Zwischen dem Rohöl und dem fertigen Benzin, Heizöl oder Diesel steht die Raffineriebranche. Sie ist neben hohen Rohölpreisen und schwachem Euro der dritte wichtige Faktor für die Erklärung der aktuell hohen Sprit- und Heizölpreise.

Nach den „goldenen Jahren“ mit exorbitanten Gewinnen 2006-2008 und den „mageren“ Jahren 2009/2010 hat sich das Marktumfeld für Raffinerien seit 2011 in vielen Regionen wieder spürbar verbessert. Das gilt besonders für die USA, die zusätzlich von niedrigeren Rohöl- und Erdgaspreisen profitieren, aber auch für Nordwesteuropa (NWE). NWE mit seinen Raffineriezentren in Rotterdam, UK, Benelux und Deutschland ist auch für die Versorgung hierzulande der wichtigste Bezugsraum.

Eine Reihe von Faktoren hat den Anstieg der Margen in NWE unterstützt: Standortschließungen, geplante und ungeplante technische Ausfälle, sowie weltweite Ungleichgewichte in der regionalen Versorgung mit Benzin und Diesel.

Der Chart zeigt, dass die Bruttomargen (Crack Spreads) im laufenden Quartal fast das Allzeithoch vom zweiten Quartal 2008 erreicht haben. Damals schossen die Rohölpreise auf ein Allzeithoch, aber die Dieselpreise stiegen noch schneller, so dass die Margen insgesamt Rekordhöhen erreichten. Im Moment ermöglichen sowohl Benzin als auch Diesel gute Margen.

raffinerie-bruttomargen-1990-bis-2012

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Für die Raffinerien sind im allgemeinen keine Gewinn- und Verlustrechnungen verfügbar, da die meisten Anlagen gemeinsame Tochterunternehmen großer Mineralölkonzerne sind. Die Konzernbilanzen zeigen dann nur aggregierte Ergebnisse. Allerdings sind die Kostenelemente einer durchschnittlichen Raffinerie in der Branche bekannt, so dass Näherungswerte errechnet werden können.

Der branchennahe Informationsdienst EID in Hamburg schätzt (Newsletter Nr.33/12), dass ab einer Marge von ca. 6 $/b die Gewinnzone erreicht wird, errechnet allerdings weitaus niedrigere Bruttomargen als im obigen Schaubild. Laut EID waren z.B. die Rotterdamer und westdeutschen Raffinerien 2009 bis 2011 in der Verlustzone, verdienen seit 2012 jedoch gut.

Andere Indikatoren (z.B. GIM für NWE; Kostenansatz) errechnen dagegen schon für 2010 deutlich positive Nettomargen. Vielleicht sind die „goldenen Jahre“ ja schon wieder angebrochen.