegen (vgl. Charts weiter unten). Sie treffen auf eine ausgedünnte Raffinerielandschaft und derzeit sehr aktive internationale Ölhändler, die jede Verknappungslage, etwa bei Gasoil, zuspitzen werden, was die Heizölpreise nicht unbeeindruckt lassen wird. Auch ohne Syrien und ohne Sonne könnte es also ein heißer Spätherbst werden.

CHARTS:

Heizölpreise 2009-2013

Heizölpreise 2009-2013

Rohölpreise (Brent) 2011-2013

Rohölpreise (Brent) 2011-2013

Rohölpreise (Brent) in Euro 2011-2013

Rohölpreise (Brent) in Euro 2011-2013

Preise für Gasoil 2011-2013

Preise für Gasoil 2011-2013

Margen im Gasoilmarkt (Rohölpreis minus Gasoilpreis)

Margen im Gasoilmarkt (Rohölpreis minus Gasoilpreis)

Margen im Heizölmarkt (Gasoilpreis minus Heizölpreis)

Margen im Heizölmarkt (Gasoilpreis minus Heizölpreis)

Spekulation auf steigende/fallende Ölpreise 2012-2013 (Brent, WTI, Gasoil)

Spekulation auf steigende/fallende Ölpreise 2012-2013 (Brent, WTI, Gasoil)