Heizölpreise: Marktbericht und Preisprognose (30.März)

Heizölpreise: Marktbericht und Preisprognose (30.März)

30. März 2013

1. Aktuelle Heizölpreise

Die Preise für Heizöl und Rohöl haben sich in der abgelaufenen Woche deutlich erholt. Die Heizölpreise legten im Wochendurchschnitt knapp 2% von 84,7 auf 86,2 €/100l zu, Gasoil ein halbes Prozent von 904 auf 908 $/t und die Rohölpreise (Brent) ein knappes Prozent im Wochenschnitt von 108,1 auf 108,9 $/b.

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Damit liegt Heizöl wieder deutlich über dem Level von 2011, aber immer noch knapp 4 Euro unter dem Rekordjahr 2012. Die Trendwende bei Rohöl und Gasoil wirkt doppelt negativ, da auch der Dollar gegenüber dem Euro ein halbes Prozent auf 1,285 im Wochenschnitt anstieg.

Rohölpreise und Gasoilpreise

Die amerikanische Wirtschaft ist im Aufwind. Der US-Immobilienmarkt und der Arbeitsmarkt scheinen Tritt zu fassen. Im Vergleich dazu befindet sich Europa in einer stabilen Baisse. Der Abstand der Ölpreise verringert sich: Brent-Rohöl lag lange über 20 Dollar über WTI-Rohöl. Jetzt sind es nur noch 13 Dollar, der niedrigste Stand seit Juli 2012. Brent-Rohöl fiel im ersten Quartal um einen Dollar pro Fass, während WTI 6% zulegte. Die amerikanischen Heizölpreise verloren 4% im ersten Quartal. Parallel dazu festigt sich der Dollar gegenüber dem Euro, was die Importpreise für Energie hierzulande erhöht, obwohl die Ölpreise schwächeln. Im Jahr 2012 lag der Brent-Rohölpreis bei durchschnittlich 112 $/b, dem höchsten Durchschnittspreis aller Zeiten.

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Die Ölpreisspekulation zog bei WTI weiter an. Die Daten für Brent werden erst am kommenden Dienstag veröffentlicht. Aber die Tendenz ist unverändert: Noch immer wird mit roundabout 350 Mio. Fass netto auf steigende Rohöl-, Gasoil- und damit auch Heizölpreise gewettet. Die Spekulationsneigung ist aktuell stark, aber noch weit von Rekordwerten entfernt. Insofern ist das Rückschlagpotenzial durch Einflüsse der Finanzmärkte begrenzt, besonders bei Gasoil.

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Der globale Gasoilmarkt ist nach wie vor recht entspannt. Diesel wird in NWE (Nordwesteuropa, insbesondere mit dem Ölhandelszentrum Rotterdam) jedoch allmählich teurer. Der Winter reduziert die Heizölvorräte, aber die Raffinerien stellen schon auf die Sommermischungen bei Diesel um. In der Tendenz fallen dadurch die Lagerbestände, was die Preise für Heizöl, Gasoil und Diesel unterstützt. Die Gasoil-Vorräte in der Region Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen fielen auf 2,4 Mio. t. In den USA brachen sie in der letzten Woche gar um 4,5 mb ein. Das europäische Gasoil-Contango weitete sich bis zum Augustkontrakt aus. Da die aktuellen Preise gleichzeitig zulegten, deutet das eine Preisprognose der Marktteilnehmer hin, die in der Tendenz weiter steigende Preise vorwegnimmt. Gasoil hatte in den letzten Wochen fast 10% seines Wertes verloren, so dass viele Ölhändler jetzt Gasoil als überverkauft einschätzen und auf eine Trendwende bei den Preise setzen. Der nach wie vor hohe Heizölverbrauch, das Auslaufen der Zypernkrise und die anziehende Konjunktur in den USA bestärken sie in ihrer Einschätzung.

Wenig Unterstützung kommt dagegen aus Asien. Die indonesische und vietnamesische Gasoil-Nachfrage ist geringer als normal. Das lässt den üblichen Strom von Gasoil aus Asien Richtung Europa noch weiter anschwellen. Der Transport des Heizöl- und Dieselvorprodukts vom Persischen Golf nach Westeuropa kostet im Schnitt 45 Dollar/Tonne, also etwa 5% des Endpreises. Die europäischen Preise müssen also entsprechend höher sein, um Lieferungen anzuziehen („Arbitrage-Fenster“). Andererseits wird Europa aktuell von Russland gut versorgt, was wiederum Druck auf die Diesel- und Heizölpreise ausübt. Der Crack Spread für Gasoil in Singapur (also der Preisabstand zwischen Rohöl und Gasoil) lag im ersten Quartal 2013 nur bei 15 Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit 2010. Im zweiten Quartel rechnet der Markt wegen der Turnaround Season (Umstellung der Raffinerien auf Sommerprodukte) traditionell mit höheren Raffineriemargen, aber der Überschuss an Raffineriekapazitäten in Ostasien wird den Produktmarkt wohl weiter gut versorgen, da dort die Temperaturen – anders als hier – höher als normal sind. Die Produktion von Heizöl und (Heiz-)Kerosin konnte daher schon reduziert werden.

Die Margenseite setzt den Trend der Vorwochen fort: Die Bruttomarge für Gasoil (Brent minus Gasoil) bleibt gegenüber der Vorwoche fast unverändert schwach bei umgerechnet 6,5 Euro je 100 Liter. Die Heizölhändler bauen ihr Polster weiter aus und haben nun eine komfortable Heizöl-Bruttomarge (Gasoil ICE minus Heizölendpreis) von 12,3 Euro/100 l erreicht. Das ist der höchste Wert seit Dezember 2012. Im Gasoilmarkt sind die Margen damit ganz leicht über dem Vorjahreswert, im Heizölmarkt liegen sie jedoch 2 Euro darüber und erhöhen dadurch die Heizölpreise für die Verbraucher um 2,5 Prozent.

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Vergleicht man die aktuelle Lage mit dem Vorjahresmonat, ist das Rohöl (Brent) zwar ganz erheblich billiger geworden (108,9 gegenüber 124,3 $/b, aber ein schwächerer Euro und höhere Heizölmargen sorgen dafür, das die Heizölpreise aktuell nur knapp 4 Euro unter 2012 liegen.

2. Heizölpreise und Erdgaspreise international

US Gaspreise und Heizölpreise

Das Interesse der Finanzmärkte an der Entwicklung der US-Gaspreise ist so hoch wie nie zuvor („Open Interest“). Netto wird stark auf weiter steigende Preise für Erdgas gewettet. Die Daten der Terminmarktaufsicht CFTC zeigen den höchsten Stand seit 3 Jahren – was allerdings ein erhebliches Rückschlagpotenzial aufbaut.

Parallel dazu ziehen die Gaspreise in den USA weitaus stärker an als die Heizölpreise. Gas kostet an der Börse im Spotkontrakt knapp über 4 $/MMBtu. Das ist doppelt so viel wie im letzten Sommer. Die Preistendenz im Terminmarkt zeigt deutlich Richtung 5 $/MMBtu.

Heizöl kostet aktuell 3,05 $/g (g=Gallone 3,78 Liter). Auch hier zeigt die Tendenz nach oben, v.a. nach dem aktuellen Lagerbericht der EIA, der einen Abbau der Vorräte von Middle Distillates (also auch Heizöl und Diesel) von 4,5 Mio. Barrel meldete. Im langjährigen Vergleich liegen die Vorräte jetzt weit unter Normal, da das kalte Wetter den Verbrauch belebt, die Raffinerien zum Teil schon in Maintenance sind. Ebenfalls sind die Gaspreise im Nordosten der USA auf Rekordhoch, insofern als keine attraktive Alternative zur Ölheizung. An der kalten Ostküste schrumpften die Heizöllager in der letzten Woche um 1,3 Mio. Barrel. Das aktuelle Niveau ist damit 30% unter dem Vergleichswert des Vorjahres.

UK Gaspreise und Heizölpreise

Die britischen Heizölpreise bleiben 5 Euro unter dem deutschen Preisniveau. Anders im Gasmarkt: Trotz der LNG-Lieferungen aus Qatar und Trinidad, die in den kommenden Tagen an den britischen Küsten erwartet werden, halten sich die UK-Gaspreise auf einem hohen Niveau. Die Spotpreise (Day-Ahead) lagen Anfang der woche bei 99 p/therm (15 $/MMBtu), denn die Nachfrage liegt mit 373 Mio. cm pro Tag (136 bcm/a) weit über Normal. Die Pipelines aus Norwegen (Langeled, Vesterled), den Niederlanden (BBL) und Belgien (Interconnector) liefern 213 Mio. cm. Der Interconnector pumpt derzeit nur Richtung UK, da dort die höheren Preise erzielt werden können.

3. Heizölpreise Prognose

In der letzten Heizölpreisprognose vom 21. März schrieben wir: „Viel besser kann die Lage nicht mehr werden. Wir sehen nur noch geringes Abwärtspotenzial bis knapp über 80 Euro/100 Liter.“

Die Trendwende bei den Preisen setzte in der Tat kurz darauf ein. Immer mehr Heizölkunden müssen nachbestellen, während sich das internationale Umfeld – aus Preissicht – tendenziell verschlechtert. Gasoil hat wohl sein Tief gesehen, Brent stabilisiert sich wieder bei knapp 110 $/b. Und das Wetter bleibt sowohl in Deutschland als auch im Nordosten der USA ungewöhnlich kalt (siehe Prognosen unten für den 4. April). Unsere Prognose der Heizölpreise bleibt daher eher pessimistisch: Richtung 88 Euro in den nächsten Wochen. Die 80er-Marke ist vorerst außer Reichweite.

wetter-eu

 

wetter-naQuelle: Wetter Kontor

 

 
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