15. November 2012

1. Preisentwicklung 

Trotz sinkender Rohölpreise und schrumpfender Margen im Gasoil-Markt halten sich die deutschen Heizölpreise knapp über der 90-Euro-Marke für 100 Liter Standardlieferung. Damit bleibt der Heizölmarkt in der Seitwärtsbewegung zwischen 90-95 Euro, die den größten Teil des Jahres 2012 geprägt hat.

Die Endverbraucher sind weiterhin zurückhaltend: Ende August waren die Tanks nur zu 58% gefüllt. Das liegt am unteren Ende der Spannbreite der letzten fünf Jahre (vgl. Schaubild unten). Im August brach der Absatz im Großhandel sogar auf unter 1 Mio. t ein. Er dürfte sich aber im September und Oktober erholt haben.

Heizölpreise

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© Energiepolitik.DE (Bukold); Datenquelle: esyoil GmbH; Standardieferung 3000 l 

Füllgrad der Heizöltanks deutscher Endverbraucher Ende August 2012

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Quelle: IEA OMR 12. Nov. 2012

2. Rohölpreis

Der Rohölpreis hat in den letzten vier Wochen deutlich nachgegeben. Die globale Nachfrage ist eher schwach, die Spekulationsneigung ist gering, aber die zahlreichen Produktionsstörungen sowie hohe Raffineriemargen und die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten halten Brent-Rohöl über 100 Dollar pro Fass. Im Euroraum macht sich einmal mehr die Euroschwäche bemerkbar, denn die Rohölpreise liegen in Euro gerechnet weiterhin über den Vorjahrespreisen.

Brent-Rohöl in Dollar und Euro

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© EnergyComment Bukold; Datenquellen: ICE/Bloomberg BWave; Wochendurchschnittswerte

3. Spekulation an Ölbörsen

Die Nettowetten auf steigende Ölpreise (WTI) haben sich seit September glatt halbiert. Auch die Wetten auf steigende Gasoilpreise in Europa gingen stark zurück, da viele Raffinerien ihren Betrieb wieder aufgenommen haben. Die Spekulation auf höhere Brentpreise blieb dagegen angesichts der geopolitischen Risiken relativ stabil. Derzeit wird laut CME/Nymex und ICE „nur“ noch mit netto 116 Mio. Fass (WTI) bzw. 83 Mio. Fass (Brent) auf höhere Rohölpreise und mit rund 44 Mio. Fass (5,84 Mio. Tonnen) auf höhere Gasoilpreise spekuliert.

Spekulation im Rohölmarkt und Gasoil-Markt

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Das Schaubild oben zeigt zum einen den Rohölpreis (Brent) als graue Fläche; die farbigen Linien stehen für die Wetten der Hedgefonds auf steigende Ölpreise für WTI-Rohöl, Brent-Rohöl und europäisches Gasöl (ICE Gasoil) an den beiden großen Ölbörsen Nymex und ICE. Per Saldo wurde in den letzten Jahren ausnahmslos auf höhere Ölpreise gewettet, deshalb liegen die Kurven ständig oberhalb der Nulllinie.

4. Raffinerien und Handel: Gasoilpreise und Heizölpreise

Die Gasoilpreise sinken seit zwei Wochen schneller als die Rohölpreise. Eine schwache Nachfrage in Europa und das Wiederanfahren von Raffinerien hat die Versorgung hierzulande verbessert. Noch wichtiger sind die Auswirkungen des Hurrikans Sandy in den USA: Da das wirtschaftliche Leben an der US-Ostküste über zwei Wochen hinweg fast zum Erliegen kam, fiel die Nachfrage nach Gasoil. Die sehr knappen Lagerbestände in den USA konnten sich daraufhin sprungartig erholen. Die Preiskoppelung mit den europäischen Märkten sorgt dafür, dass auch hier die Preise schwächeln.

Gasoil Preise (ICE)

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© EnergyComment Bukold; Datenquellen: ICE/Bloomberg GWave; Wochendurchschnittswerte; Frontmonat

Folglich fiel die Gasoil-Marge in den letzten Wochen von über 10 Euro/100 Liter auf nur noch 8,5 Euro. Zusammen mit den schwächeren Rohölpreisen hätte das die Heizölpreise in Deutschland unter die Marke von 90 Euro drücken müssen. Aber diese Prognose wäre falsch gewesen, denn im Gegenzug gelang es den Heizölhändlern, die Heizölmargen sehr deutlich auszuweiten. Viele Kunden waren sich offensichtlich des Preispielraums ihrer Händler nicht bewusst. Die Margen stiegen seit Mitte Oktober im Wochendurchschnitt von knapp über 13 auf über 16 Euro/100 Liter. Die Heizölpreise waren dadurch 3 Euro höher als bei einer unveränderten Margenlage.   

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© EnergyComment / Bukold – Wochendurchschnittswerte BWave, GWave, HEL (schwefelarm) 3000 l lt. esyoil GmbH

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© EnergyComment Bukold; Datenquelle: BAFA, AGEB;
Daten zeigen Großhandelsabsatz, nicht Endverbraucherkäufe

 5. HEIZÖLPREISE: AKTUELLES FAZIT UND PREISPROGNOSE

Die Ursachen für das hohe Niveau der Heizölpreise sind nach wie vor Downstream zu finden: also zwischen Raffinerie und Endkunde. Wie erwartet sind zwar die Gasoil-Margen gesunken, auch durch „Sandy“, aber das wird zur Zeit von ungewöhnlich hohen Margen der Händler kompensiert.

Die Temperaturen auf beiden Seiten des Atlantiks sind im Moment nahe dem langjährigen Durchschnitt, aber für die USA wird ein sehr kalter Winter prognostiziert. In Europa soll der Winter durchschnittlich werden, aber andererseits sind hier die Heizöltanks eher unterdurchschnittlich gefüllt.

Von der Rohölseite ist keine große Änderung zu erwarten: Der Euro gibt nach und die Krisen im Nahen Osten werden den Rohölpreis wohl über 100 $/b halten. Gleichzeitig ist die globale Ölnachfrage eher schwach und das Angebot üppig. Per Saldo dürfte sich also bei den Rohölpreisen nicht viel verschieben.

Prognose der Heizölpreise: Bei weiterhin moderaten Temperaturen sollte es daher den Heizölkunden in vielen deutschen Regionen gelingen, die Einkaufspreise unter 90 €/100 Liter zu drücken (bei Standardlieferungen von 3000 Liter). Erst wenn sich die Versorgungslage in den USA wieder zuspitzt, oder wenn die Temperaturen hier rasch fallen sollten, könnten die Heizölpreise wieder Richtung 95 Euro marschieren.

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Der Link zu unserem jeweils aktuellsten Bericht ist: http://www.energiepolitik.de/thema/heizoelpreise/

Autor: Dr. Steffen Bukold 

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