16. Oktober 2012

1. Aktuelle Lage

Erneut ist ein Allzeithoch für die deutschen Heizölpreise in Sicht: Im Schnitt müssen seit fast einer Woche 95-96 Euro für 100 Liter (Standardlieferung 3000 l) gezahlt werden. Doch die Ursachen haben sich gegenüber dem Sommer verändert: Bislang hatten vor allem ein schwacher Euro oder ein haussierender Rohölpreis den Heizölpreis nach oben gehievt. Jetzt sind es vor allem die Margen im Gasoilmarkt.

Heizölpreise

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© Energiepolitik.DE (Bukold); Datenquelle: esyoil GmbH; Standardieferung 3000 l 

Der Rohölpreis hatte im September zunächst positiv auf die zins- und geldmarktpolitischen Aktionen der Fed und der EZB reagiert. Aber dann blieben Anschlusskäufe aus. Es fehlte ein positiver Impuls aus dem Rohölmarkt, der die bullische Grundstimmung befeuert hätte. Doch der blieb aus. Stattdessen mehrten sich die konjunkturellen Sorgen in China und den USA und die spekulative Welle brach jenseits des Atlantiks in sich zusammen. Erst die jüngsten Spannungen um Syrien und einige ermutigende Konjunkturdaten haben die Stimmung der Finanzmärkte wieder verbessert.

Brent-Rohöl in Dollar und Euro

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© EnergyComment Bukold; Datenquellen: ICE/Bloomberg BWave; Wochendurchschnittswerte

Der Kurvenverlauf unten zeigt deutlich, wie die Nettowetten für WTI-Öl zuerst einbrachen und sich zuletzt etwas erholten. Die Wetten auf steigende Brent-Ölpreise und Gasoil-Preise blieben dagegen stabil. Derzeit wird laut CME/Nymex und ICE mit netto 167 Mio. Fass (WTI) bzw. 106 Mio. Fass (Brent) auf höhere Rohölpreise und mit 66 Mio. Fass (8,8 Mio. Tonnen) auf höhere Gasoilpreise spekuliert.

Bedenklich stimmt, dass offenbar noch viele US-Hedgefonds ihr Pulver trocken halten, denn die Positionen sind noch weit vom Jahreshoch entfernt. Das könnte auch mit der regulativen Unsicherheit zusammenhängen, da zur Zeit eine Reihe von Verordnungen in Kraft treten, die außerbörsliche Aktivitäten (OTC-Swaps) an die Börse zwingen und die den Wirkungskreis der Investmentbanken in den Rohstoffmärkten weiter einschränken. Der Preiseffekt dieser Regulierung des Ölmarktes ist noch völlig unklar, könnte aber zu Verlagerungen Richtung London führen.

Spekulation im Rohölmarkt und Gasoil-Markt

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Das Schaubild oben zeigt zum einen den Rohölpreis (Brent) als graue Fläche; die farbigen Linien stehen für die Wetten der Hedgefonds auf steigende Ölpreise für WTI-Rohöl, Brent-Rohöl und europäisches Gasöl (ICE Gasoil) an den beiden großen Ölbörsen Nymex und ICE. Per Saldo wurde in den letzten Jahren ausnahmslos auf höhere Ölpreise gewettet, deshalb liegen die Kurven ständig oberhalb der Nulllinie.

2. Raffinerien und Handel: Gasoilpreise und Heizölpreise

Gasoil ist anders als Rohöl schon seit zwei Wochen wieder im Aufwärtstrend und hält sich im Wochendurchschnitt über 1000 $/t.

Gasoil Preise (ICE)

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© EnergyComment Bukold; Datenquellen: ICE/Bloomberg GWave; Wochendurchschnittswerte; Frontmonat

Das bedeutet höhere Margen für die Raffinerien, wie das folgende Schaubild zeigt. Die Gasoil-Marge liegt bei 10,5 Euro/100 Liter und damit auf einem Mehrjahreshoch. Gegenüber dem Vorjahr gehen 3,5 Euro je 100 l allein auf das Konto dieser Margenausweitung.

Die Heizölmargen mussten dagegen in der letzten Woche Federn lassen und sanken von 14,1 auf 13,4 Euro. Früher als im Vorjahr hatten sie wegen der anziehenden Nachfrage schon im September zum Höhenflug angesetzt. Aber das relativ milde Wetter und hohe Preise machen die Nachfrage preiselastisch. Die Margen liegen aktuell wieder auf Vorjahresniveau.

Die Endnachfrage nach Heizöl in Deutschland blieb im September wider Erwarten verhalten. Die Füllstände der Heizöltanks stieg im letzten Monat lediglich von 57 auf 58%, wie Brancheninsider schätzen. In den letzten Jahren lag der Füllstand im Schnitt schon bei 62%, aber immer mehr Käufer scheinen auf einen milden Winter zu setzen.

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© EnergyComment / Bukold – Wochendurchschnittswerte BWave, GWave, HEL (schwefelarm) 3000 l lt. esyoil GmbH

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© EnergyComment Bukold; Datenquelle: BAFA, AGEB;
Daten zeigen Großhandelsabsatz, nicht Endverbraucherkäufe

 

3. HEIZÖLPREISE: AKTUELLES FAZIT UND PREISPROGNOSE

Die Ursachen für das hohe Niveau der Heizölpreise sind nach wie vor Downstream zu finden: also zwischen Raffinerie und Endkunde. Ein Preis um die 92 Euro wäre zu erwarten, wenn die Margen auf dem Niveau von 2011 lägen.

Entlastung kommt zwar von der Währungsseite mit einem recht starken Euro und einem Rohölpreis, der jetzt schon seit zwei Jahren um die 110 $/b oszilliert. Im Spätherbst könnten außerdem die Margen für Gasoil in Europa unter Druck kommen, falls der Winter überdurchschnittlich mild bleibt. Ein Heizölpreis um die 88-90 € wäre dann möglich.

Aber das Risikopendel schlägt im Moment in die andere Richtung aus: Die neue Struktur des Heizölmarktes in den USA wird noch bis zum nächsten Frühjahr einen preistreibenden Einfluss auf das deutsche Preisniveau haben, sowohl bei Diesel als auch bei Heizöl (Details). Die Gasoil-Lager auf beiden Seiten des Atlantiks sind ebenso wie die deutschen Heizöltanks nur unterdurchschnittlich gefüllt. Sollten die Temperaturen deutlich fallen, werden sowohl die Gasoil- als auch die Heizölmargen um 1-2 Euro wachsen. Selbst bei konstantem Ölpreis und Euro wären dann rasch Heizölpreise um die 98 Euro möglich.

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Der Link zu unserem jeweils aktuellsten Bericht ist: http://www.energiepolitik.de/thema/heizoelpreise/

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